Donnerstag, 08. Dezember 2016


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Prinz Methusalem - Erneute Johann-Strauss-Entdeckung an der Staatsoperette Dresden

Premiere: 23. und 24. April 2010, 19:30 Uhr

(lifePR) (Dresden, ) Mit dem "Prinz Methusalem" steht bereits zum dritten Mal nach "Der Carneval in Rom" (2004) und "Das Spitzentuch der Königin" (2007) die Ausgrabung einer unbekannten Operette von Johann Strauss auf dem Spielplan der Staatsoperette Dresden. Der Dresdner Johann-Strauss-Zyklus bietet damit erneut eine szenische Wiederaufführung, die es weltweit nur in Dresden zu erleben gibt.

Eine Operette für Paris

Johann Strauss konzipierte seinen "Prinz Methusalem" bewusst für die Pariser Bühne. Nachdem 1875 die zweite Fassung seiner Operette "Indigo und die vierzig Räuber" in Paris mit großem Erfolg aufgeführt wurde und eine französische Fassung der "Fledermaus" bereits in Vorbereitung war, erhoffte er sich erstmals eine Uraufführung in der französischen Metropole. Es kam allerdings kein Vertrag zu stande, so dass diese Operette schließlich anders als geplant am 3. Januar 1877 im Wiener Carl-Theater ihre Uraufführung hatte. Und so bemerkt schon die Neue Freie Presse sieben Tage nach der Uraufführung, dass Strauss' neuste Operette "überall bedeutenden Erfolg erringen" dürfte, "am meisten vielleicht in Paris, denn offenbar hat Strauss bei dieser Arbeit den französischen Geschmack im Auge gehabt ... Einige der hübschesten Musikstücke ... nähern sich mit Glück dem Style der französischen Opéra comique ...".

Bewusst nimmt sich Johann Strauss für den "Prinz Methusalem" den Aufbau der Werke Jacques Offenbachs zum Vorbild. So sind dramaturgische und textliche Parallelen zwischen diesem Werk und der zehn Jahre zuvor uraufgeführten "Großherzogin von Gerolstein" nicht zu übersehen.

Um dem Geschmack des französischen Publikums auch textlich zu entsprechen, sollte eine französische Komödie von Jérôme Albert Victor van Wilder, der auch schon für die französische Bearbeitung von "Indigo" verantwortlich zeichnete, und Delacour als Libretto zum "Prinz Methusalem" dienen. Die Uraufführung in Paris vor Augen, begann Strauss zunächst damit, den französischen Originaltext zu vertonen. Als sich die Pläne einer Uraufführung in der Seine-Metropole allerdings nicht konkretisierten, ließ er sich das Textbuch von Matthias Karl Ludwig Treumann für Wien in deutscher Sprache einrichten. Treumann war ein ausgesprochener Kenner der Pariser Theaterszene und maßgeblich daran beteiligt, Jacques Offenbach von der Seine auch an die Donau zu holen. So ist er in seiner langen Karriere nicht nur als Schauspieler und Theaterdirektor hervorgetreten, sondern auch als Übersetzer und Bearbeiter zahlreicher Offenbach-Operetten, die er dem Wiener Lokalkolorit anglich und so wesentlich zu ihrem Erfolg in der Donaumetropole beitrug.

Kein Wunder also, dass er den satirisch-ironischen Stil, der in Paris an den so erfolgreichen Offenbachiaden bewundert wurde, auch in seinem Libretto zum "Methusalem" genau traf. Dies wurde von der zeitgenössischen Kritik gerade im Zusammenhang mit den "trefflich von ihm erdachten" Texten zu einzelnen Couplets durchaus erkannt. Besonderen Erfolg konnte das Couplet des Königs Sigismund "Das Tipferl auf dem I" und Methusalems "Generalslied" aus dem dritten Akt der Operette für sich verbuchen, so dass das Publikum nach einem Bericht der Neuen Freien Presse vom 4. Januar 1877 noch während der Vorstellung "stürmisch nach Treumann" rief. Das gesamte Textbuch jedoch stieß aufgrund seines französischen Ursprungs in einer Zeit zunehmender Vorurteile gegen den Nachbarn nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 auf nur wenig Gegenliebe bei den Kritikern. Für Treumann, der noch im Jahr der Uraufführung verstarb, sollte das Libretto zum "Prinz Methusalem" die letzte Theaterarbeit werden.

