Montag, 05. Dezember 2016


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Präsident des deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus beim 3. Forum Schulmanagement: "Es gibt keinen generellen Werte- und Erziehungsnotstand und es gibt keine verkorkste Jugend!"

(lifePR) (Linz, ) "Man kann nicht nicht erziehen. Wer nicht erzieht, erzieht ein Kind zu einem orientierungslosen Individuum, das mit Pseudo-Unabhängigkeit überfordert ist". Diese These stellte Josef Kraus, Buchautor und Präsident des deutschen Lehrerverbandes am Donnerstag Abend beim 3. Forum Schulmanagement des Vereins der oö. Schulsponsoren auf. Rund 280 Landes- und Bezirksschulinspektoren, Direktoren sowie Lehrer- und Elternvertreter waren zu seinem Vortrag zum Thema "Erziehung als schulische Nachrüstung - muss der Bildungsauftrag neu definiert werden?" in die Raiffeisenlandesbank OÖ gekommen.

Bei Erziehung auf Hausverstand hören

Der "Schule total" erteilte Josef Kraus in seinem Vortrag eine Absage. "Denn Schule, die den Erziehungsauftrag völlig übernimmt, ist nicht in der Lage, das erzieherische Bewusstsein der Eltern zu erhöhen, sondern fördert, dass erzieherische Aufgaben noch mehr an den Staat abgegeben werden." Erziehung bedeute, "intuitiv die richtige Mischung aus Führen und Wachsen lassen zu finden" und auf den Hausverstand zu hören.

Mut zur Autorität und zum Vorbild

"Erziehung bedeutet auch, die Kinder in Anspruch zu nehmen. Sowohl Rechte als auch Pflichten müssen vermittelt werden. Und wir brauchen eine Renaissance von Arbeit und Leistung", so Kraus. Auch "Zeit" ist für ihn ein besonders wichtiger Erziehungsfaktor im Elternhaus und in der Schule. Ein Fehler sei auch, wenn Eltern Ersatzpartner ihrer Kinder sein wollen. "Kinder brauchen Vorbilder und sind mit einer freundschaftlichen Partnerschaft zu ihren Eltern überfordert", betonte Kraus, der zum Mut zur Autorität und zum Vorbild sein, aufrief.

Wie Erziehung in der Schule gelingt

"Der Bildungsauftrag von Schule muss nicht neu definiert werden", sagte Kraus, der fünf Punkte zur gelingenden Erziehung in der Schule formulierte:

- Erziehung beginnt in der Schule ganz im Kleinen. Es braucht wieder mehr Courage unter den Lehrern, Schüler bei Fehlverhalten wie Unpünktlichkeit oder obszöner Sprache, zurecht zu weisen.

- Erziehung setzt Autorität von Schule in der Öffentlichkeit voraus. "Diese habe gerade in der letzten Zeit bei politischen Diskussionen, aber auch bei einfachen Stammtischgesprächen gelitten", betonte Kraus.

- Erziehung in der Schule gelingt nicht, wenn keine kulturell bedeutenden Inhalte vermittelt werden. Politische, kulturelle und sportliche Bildung darf nicht vernachlässigt werden.

- Erziehung bedeutet für Lehrer, Anwälte für die Jugend zu sein. Kraus: "Es gibt keinen generellen Werte- und Erziehungsnotstand und es gibt keine verkorkste Jugend. Ein Großteil der Jugendlichen ist bodenständiger, als ein Erwachsener in seiner zweiten oder dritten Pubertät."

- Erziehung bedeutet, als Lehrer erziehungswidrige Missstände, wie beispielsweise Reality-Soap-Formate im Fernsehen, mit Zivilcourage anzuprangern.

Enzenhofer: Drei wichtige Zukunftsaufgaben

Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer betonte, dass die primäre Erziehungsaufgabe von den Erziehungsberechtigten wahrgenommen werden müsse. "Lehrer sind jedoch auch Erzieher. Nur haben sich die Aufgaben geändert, auf die sich Lehrer nun auch einstellen müssen", so der Landesschulratspräsident. Im Bereich der Erziehung und Bildung warten laut Enzenhofer drei wichtige Zukunftsaufgaben: die Erhöhung der Bildungsqualität, die Gewährleistung von Bildungsgerechtigkeit damit "die soziale Schere nicht auseinander klafft" und schließlich bedeutet Bildung nicht automatisch auch Wissen. Enzenhofer: "Bildung bedeutet vor allem auch Menschen-Bildung. Wir müssen den ganzen Menschen sehen, formen und begreifen."

Scharinger: Jugend muss gefordert werden

"Die Jugend braucht Vorbilder, die sie leider nicht immer findet. Wer die Jugend nicht fordert, fördert sie auch nicht. Daher müssen wir der Jugend auch etwas zutrauen", betonte Dr. Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ und stv. Obmann des Vereins der oö. Schulsponsoren. Als Vertreter der Wirtschaft ist für ihn eine hervorragende Ausbildung ganz entscheidend, damit Jugendliche einen vernünftigen Arbeitsplatz finden. Darüber hinaus ist im Bereich der Bildung und Ausbildung nicht nur Wissen notwendig, sondern "es geht auch um Benehmen und Sympathien".

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