Mittwoch, 07. Dezember 2016


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Am seidenen Faden

Raumanzug von Felix Baumgartner vorgestellt - erste Probesprünge aus 8000 m erfolgreich absolviert - Pilotprojekt für Astronauten

(lifePR) (New York, ) Wenn Felix Baumgartner in 36 Kilometern aus seiner Druckkapsel steigt und schneller als eine Pistolenkugel der Schallmauer entgegen schießt, hängt sein Leben sprichwörtlich an einem "seidenen Faden": genauer gesagt an den wenigen Millimetern Stoff seines Raumanzuges. Bei extremen Bedingungen wie bis zu minus 60 Grad Celsius, Sauerstoffmangel und extrem geringer Dichte (unter ein Prozent des Meeresniveaus) bietet er dem Österreicher den einzigen Schutz bis zum Austritt aus der "Todeszone". Baumgartner wird mit seinem Projekt Red Bull Stratos versuchen, als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer zu durchbrechen und gleichzeitig vier Rekorde zu brechen: die höchste bemannte Ballonfahrt, der längste freie Fall, die größte im freien Fall erreichte Geschwindigkeit und der höchste Absprung der Welt.

Der Trick mit dem Druck:

Bis zur Absprunghöhe von 36 Kilometern wird Felix Baumgartner von einer geschlossenen Druckkapsel geschützt, die ihm im Inneren eine künstliche Atmosphäre schafft. Dann muss der Österreicher eigenständig den Druck in der Kapsel auf die äußeren Verhältnisse verringern, um überhaupt die Tür öffnen zu können. Gleichzeitig füllt sich sein Raumanzug mit Stickstoff, um einen lebensnotwendigen Druck von 0,24 bar und Feuerfestigkeit zu gewährleisten. Ab diesem Moment hängt Baumgartners Leben nur mehr von der Funktion des maßgeschneiderten Anzugs ab.

Die Kehrseite

Der überlebensnotwendige Raumanzug bringt auch einige Schwierigkeiten mit sich.

- Eingeschränkte Mobilität: Fallschirmspringer nehmen ihre optimale Position durch geringe Veränderungen in der Körperhaltung ein. Das steife Material und der mit Druck gefüllte Anzug erschweren die kontrollierten Bewegungen, die Gefahr des "flat spinnings" wird somit speziell bei geringem Luftdruck eklatant. Schnelles Handeln in Notsituationen wird erheblich erschwert.

- Eingeschränkte Sicht: Das durch den Helm ohnehin stark verringerte Sichtfenster wird durch ein mögliches Anlaufen oder Vereisung des Visiers zusätzlich erschwert. Inklusive Vorbereitung und Absprung wird Baumgartner fünf Stunden im Anzug verbringen. Bereits geringe Mengen von Schweiß in Kombination mit Druck- und Temperaturunterschieden könnten daher fatal sein.

- Eingeschränktes Tastempfinden: Der mit Druck gefüllten Handschuhe beeinträchtigen die Fähigkeit Dinge zu ertasten enorm. Einfache Handgriffe wie das Bedienen der Instrumente, des Fallschirmauslösers oder der Steuerleinen werden daher schon zu Herausforderung.

Fortlaufende Tests.

Um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, werden in den USA intensive Tests durchgeführt. In der Druckkammer wurde das Equipment erfolgreich getestet und Felix Baumgartner konnte sich an die extremen Bedingungen gewöhnen. Unzählige Stunden hat er bereits im Windkanal verbracht und das kontrollierte Einnehmen der stromlinienförmigen "Delta-Position" (siehe Seite 2) geübt. Außerdem erfolgten bereits Probesprünge aus rund 8.000 Metern Höhe, um die Ausrüstung auf mögliche Schwäche zu testen. Dazu wurden beispielsweise kleine Spiegel auf den Handschuhen montiert, um trotz der eingeschränkten Sicht das gesamte Equipment überprüfen zu können. Außerdem wurde der Fallschirmauslöser derart modifiziert, dass er selbst mit Druckanzug ertastbar ist. "Diese Tests sind für uns unerlässlich, da wir immer wieder auf neue Erkenntnisse stoßen. Am Boden sieht alles noch OK aus, doch in der Luft ändert sich oft schnell das Bild - speziell wenn du derjenige im Raumanzug bist", so Baumgartner. Veteran Joe Kittinger gibt dem Österreicher noch einen persönlichen Tipp mit auf den Weg: "Du musst in deinem Anzug tanzen und singen, bist du wirklich eine Einheit mit ihm bist."

