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Schulden‐Doping: Soll Deutschland gewinnen?
EM Splitter
Ist dies alles reiner Zufall, oder liegt dem Ganzen vielleicht doch eine unbewusste kollektive Inszenierung zugrunde?
Ein Zusammenhang zwischen fußballerischem Erfolg und Verstrickung in die Eurokrise lässt sich natürlich nicht direkt beweisen. In den Medien werden jedoch immer wieder solche Bezüge hergestellt - so etwa wenn italienische Zeitungen titeln: "Merkel, wir kommen!" oder griechische Blätter vom "Spiel der Zinssätze" sprechen. Fußball und Politik scheinen hier gefühlsmäßig denselben Punkt zu treffen.
Geht man diesem Gedanken nach, scheint es dann doch so, als ob die wirtschaftspolitische Krise den Beteiligten zusätzliche Kräfte verleiht. Gerade die überschuldeten Länder sind offenbar "heiß" darauf zu zeigen, dass sie etwas "drauf" haben. Man bekommt den Eindruck, dass der Beweis geführt werden soll, in ihnen stecke mehr Potential als in der Wirtschaftskrise ihres Heimatlandes aktuell zum Vorschein kommt. Die starken Leistungen der Mannschaften dieser Länder haben sie in das Viertelfinale und die Meisten sogar in das Halbfinale geführt.
Und Deutschland? Hierzu sind die Erkenntnisse aus der neuen Oettinger Deutschlandstudie extrem spannend. Auch die Deutschen fühlen sich unter Druck. Sie sehen die Not in den südlichen Ländern, registrieren aber auch eine Neiddiskussion, nach der Deutschland seine gute wirtschaftliche Position auf Kosten von anderen einnimmt. Sie haben Sorge, in einen wirtschaftlichen Abwärtsstrudel hineingezogen zu werden. Die Deutschen wollen daher beweisen, dass sie ihre wirtschaftliche Stabilität und Potenz mit Fug und Recht erworben haben. Und sie wollen auch, dass sich Europa in Wirtschaftsangelegenheiten an ihnen orientiert und nicht umgekehrt.
Auf dem Fußballfeld scheint dies die Deutschen nun mit einer Zielstrebigkeit und einem Siegeswillen von ganz neuer Qualität auszustatten. Die Spiele werden mit großer Ernsthaftigkeit, aber auch mit einer inneren Ruhe und Selbstsicherheit angegangen, wie sie selten von einer deutschen Mannschaft ausgestrahlt wurde. Selbst der vermeintliche Angstgegner Italien verliert seine Schrecken.
Jeder Sieg hat für die Beteiligten aber auch seinen Preis: Ein Sieg gegen Deutschland würde für die überschuldeten Länder symbolisch zugleich auch bedeuten, dass sie stärker sind als Deutschland und auf seine Hilfe nicht angewiesen sind. Die freundlichen Äußerungen aus den Lagern von Deutschlands Gegnern scheinen eher darauf hinzudeuten, dass sie letztlich ein starkes Deutschland bevorzugen. Gerne wird von "kreditwürdigen" deutschen Spielern gesprochen, die einen Tunnel durch den "Schuldenberg" bauen und in Weltklassemanier siegen. Die Deutschen werden plötzlich sogar "geliebt". Arroganz, Brutalität und Egoismus scheinen bei ihnen wie weggeblasen.
Der Preis eines Sieges für Deutschland besteht symbolhaft darin, auch jenseits des sportlichen Parketts noch stärker Verantwortung in Europa übernehmen zu müssen. Folgt man der Oettinger Deutschland‐Studie halten die Deutschen sich selbst nun für reif genug dafür. Natürlich gibt es auch Befürchtungen, die darin den Beginn eines neuen problematischen Nationalismus sehen. Gespürt werden aber von allen die deutschen Hoffnungen und Erwartungen auf einen siegreichen Abschluss der Europa‐Meisterschaft.
Es spricht vieles dafür, dass Deutschland gewinnen soll. Aber: Der Ball ist rund, und man darf gespannt sein, wie es sich letztlich entwickelt.
Die OeTTINGER Deutschland‐Studie:
Die OeTTINGER Brauerei hat es sich zum Ziel gesetzt, dem Thema "Deutschland" umfassend und tiefenpsychologisch auf den Grund zu gehen. Dabei wird die Studie eine breite Palette von Themen zum Deutschlandbild aufgreifen, die helfen soll, diese komplexe Thematik von allen Seiten zu beleuchten und ein möglichst ausführliches Gesamtbild zu zeichnen.
Bei der OeTTINGER Deutschland‐Studie handelt es sich um eine sehr umfangreiche Untersuchung, die in einem Zeitraum von ca. fünf Monaten durchgeführt wird. Dabei ist im Mai 2012 zunächst die tiefenpsychologisch‐qualitative Untersuchung mit ca. 200 Interviews gestartet. Anschließend werden diese Ergebnisse durch eine quantitativ‐repräsentative Studie ergänzt.
Die komplette Studie wird im September 2012 fertiggestellt und anschließend in Gänze der Öffentlichkeit vorgestellt.
Bereits während der Studie wird über den Fortgang und erste Zwischenergebnisse berichtet werden, da diese Studie zu einem breiten, öffentlichen Diskurs anregen soll. Dazu soll auf den jeweiligen Webseiten der OeTTINGER Brauerei und des rheingold salon, aber auch auf Facebook berichtet werden.
Über Rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen
Der rheingold salon ist die neue Unit des rheingold Instituts für qualitative Markt‐ und Medienanalysen, einer der renommiertesten Adressen der qualitativ‐psychologischen Markt‐ und Wirkungsforschung. Zu den Aufgaben des salon zählen neben der "klassischen" Marktforschung, die Beratung bei der Entwicklung und Umsetzung strategischer Konzepte, Unterstützung bei Marketing und Kommunikation sowie die Moderation von Workshops. Der salon arbeitet an der Schnittstelle zwischen Marketeers und Agenturen. Die Basis der Arbeit bildet dabei die morphologischen Markt‐ und Medienforschung, die an der Universität Köln entwickelt wurde. Zu den Kunden des salon zählen die bekanntesten Adressen der deutschen und internationalen Wirtschaft.
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