Samstag, 10. Dezember 2016


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Bürgermeister: Bürgerwohl vor Konzerngewinn

Geplante Gleichstromtrasse nur 22 Meter von Wohnhäusern entfernt / Rathaus erarbeitet Alternativtrassen

(lifePR) (Eppstein, ) Auch in Eppstein wachsen die Bedenken gegen die geplante Umrüstung der Stromtrassen zum Ausbau des Ultranet. Die Begriffe Ultranet und Südlink sind Schlagworte, die Land auf Land ab in der Bevölkerung gefürchtet sind. Dabei ist das Anliegen nachvollziehbar und weitestgehend akzeptiert. Die Energiewende soll in Deutschland vollzogen werden, und dazu bedarf es auch neuer Stromtrassen oder der Umrüstung bestehender Anlagen. Diese sollen künftig den im Norden der Republik gewonnenen Strom aus erneuerbaren Energien in die südlichen Länder transportieren. Dazu ist eine Hochspannungs-Gleichstromübertragung nötigt, um den Transport zu gewährleisten. Ultranet ist ein Netzausbauprojekt der Amprion GmbH. Es soll eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung realisiert, und eine der großen Strombrücken zwischen Nord- und Süddeutschland geschaffen werden. Das Projekt erstreckt sich über etwa 340 Kilometer von Osterath in Nordrhein-Westfalen bis nach Philippsburg in Baden-Württemberg. Und auch Eppstein ist von dem Ausbauvorhaben betroffen. Die Firma Amprion ist Betreiber der Leitungen, die durch die Gemarkungen von Niederjosbach und Bremthal führen. Zur vergangenen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt hatte Bürgermeister Alexander Simon einen Vertreter des Betreiberkonzerns eingeladen.

"Die Maßnahmen zur Förderung des Klimaschutzes werden vollumfänglich begrüßt und unterstützt. Eppstein selbst leistet einen lokalen Beitrag zur Energiewende. Die Notwendigkeit der Schaffung einer den Anforderungen des Klimaschutzes entsprechenden Stromtrasse erkennen wir an", so der Bürgermeister. Mit Blick auf die Betroffenheit der Bürger verschärft sich der Ton jedoch enorm: "Wenn es darum gehen soll, dass Betreiberkonzerne nur die günstigste Lösung im Blick haben, werden wir uns dagegen zur Wehr setzen", so der Rathauschef weiter. Vor allem im Stadtteil Bremthal wird das Ausbauvorhaben kritisch betrachtet. Durch das Wohngebiet Am Roth laufen gleich zwei Hochspannungstrassen, eine davon soll künftig nicht mehr Wechselstrom, sondern Gleichstrom transportieren. Dabei sind die langfristigen Auswirkungen von Gleichstromfeldern, die im Umkreis entstehen, noch nicht erforscht. "Ich kann die Besorgnis verstehen, denn der Abstand bis zur Leitung beträgt in Teilen des Hessenrings gerade einmal 22 Meter", so Simon. Der Bürgermeister hat nun eine Beschlussvorlage erstellt, die er erneut dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt und der Stadtverordnetenversammlung vorlegen möchte. "Das Vorhaben abzulehnen macht keinen Sinn, zumal die Intension ja die richtige ist", so Simon. Erarbeitet hat er nun zwei alternative Trassen. Mit dieser Verschwenkung würde die Trasse künftig nicht mehr direkt an der Wohnbebauung von Niederjosbach und Bremthal vorbeilaufen. "Es ist klar, dass eine Umrüstung vorhandener Trassen einfacher und günstiger durchzuführen ist. Mich interessieren aber keine Konzerngewinne, sondern nur das Wohl der Bürgerinnen und Bürger", so Simon. Bei den beiden im Rathaus entworfenen Alternativtrassen müssten mehrere Masten neu gebaut werden. Die eine Alternativtrasse sieht drei, die andere vier neue Masten vor. Das dürfte für den Betreiber teurer werden, als der Wechsel von Wechselstrom auf Gleichstrom bei einer bestehenden Trasse. "Wir wollen doch die Bürger für die Energiewende begeistern, und dazu brauchen wir die Akzeptanz vor Ort", so Simon abschließend.

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