- Pressemitteilung BoxID 205191
Engagement für die Nahversorgung und Fußgängerzählungen in der Innenstadt
Wirtschaftsförderungsausschuss befasste sich zudem mit Innovationsoffensive
Insgesamt, so die Bestandsanalyse der Wirtschaftsförderung, ist die Versorgungssituation in den meisten Karlsruher Wohngebieten mindestens befriedigend, in vielen Bereichen auch gut und sehr gut. Die Wirtschaftsförderung beobachtet laufend den Markt, prüft Unternehmenskonzepte und ist im Gespräch mit allen Akteuren der Nahversorgung, um auch unter sich möglicherweise ändernden wirtschaftlichen Bedingungen Verbesserungen in unterversorgten Stadtteilen herbeizuführen. So wird derzeit das Nahversorgungszentrum in Oberreut gebaut, ein neues Nahversorgungsangebot in der Nordweststadt vorbereitet oder auch ein Ladengeschäft in Rintheim wiedereröffnet. Ziel ist eine integrierte, also zentrumsnahe und fußläufige Versorgung, nicht jedoch eine auf der grünen Wiese. Zu den schlecht versorgten Gebieten zählen derzeit vor allem die "Bergdörfer", also Hohenwettersbach, Stupferich und Wettersbach. Die Stadt vermittelt auch, wenn Märkte von etablierten Betreibern aufgegeben werden. Die Erfahrung zeigt, dass selbständige Geschäfte in Karlsruhe unter bestimmten Voraussetzungen, nämlich ab 450 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem Einzugsgebiet von mindestens 4000 Einwohnern Versorgungslücken schließen können. Als nicht wirtschaftlich erwiesen sich Shuttle-Service-Konzepte, also die Menschen mit Bussen zu bestimmten Zeiten zu Märkten zu fahren. Letztlich entscheidet die Kundschaft mit ihrem Einkaufsverhalten über die Wirtschaftlichkeit der Läden.
Gut angenommen werden beispielsweise die CAP-Märkte an der Kaiserallee und in Durlach. Das bestätigte Willi Rast, der das Integrationsunternehmen, das vom Beschäftigungszentrum Karlsruhe (BzkA) getragen und von EDEKA (90 Prozent) und regionalen Anbietern (zehn Prozent) beliefert wird, im Ausschuss vorstellte. Danach arbeiten in derzeit 90 CAP-Märkten Menschen mit und ohne Behinderungen mit dem Ziel, die Nahversorgung zu sichern sowie für sich und ihre Kundschaft einen Lebensmittelpunkt zu schaffen. Wo ein neuer CAP-Markt entsteht, entscheidet eine Standortanalyse. Das Unternehmen macht keinen Gewinn, muss aber eine schwarze Null schreiben. Nicht bewährt haben sich mangels Nachfrage die beiden CAP-Mobile, die in Gebiete ohne Lebensmittelläden fahren. Denn oftmals kaufen die Menschen hier via Auto in größeren, weiter entfernt liegenden Märkten ein. Sehr gut kommt dagegen der ab einem Warenwert von 20 Euro kostenlose Lieferservice an. Menschen können sich ihre im Geschäft ausgesuchten Waren in erreichbaren Entfernungen in die Wohnung bringen lassen oder per Telefon, Fax und E-Mail von zu Hause aus bestellen. Auch andere Märkte bieten diesen Service an. So bringen unter anderem der Edeka Markt Palmbach, der Krämer Landmarkt in Stupferich, nah und gut Wolfartsweier und Scheck-in Durlach Einkäufe in die Höhenstadtteile. In den eigenen und angrenzende Stadtteile liefern Markant Nah & Frisch Demirkök in Rüppurr und in der Nordstadt sowie Markant Nah & Frisch Spoljaric in Rintheim.
Ausschussmitglieder regten ebenfalls an, Lieferservice und Internetbestellung stärker bekannt zu machen und mahnten Solidarität mit Einzelhändlern vor Ort an. Diese könnten nicht vom Verkauf vergessener Kleinigkeiten leben, wenn ansonsten per Auto bei den großen Ketten eingekauft werde.