Obwohl von der Presse verrissen, ist die Grundsituation des Librettos eine bis heute gültige Staats- und Revolutionssatire, so wie wir sie etwa auch aus den frühen Shakespeare-Komödien oder Georg Büchners "Leonce und Lena" kennen, deren Atmosphäre sich unverkennbar in Treumanns Textbuch widerspiegelt: Eigentlich ist für die Herrscher der beiden Phantasiestaaten Rikarak und Trocadero alles ganz einfach: Prinz Methusalem von Rikarak soll Pulcinella, Tochter des Königs von Trocadero, heiraten; die Länder werden vereinigt und die Zukunft ist gesichert. Doch als ganz so einfach erweist sich die Realität nicht: Methusalem und Pulcinella verlieben sich nicht nur ineinander, sondern sie beginnen auch noch, ihre eigenen Wünsche durchzusetzen. Und die sehen völlig anders aus als die Pläne der Väter. Als dann auch noch eine Revolution ausbricht, kommen die beiden Herrscher in eine missliche Lage ...

Strauss, der Rattenfänger von Wien

Die Uraufführung dieser Offenbachiade galt vor allem als ein großer Erfolg für Johann Strauss, den Eduard Hanslick anlässlich der ersten Aufführung als "unwiderstehlichen 'Rattenfänger' von Wien" bezeichnete und dessen "graziöse, lebensvolle Musik" er in der Neuen Freien Presse lobte. Die satirische Zeitschrift "Die Bombe" bemerkte wenige Tage nach der Uraufführung zu Strauss' Musik: "'Prinz Methusalem' weist in der That an sogenannten musikalischen Witzen eine reiche Fülle auf ... Übrigens ist der Schlusswalzer von einer so hinreißenden Wirkung, dass ihn selbst die schärfsten Kritiker durch die gerümpfte Nase mitbrummen."

Nach der Uraufführung erlebte "Prinz Methusalem" bis September 1881 im Carl-Theater 89 Vorstellungen. Darüber hinaus verbreitete sich das Werk rasch über die Bühnen der Welt: So war das Werk bereits 1878 in Berlin, dann 1880 in New York und schließlich 1883 in London und Melbourne erfolgreich zu sehen. Zumeist wurde das Buch für diese Produktionen neu bearbeitet. Die Legitimation für diese Eingriffe stammte vom Komponisten selbst: Schon nach der Uraufführung ermunterte Johann Strauss - angesichts des kritisch aufgenommenen Buches - seine Darsteller "das Stück neu zu gestalten".

Dieser Aufforderung zur Improvisation kamen die Wiener Sänger nur allzu gerne nach, wie ein Pressebericht anlässlich der 25. Aufführung belegt.

Und auch Strauss hat intensiv an seinem "Methusalem" weiterarbeiten wollen: Nur wenige Tage nach der Uraufführung in Wien ist er nach Paris aufgebrochen. Hierhin hatte er sich die Partitur seiner neusten Operette nachschicken lassen, um sich von Wilder und Delacour zu seiner Musik ein neues Buch schreiben zu lassen. Doch auch dieses Vorhaben scheiterte.

Die Dresdner Wiederaufführung

Ermutigt von diesem Ringen um ein endgültiges Buch für die erfolgreich aufgenommene Musik des "Prinz Methusalem" hat sich die Staatsoperette Dresden auf Grundlage der Kritischen Ausgabe, die in der Wiener Neuen Johann Strauss Edition eigens für die Dresdner Wiederaufführungen herausgegeben wurde, entschlossen, das Originalbuch durch den Berliner Kabarettisten und Autoren Peter Ensikat behutsam bearbeiten und aktualisieren zu lassen. Schon 1932 gab es eine Bearbeitung des Stückes an der Sächsischen Staatsoper Dresden, die musikalische Leitung hatte damals Fritz Busch inne.

Die Dresdner Wiederaufführung dieser Operette weist darüber hinaus noch eine weitere Besonderheit auf: Sie greift beide Besetzungstraditionen der Titelpartie auf. Wurde der Methusalem in der Uraufführung noch von einem Mezzosopran als Hosenrolle gestaltet, setzte sich schon wenig später auch die Variante einer Besetzung mit einem Tenor oder Bariton durch. An der Staatsoperette wird die Titelpartie alternierend von Jana Frey und Christian Grygas gesungen.

Mit der Inszenierung dieser Operette wird die Regisseurin Adriana Altaras, die unter anderem sehr erfolgreich die "Fledermaus" in Potsdam und erst vor kurzem einen gefeierten "Zar und Zimmermann" in Augsburg herausgebracht hat, ihr Debüt an der Staatsoperette Dresden geben. Ihr zur Seite steht die Ausstatterin Yashi Tabassomi. Die musikalische Leitung liegt, wie schon bei den vorhergehenden Werken des Strauss-Zyklus, in den Händen des Chefdirigenten der Staatsoperette Dresden, Ernst Theis.

André Meyer und Uwe Schneider

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