Samstag, 10. Dezember 2016


Unerwartet hohes Bauvolumen im 3. Quartal - Abschwächung ab Mitte 2010 zu erwarten

SBV-Quartalsstatistik III/2009

(lifePR) (Zürich, ) Die Bauwirtschaft in der Schweiz erweist sich bisher als erstaunlich krisenresistent. Die nominalen Umsätze im Bauhauptgewerbe waren im 3. Quartal 2009 um beachtliche 6,1% höher als im Vorjahr. Für diese Zunahme waren sowohl der Tiefbau (+8,9%) als auch der Hochbau (+3,5%) verantwortlich. Eine detaillierte Analyse zeigt jedoch, dass der Bauwirtschaft in den nächsten Quartalen eine Abkühlung bevorsteht. Dies sind die Ergebnisse der vierteljährlichen Konjunkturumfrage des SBV bei seinen Mitgliedern.

Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe beliefen sich im 3. Quartal 2009 auf rekordhohe 5,4 Mrd. Franken (+6,1% gegenüber 2008). Auch die Arbeitsvorräte haben sich erfreulich entwickelt. Sie betrugen Ende September stolze 11,6 Mrd. Franken (+5,0%). Auf den ersten Blick scheint die Bauwirtschaft also von der Krise wenig zu spüren. Dennoch mehren sich die Anzeichen, dass auch sie sich auf schwierigere Zeiten einstellen muss. Die stark rückläufigen Auftragseingänge (-13,2%) lassen auf eine deutliche Abkühlung schliessen.

Schub im Wohnungsbau

Der Wohnungsbau konnte im dritten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahresquartal um bemerkenswerte 7,0% zulegen. Auch die Auftragsbestände notierten Ende September um 5,8% über dem Stand vom September. Diese Entwicklung lässt sich dadurch erklären, dass die für die Nachfrage nach Wohnbauten wichtigen Grössen wie Arbeitslosigkeit, Zuwanderung und Konsumentenstimmung erst mit Verzögerung auf gesamtwirtschaftliche Entwicklungen reagieren. Der konjunkturelle Abschwung dürfte erst im nächsten Jahr seinen Tiefpunkt erreichen und somit zu einer Schrumpfung der Nachfrage nach Wohnungen führen.

Zyklischer Wirtschaftsbau

Der Wirtschaftsbau hat sich im 3. Quartal erneut deutlich abgeschwächt. Das markante Minus von 11,1% bei den Auftragseingängen gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres weist darauf hin, dass mit einer weiteren Abflachung der Bautätigkeit im Industrie- und Gewerbebau zu rechnen ist. Diese Entwicklung stimmt mit Erfahrungen in der Vergangenheit überein: Der Wirtschaftsbau ist ein Abbild der Investitionszyklen der Firmen und somit besonders reagibel bez. rückläufigen Entwicklungen.

Regionale Unterschiede im Hoch- und Tiefbau

Die einzelnen Regionen der Schweiz zeigen auch im 3. Quartal 2009 deutliche Unterschiede: Dies gilt sowohl für den Hoch- als auch den Tiefbau. So gehören im Wohnungsbau die Kantone Zürich, Luzern und Schaffhausen zu den "Gewinnern", die Kantone Bern und Tessin zu den "Verlierern".

Auffällig ist das hohe Bauvolumen im Kanton Zürich (+11,1%). Für diese Entwicklung ist eine hohe Zahl privater und öffentlicher Hochbauprojekte (Prime Tower, Europaallee u.a.) sowie eine dickes Polster an öffentlichen Infrastrukturprojekten (Durchmesserlinie, flankierende Massnahmen Westumfahrung Zürich u.a.) verantwortlich. Der Kanton Zürich hatte im 3. Quartal 2009 einen Anteil von knapp 20% am gesamtschweizerischen Bauvolumen.

Stagnation beim Stammpersonal

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Bauhauptgewerbe ist im Vergleich zum Vorjahresquartal in etwa konstant geblieben (-0,2%). Ein Blick auf die Arbeitslosenzahlen des Staatssekretariates für Wirtschaft (SECO) für den Monat Oktober zeigt, dass die Beschäftigung im Hoch- und Tiefbau gegensätzlich verläuft. Im Hochbau war im Oktober eine Arbeitslosenquote von 5,0% zu verzeichnen. Diese lag um 1,1% über den gesamtschweizerischen Schnitt. Im Tiefbau war dagegen eine unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote von 2,9% zu beobachten.

Hohe Verantwortung der öffentlichen Hand

Eine vertiefte Analyse des Tiefbaus zeigt klar, dass das hohe Produktionsniveau auf einer Handvoll grosser Strassen- sowie Schienenverkehrprojekte gründet. Die stark rückläufigen Auftragseingänge beim öffentlichen Tiefbau (-26,9%) im 3. Quartal deuten aber auf eine deutliche Abschwächung ab Mitte 2010 hin. Im Zusammenhang mit dem Konsolidierungsprogramm des Bundes wird bereits über Kürzungen im Infrastrukturbau debattiert. Angesichts des aktuellen Konjunkturverlaufs drohen diese Kürzungen gerade dann zu greifen, wenn die private Baunachfrage massiver einbricht. So wie der SBV die vom Bund beschlossenen Konjunkturpakete auf dem Hintergrund der guten Auslastung der Bauwirtschaft kritisch beurteilt hat, so fordert er eine Verstetigung der Auftragsvergabe in schwierigen Zeiten. Eine "Stop-and-Go-Politik" der öffentlichen Hand ist für die Branche schädlich und auf jeden Fall zu vermeiden.

Verhaltene Erwartungen

Der SBV schätzt das Baujahr 2009 insgesamt als gut ein. Prognosen für 2010 sind schwierig. So geht der SBV davon aus, dass die private Nachfrage nach Bauleistungen weiterhin sinken wird, die öffentliche Hand diese Ausfälle jedoch über eine gewisse Zeit weiterhin wettmachen kann. Eine eigentliche Trendwende stünde der Bauwirtschaft erst mit einem Einbrechen des öffentlichen Tiefbaus bevor. Der Staat hat es in der Hand, diesen Tiefschlag für die Bauwirtschaft zu verhindern.

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