Donnerstag, 08. Dezember 2016


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Vorfahrt für den Umwelt- und Klimaschutz: Erster Hybridbus im Linienbetrieb der MVG

(lifePR) (München, ) Pressefahrt mit Herbert König, Vorsitzender der MVG-Geschäftsführung und SWM Geschäftsführer Verkehr, Otto Schultze, MVG-Geschäftsführer und SWM Ressortleiter Bus, sowie Bruno Altenschöpfer, stellv. Geschäftsführer der Solaris Deutschland GmbH, am Donnerstag, 21. August, 11.30 Uhr, ab Haltestelle Odeonsplatz Fahrgäste sind Klimaschützer: Wer Bus und Bahn statt Auto fährt, vermeidet CO2. Ein durchschnittlich ausgelasteter Linienbus stößt pro Fahrgast weniger als ein Drittel der Treibhausgase eines durchschnittlich besetzten Pkw aus. In der Verkehrsspitze beträgt die CO2-Emission eines herkömmlichen Stadtbusses sogar nur etwa 5 Prozent des vergleichbaren Pkw-Ausstoßes. Ein möglichst gut ausgebautes und gut genutztes ÖPNV-Angebot wie in München ist daher ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Massiv steigende Treibstoffpreise und die Endlichkeit der Verfügbarkeit fossiler Treibstoffe rücken allerdings auch im ÖPNV immer mehr die Frage in den Mittelpunkt, wie der Energieeinsatz weiter reduziert werden kann. Eine verbesserte Verbrauchsbilanz könnten Hybridbusse vorweisen, deren Verbrennungsmotor durch einen Elektroantrieb unterstützt wird. Das erste Testfahrzeug dieser Art geht jetzt in München in den Regelbetrieb. Es handelt sich um einen dreiachsigen Hybrid-Gelenkbus des Herstellers Solaris, den die Stadtwerke München (SWM) für das Busnetz der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) gekauft haben.

Elektroantrieb mit Energiespeicher

Der "Urbino 18 Hybrid" kombiniert zwei Elektromotoren mit einem herkömmlichen Dieselaggregat. Er arbeitet als so genannter "paralleler Hybrid". Das heißt: Verbrennungs- und Elektromotor wirken gemeinsam auf den Antriebsstrang. Der Elektroantrieb tritt vor allem dann in Aktion, wenn der Bus anfährt. Die dazu erforderliche Energie ist "hausgemacht": Sie kommt aus einer Hochleistungsbatterie auf dem Dach des Fahrzeugs, die sich auflädt, wenn der Bus bremst. Die Elektromotoren wirken in diesem Fall als Generatoren, die die freiwerdende vorgänge wieder zur Verfügung stellen. Die Nutzung von Bremsenergie ist schon bei elektrischen Fahrzeugen wie U-Bahn und Tram seit Jahren üblich; dort gelangt diese Energie über die Fahrleitung in das Netz zurück und kann von gleichzeitig anfahrenden Zügen genutzt werden. Beim Bus wird hingegen ein ausreichend leistungsfähiges Speichermedium benötigt. Da Linienbusse im Stadtverkehr besonders häufig anfahren und bremsen, ist der Nutzeffekt der Bremsenergierückgewinnung bei Stadtbussen im Vergleich zu anderen Motorfahrzeugen besonders hoch.

Optimierter Dieselmotor

Wodurch entsteht nun die erwartete Verbrauchsreduzierung? Bei diesem Hybridbus läuft der Dieselmotor quasi im Leerlauf. Er erhöht erst dann seine Drehzahl, wenn der Leistungsbedarf nicht mehr alleine aus der Batterie gedeckt werden kann. In dieser Phase (bei der Beschleunigung) treiben dann Elektro- und Dieselmotor die Antriebsachse gemeinsam an. Die Drehzahl des Dieselmotors geht wieder zurück, sobald die Batterie wieder geladen ist und die erforderliche Leistung zur Verfügung stellen kann. Der Dieselmotor ist angesichts des zusätzlich vorhandenen Elektroantriebs auch etwas kleiner dimensioniert als bei herkömmlichen Dieselbussen. Selbstverständlich entspricht der Verbrennungsmotor der europäischen Abgasnorm Euro V, die erst im Laufe des Jahres 2009 Pflicht wird. Er verfügt über Katalysator und Partikelfiltersystem auf CRTBasis.

Test auf Herz und Nieren

MVG-Chef Herbert König: "SWM/MVG setzen bei den Stadtbussen traditionell auf die jeweils neueste und beste serienmäßige Technik. Deshalb sind in München auch nur noch Busse mit modernsten Abgasfiltern im Einsatz. Mit dem neuen Solaris-Fahrzeug steigen wir nun in den Dauertest der Hybridtechnik ein.

Damit setzen wir erneut auch ein Zeichen für den Umwelt- und Klimaschutz. Die Erprobung des Busses im Alltagsbetrieb der MVG soll zeigen, wie sich das Fahrzeug im alltäglichen Regelbetrieb mit Fahrgästen bewährt, vor allem aber, welche Energiebilanz mit dieser Technik zu erreichen ist. Wir erwarten, dass der Kraftstoffverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Dieselbussen um rund 20 Prozent zurückgeht."