Fußgängerzählungen des Amtes für Stadtentwicklung in der Innenstadt zwischen 2006 und 2010 sowie die Regionsumfrage 2009 haben ergeben, dass die Mehrheit der befragten Personen (45,9 Prozent) sowohl das ECE-Center sowie die Geschäfte auf der Kaiserstraße besucht. 2006 lag dieser Wert noch bei 31,8 Prozent. Befürchtungen, wonach das ECE die Kaiserstraße "tot" machen würde, haben sich also nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, die Kaiserstraße kann ihre Position als Haupteinkaufsstraße halten. Der Anteil derer, die nahezu ausschließlich auf die Kaiserstraße gingen, lag 2009 bei 39,3 Prozent. Die Zahl der reinen ECE-Fans ist zwischen 2006 und 2009 von 7,9 auf 11,4 Prozent gestiegen. Immer deutlicher werde auch die Bedeutung der Erbprinzenstraße. Passantinnen und Passanten bewegen sich also zunehmend im Dreieck zwischen Kaiserstraße, Ettlinger Tor und Postgalerie. Zunehmende Attraktivität wird die Kaiserstraße in dieser "Dreiecksbeziehung" nach dem Umbau des ehemaligen Kaufhauses Breuninger am Europaplatz und mit dem neuen Kaiserkarree am Marktplatz gewinnen. Die Stadt verfügt mit solchen Zählungen zudem über gute Messinstrumente, um schnell reagieren zu können, wenn sich durch die Baustellen Verlagerungen der Einkäuferströme abzeichneten. Dass sich ECE und Kaiserstraße wie geplant gegenseitig befruchten, bewerteten die Gremiumsmitglieder positiv. Das Verschwinden von immer mehr inhabergeführte Läden zugunsten von Kettengeschäften erklärte Mergen auch mit der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten, die von privaten Betreibern nur schwer bespielt werden könnten. Eine Chance für private Betreiber mit kleineren Läden sah sie eher in den B-Lagen und Fächerstraßen.
Um die Entwicklung der Innovationsoffensive "SmarterCity Karlsruhe" kümmert sich seit neuestem, erfuhren die Mitglieder des Wirtschaftsförderungsausschusses, neben der stadtinternen Lenkungsgruppe und dem Innovationskreis das Innovationsboard. Es besteht aus Vertretern der Netzwerke AEN und Cyberforum sowie der Institute Fraunhofer ICT, IOSB, des FZI, des KIT, der IBM Deutschland, der Volkswohnung und der Wirtschaftsförderung. Diese sichten Projekt- und Ideenvorschläge, lenken den Gesamtprozess bis hin zur Umsetzung und schlagen Verantwortlichkeiten und Entscheidungen im Innovationskreis vor. Das Innovationsboard hat nun als Definition für die Entwicklung einer Marke verabschiedet: "SmarterCity Karlsruhe" ist eine Initiative der Stadt Karlsruhe und ihren Partnern aus Forschung und Wirtschaft mit dem Ziel, durch den effizienten Einsatz neuester Technologien die Lebensqualität für die Menschen und Innovationsfähigkeit der Unternehmen in der Stadt nachhaltig zu steigern. Die Initiative bündelt Projekte für intelligente Dienstleistungen und Infrastrukturen zur Information, Kommunikation und Mobilität sowie innovative Geschäftsmodelle mit Leuchtturmcharakter und internationaler Strahlkraft." Fünf Arbeitskreise beackern die Felder Smart House, Intelligente Mobilität, Leben in der Stadt/Public Services, Kombilösung, Bürgerdienste und Energie. Die SmarterCity Initiative entwickle, so die Rückmeldung auch großer Firmen, jetzt schon große Strahlkraft, informierte die Wirtschaftsförderung und solle zur aktiven Bewerbung des Standorts Karlsruhe genutzt werden. So hieß es etwa aus der Firma IBM: "Die jetzt in Karlsruhe angestoßene Initiative ist im Bundesvergleich an vorderster Stelle, was die strategische Aufstellung und die themengetriebenen Ansätze angeht. Bürgernutzen, Effizienz und Nachhaltigkeit mit den verfügbaren Ressourcen werden in Karlsruhe eindeutig als Chefsache gesehen." Bekannt gemacht werden solle das alles genauer, hieß es auf eine Frage aus dem Ausschuss, wenn erste Produkte marktreif seien.
Außerdem hat sich der Ausschuss mit einem Sachstandsbericht zum Kreativgründerzentrum im Kreativpark "Alter Schlachthof" befasst, der auch noch in weiteren Ausschüssen diskutiert wird. Seine Zustimmung hat das Gremium zudem zum Verkauf dreier städtischer Gewerbegrundstücke im Technologiepark und im IWKA-Areal an Wirtschaftunternehmen gegeben.
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