Sonntag, 11. Dezember 2016


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Zukunft der Altersversorgung in Deutschland

SOKA-BAU Praktiker-Tagung 2009

(lifePR) (Wiesbaden, ) "Zukunftssicherung Altersversorgung" lautete das Motto der 9. SOKA-BAU Praktiker-Tagung am 17. November 2009 in Wiesbaden. Neben der aktuellen und künftigen Altersvorsorgesituation standen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Altersvorsorge im Mittelpunkt der Fachtagung für Geschäftsführer, Personalverantwortliche und Betriebsräte aus Bauunternehmen.

80 Prozent aller gewerblichen Arbeitnehmer in der Baubranche gehen vor dem 65. Lebensjahr in Rente; 70 Prozent sind nicht in der Lage, bis zum 63. Lebensjahr zu arbeiten. Und jeder dritte Beschäftigte der Bauwirtschaft muss wegen einer Berufs- oder Erwerbsminderung - im Durchschnitt mit 55 Jahren - seinen Beruf an den Nagel hängen. Dies geht aus aktuellen Auswertungen von SOKA-BAU (Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes) hervor. "Die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre stellt für Bauleute nichts anderes als eine gewaltige Rentenkürzung dar - das halten wir für nicht tragbar", sagte SOKA-BAU-Vorstand Karl-Heinz Sahl.

Sahl fordert: "Es kann nicht sein, dass gewerblich Beschäftigte der Bauwirtschaft, die mit 60 Jahren - nach über 40-jähriger Tätigkeit am Bau - aus gesundheitlichen Gründen in Rente gehen müssen, Abschläge von 25 Prozent hinnehmen müssen. Wenn die Rente mit 67 im kommenden Jahr zur Prüfung ansteht, sollte eine branchenbezogene Abwägung der Gegebenheiten erfolgen. Am Bau steigen die Arbeitnehmer früh ins Arbeitsleben ein und haben über Jahrzehnte schwerste körperliche Arbeit bei Wind und Wetter zu verrichten. Das muss in eine Gesamtbewertung einfließen."

Auswirkungen der Finanzkrise

Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlassen auch in der Altersvorsorge ihre Spuren. "Die Krisenverluste sind spürbar, aber nicht bedrohlich. Renten der gesetzlichen Rentenversicherung erleiden einen permanenten Vermögensverlust. Die Entwertung der gesetzlichen Renten wird je nach dem Verlauf der Krise zwischen 5,7 und 9,4 Prozent liegen", erklärte Dr. Anette Reil-Held vom Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA). "Betriebliche Altersvorsorgeprodukte von Versorgungswerken und Pensionskassen haben im Durchschnitt einen Aktienanteil von deutlich unter zehn Prozent. Deshalb sind sie von der Krise weit weniger betroffen als andere Vorsorgeprodukte", steuerte Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V. (aba), Heidelberg, bei.

Bei SOKA-BAU waren die Auswirkungen der Finanzkrise kaum zu spüren, denn die Beiträge zur BauRente werden nur zu einem geringen einstelligen Prozentsatz in Aktien angelegt. "Unsere Anlagestrategie ist bewusst konservativ, aber dennoch ertragsorientiert. Anlageprodukte, die mit unkalkulierbaren Risiken einhergehen, hatten wir in der Vergangenheit nicht im Portfolio und sie werden auch in Zukunft bei uns außen vor bleiben", erklärte Werner Schneider, Finanzexperte von SOKA-BAU.

Zukunft der Rente

Wird die gesetzliche Rente künftig nur Schutz vor Altersarmut bieten oder stellt die Rente auch in Zukunft eine Lohnersatzleistung dar, mit der sich im Alter auskömmlich leben lässt? Dieser Frage widmete sich Prof. Dr. Wilfried Schmähl von der Universität Bremen. "Ein Rentner mit durchschnittlichem Einkommen während seines Arbeitslebens wird 2030 etwa 37 Beitragsjahre benötigen, um eine gesetzliche Rente in Höhe der so genannten Grundsicherung (Sozialhilfeniveau) zu erreichen. Wer etwa 80 Prozent des durchschnittlichen Lohnniveaus erreicht, wird bereits 45 Jahre arbeiten müssen, um eine Rente in Höhe der Grundsicherung zu bekommen", prognostizierte Schmähl. Die Folge: Für einen Großteil der Versicherten wird selbst nach langer Versicherungsdauer der durch Beiträge erworbene Rentenanspruch in der gesetzlichen Rentenversicherung kaum spürbar die Armutsgrenze übersteigen.

Wie die Rahmenbedingungen für die Altersvorsorge künftig zu gestalten seien - darüber diskutierten abschließend Klaus Brandner (MdB SPD), Matthias W. Birkwald (MdB Die Linke), Dr. Heinrich Leonhard Kolb (MdB FDP), Max Straubinger (MdB CDU/CSU) und Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (MdB Bündnis 90/Die Grünen). Naturgemäß gingen hier die Positionen weit auseinander. Weitgehend einig waren sich die Politiker darin, dass bei den gegebenen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Rahmenbedingungen die Mehrzahl der Arbeitnehmer in Zukunft ohne zusätzliche Altersvorsorge keine Rente oberhalb der Grundsicherung erreichen wird.

SOKA-BAU

SOKA-BAU ist der gemeinsame Name für die Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft und die Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes AG. Beide sind gemeinsame Einrichtungen der Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft: Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V., Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. und Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

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