Systemvergleich wichtig

Geplant ist ein zunächst etwa einjähriges Testprogramm. Dabei wird das Energiemanagement des Fahrzeugs optimiert, jeweils der Verbrauch gemessen und mit konventionellen Bussen unter ansonsten gleichen Einsatzbedingungen verglichen. Die Performance des Hybridbusses wird genau dokumentiert und ausgewertet. SWM/MVG achten dabei nicht nur auf den Spritverbrauch, sondern auch auf die Einsatzstabilität im Linienverkehr, den Fahrkomfort für Fahrpersonal und Fahrgäste, das Geräuschverhalten und die Wartungsfreundlichkeit. Im Fokus steht dabei aber auch das technische Konzept, denn: "Es gibt nicht den Hybridbus, sondern mehrere unterschiedliche Konzepte. Welches sich letztlich durchsetzen wird, ist heute noch offen. Deshalb ist uns auch der Systemvergleich wichtig. In Kürze werden wir noch einen zweiten Hybridbus eines anderen Herstellers mit einem anderen technischen Konzept einsetzen und ebenfalls auf Herz und Nieren testen", so Herbert König.

Serienreife in einigen Jahren

König weiter: "Selbstverständlich geben wir unsere Erfahrungen aus dem Praxisbetrieb auch an Solaris weiter. Auf diese Weise unterstützen wir den Hersteller bei der Optimierung der innovativen Fahrzeugtechnik. Unsere Rückmeldungen sollen dazu beitragen, dass die Hersteller möglichst bald die Serienreife der Hybridtechnik bei Bussen erreichen und die Fahrzeuge in größeren Stückzahlen finanzierbar werden. Entscheidend für den Erfolg ist dabei nicht nur, dass die Technik zuverlässig funktioniert, sondern auch, dass dann eine wirtschaftliche Beschaffung möglich wird. Dies ist heute noch nicht gegeben
- Hybridbusse sind derzeit noch wesentlich teurer als konventionelle Busse. Die Wirtschaftlichkeit ist aber Voraussetzung für eine Serienanschaffung von Hybridbussen, weil die Fahrzeuge aus Fahrgeldeinnamen - also aus dem Geld unserer Kunden - finanziert werden müssen. Wäre neue Technik unwirtschaftlicher, könnten entsprechend weniger Busse eingesetzt werden. Das Angebot würde also schlechter. Das wäre natürlich gerade in Sachen Klimaschutz der falsche Weg." Nahezu alle Bus- und Nutzfahrzeugmotorenhersteller arbeiten inzwischen an der Serienreife von Hybridbussen.

Zum jetzigen Zeitpunkt wird damit gerechnet, dass die meisten Bushersteller die Serienreife in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts erreichen.

Einsatz auf der MetroBus-Linie 52

Der Hybridbus fährt zunächst auf der MetroBus-Linie 52 zwischen Marienplatz und Tierpark - voraussichtlich ab Mittwoch, 27. August. Er wird von geschulten Fahrerinnen und Fahrern gesteuert, die mit den Besonderheiten von Hybridfahrzeugen vertraut gemacht wurden. Fahrgäste erkennen den neuen Bus (Wagennummer 5340) unter anderem an der Aufschrift "Hybrid- Technik im Test bei der MVG", die auf das innovative Innenleben des Fahrzeugs aufmerksam macht. MVG-Chef König: "Wir freuen uns natürlich auf Kundenreaktionen und sind gespannt darauf, ob unsere Fahrgäste Unterschiede zu herkömmlichen Bussen wahrnehmen. Der Hersteller verspricht unter anderem einen geringeren Geräuschpegel und eine 'sanftere Fahrdynamik' als bei herkömmlichen Bussen."

Bundesweiter Erfahrungsaustausch

Baugleiche Solaris-Hybridbusse der neuesten Generation sind seit Kurzem auch in Bremen (Bremer Straßenbahn) und Hannover (üstra) im Fahrgasteinsatz.

Ein Fahrzeug der "ersten Generation" (Baujahr 2006) fährt seit mehr als einem Jahr in Dresden (DVB). Auch die MVG hat bereits Erfahrungen mit der Hybridtechnik gesammelt. Im März dieses Jahres wurde für einige Tage ein Doppelgelenk-Hybridbus von Hess/Vossloh Kiepe getestet (serieller Hybrid, vgl. MVG-Pressemitteilung vom 19.3.2008). König: "Mit den Kollegen in den genannten kommunalen Partnerbetrieben sowie den Spezialisten in unserem Verband (VDV) wird ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch stattfinden.

Gemeinsam mit der Industrie wollen wir diese Technik voranbringen.

Unser Solaris-Bus dient dabei auch als Botschafter für Hybridbusse: So wird er München jeweils einige Tage verlassen, um auf einer Ausstellung in Berlin und bei der UN-Klimakonferenz in Posen für diese Technik zu werben."

Bequem für Fahrgäste

Aussehen und Ausstattung des neuen Hybridbusses gleichen den vor wenigen Tagen in Betrieb genommenen Solaris-Gelenkbussen der neuesten Generation.

Auffälligste Neuerung ist die zusätzliche vierte Tür im Heck, die den Fahrgastfluss optimieren soll. Selbstverständlich ist das durchgehend niederflurige Fahrzeug wieder behindertengerecht ausgestattet (Absenkmöglichkeit und Klapprampe). Es verfügt über Klimaanlage, Videoüberwachung und Flachbildmonitore für die Kundeninformation und bietet insgesamt 106 Fahrgästen Platz.

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