ZUSATZINFORMATIONEN

Das tapfere Schneiderlein.

Mit Stolz präsentierte die David Clark Company Ende März in den USA ihren revolutionären Raumanzug - der erste, der nicht von einer Regierungsorganisation finanziert wurde. Joe Kittinger, der 1960 vom gleichen Unternehmen ausgerüstet wurde, ist sich sicher, dass es sich hierbei um den "next generation space suit" handelt. Der Anzug wurde speziell auf Felix Baumgartners Körpermaße und den Ansprüchen des freien Falls angepasst. Das Projektteam bezeichnet ihn als "Pilot Protective Assembly" oder kurz PPA.

Diese Version soll als Prototyp für zukünftige Modelle dienen. Diese sollen es Astronauten ermöglichen, aus deutlich höheren Sphären abzuspringen und so sicher auf die Erde zurückzukehren. Da es auf diesem Gebiet aber noch keine Erfahrungswerte gibt, erhoffen sich die Wissenschaftler wesentliche technische Erkenntnisse aus der Mission Red Bull Stratos.

Der Stoff, aus dem die Träume sind.

Ohne einen funktionierenden Raumanzug kann Baumgartner seine Vision nicht verwirklichen. Der Anzug besteht außen aus feuerfestem und kälteabweisendem Material. Darunter verbirgt sich der so genannte "net link" (ein spezielles Gewebe, das die darunterliegende Schicht "bladder" vor unkontrolliertem Ausdehnen schützt), der sich mit Gas füllt und so den Druck auf ein überlebensnotwendiges Niveau von 0,24 bar (vergleichbar mit den Bedingungen auf etwa 11 Kilometern Höhe) anhebt. Ein integriertes Kontrollventil, das "Gehirn des Anzugs" misst ständig den Druck und gleicht ihn je nach Höhe an. Mike Todd, der Life Support Engineer von Red Bull Stratos, beschreibt den PPA als eine "eigene, künstliche Atmosphäre".

Der richtige Durchblick.

Die Hülle des Helms wurde aus Verbundstoffen geformt. Das Visier hat einen integrierten Sonnenschutz und ist speziell konstruiert, um Verzerrungen im Blickfeld zu vermeiden. Eine Heizvorrichtung soll das Anlaufen bzw. Vereisen des Visiers vermeiden. Über Sauerstoffflaschen wird Baumgartner mit 100-prozentigem Sauerstoff versorgt. Außerdem befinden sich im Helm ein Mikrofon und Kopfhörer für die Kommunikation mit dem Mission Control Center.

V wie Delta.

Die Delta-Position bzw. -Formation ist ein Begriff aus der Aeronautik. Man versteht darunter eine V-förmige Anordnung, die aus aerodynamischer Sicht den Luftwiderstand verringert und somit höhere Geschwindigkeiten ermöglicht. Vogelschwärme fliegen in dieser Formation und auch moderne Flugzeuge sind nach demselben Muster konstruiert. Felix Baumgartner wird nach seinem Absprung kopfüber mit seitlich angelegten Armen und leicht gespreizten Beinen wie eine Rakete nach unten fliegen und somit eine optimale Beschleunigung und das Durchbrechen der Schallmauer garantieren.

Globale Partner wie BBC, Nokia, Microsoft und Riedel Communications unterstützen die Mission Red Bull Stratos durch Expertise.

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