Mittwoch, 07. Dezember 2016


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Neuer QIAGEN-Test mit EU-Zulassung weist Genvariation nach, die Nebenwirkungen bei AIDS-Therapie auslöst

Biomarker HLA-B*5701 signalisiert Risiko für Nebenwirkungen bei der Behandlung mit Abacavir / Experten erwarten zukünftig weitere Tests

(lifePR) (Venlo, Niederlande, ) QIAGEN (Nasdaq: QGEN; Frankfurt Prime Standard: QIA) hat heute die Einführung eines neuen molekulardiagnostischen Tests bekanntgegeben, mit dem das HLA-B*5701-Allel - eine genetische Variation im humanen Leukozytenantigen-System (HLA) - nachgewiesen werden kann.

HIV-Patienten mit dem HLA-B*5701-Marker haben ein um 60 % höheres Risiko, eine Überempfindlichkeitsreaktion auf Abacavir zu entwickeln. Dieser Wirkstoff ist Bestandteil mehrerer weit verbreiteter Medikamente, die zur Hemmung der reversen Transkriptase als entscheidenden Faktor für die Vermehrung von HI-Viren eingesetzt werden. Eine Überempfindlichkeitsreaktion auf Abacavir manifestiert sich als ein schweres, zum Teil sogar tödliches Syndrom, das mehrere Organe betrifft und unter anderem von Symptomen wie Fieber, Atembeschwerden oder allgemeinem Unwohlsein begleitet wird.

Am 24. Juli diesen Jahres hat die US-amerikanische Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration (FDA) eine Empfehlung veröffentlicht, nach der alle HIV-Patienten vor der Behandlung mit Abacavir auf das Vorhandensein des HLA-B*5701-Allels getestet werden sollen. Auch in Deutschland sowie in anderen Ländern wurden ähnliche Empfehlungen publiziert. Damit reagieren die Aufsichtsbehörden auf eine Studie, die in diesem Jahr in dem Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Im Rahmen dieser sogenannten PREDICT-1-Studie, die am Royal Perth Krankenhaus der australischen Murdoch Universität in Perth durchgeführt wurde, konnte anhand der Daten von 1956 Patienten aus 19 Staaten gezeigt werden, dass HLA-B*5701 ein wichtiger Marker für mögliche Überempfindlichkeitsreaktionen bei der Behandlung mit Abacavir ist.

"Das Screening auf HLA-B*5701 vor der Behandlung mit Abacavir ermöglicht die Identifizierung von Patienten, die wahrscheinlich eine Überempfindlichkeitsreaktion zeigen werden. Durch die gemeinsame Nutzung des HLA-B*5701-Tests in Verbund mit dem Wirkstoff Abacavir können Patienten mit einer HIV-Infektion somit besser vor zusätzlichen Leiden geschützt werden", erläutert Professor Magnus Ingelman-Sundberg, Leiter der Abteilung Pharmakogenomik am Karolinska Institut in Stockholm und Verfasser der Studienbewertung im New England Journal of Medicine. "Die Kombination von Diagnostika und Therapeutika ist der Schlüssel zur Vermeidung des Risikos auf Nebenwirkungen und somit zur Erhöhung der Wirksamkeit von Medikamenten." Dr. Ingelman-Sundberg erwartet, dass in naher Zukunft weitere Testverfahren für pharmakogenetische Marker eingeführt werden. Dies schließt Tests auf HLA-Allele ein, denen eine wichtige Rolle bei der individuellen Patientenreaktion auf eine Reihe von Medikamenten zugeschrieben wird. "Ein Beispiel ist das Medikament Carbamazepine©, welches zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird und bei Patienten asiatischer Abstammung mit dem HLA-B*1502-Allel zu gefährlichen oder sogar potenziell tödlichen Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut führen kann", erläutert Dr. Ingelman-Sundberg.

"Unser neuer Test ist ein weiteres exzellentes Beispiel für die Verbreitung molekulardiagnostischer Testverfahren, die zur Beurteilung der Wirksamkeit von Medikamenten eingesetzt werden können. Diese Entwicklung verspricht zukünftig enorme Vorteile. Wenn Ärzte in die Lage versetzt werden, mithilfe molekularer Testverfahren ihre Behandlungsstrategien auf Basis der molekularen Profile von Patienten und Erkrankungen individuell anzupassen, führt dies zu mehr medizinischen Innovationen, einer höheren Kosteneffizienz und vor allem zu besseren und sichereren Versorgung der Patienten", sagt Peer Schatz, Vorstandsvorsitzender von QIAGEN. "Wenn es um Pharmakogenomik und Begleitdiagnostik geht, haben wir bislang nur die Spitze des Eisbergs gesehen. Wir bei QIAGEN sind stolz auf den Beitrag, den unsere Probenvorbereitungs- und Testtechnologien sowie unsere Kompetenz im Bereich der molekularen Diagnostik zur Verwirklichung der Vision einer personalisierten Medizin leisten."

Aktuell bietet QIAGEN das weltweit breiteste Portfolio molekulardiagnostischer Tests an. Das Produktangebot umfasst - in Abhängigkeit von behördlichen Zulassungen in unterschiedlichen Ländern - über 120 Testverfahren für diverse molekulare Ziele. Darunter fallen hoch auflösende molekulare Testverfahren für HLA-Allele - ein Markt, in dem QIAGEN eine führende Rolle einnimmt. Der neu eingeführte Test ergänzt ein größeres Portfolio für den Einsatz in der personalisierten Medizin, das in Abhängigkeit von den behördlichen Zulassungen in einzelnen Ländern molekulare Testverfahren zum Einsatz bei Transplantationen, Krebsbehandlung und anderen Therapien umfasst.

Der neue Olerup SSP© PCR-basierte Test wurde von der Olerup SSP AB entwickelt und produziert. Es ist in Europa offiziell für die In Vitro Diagnostik CE-markiert, in anderen Ländern darf er ausschließlich zu Forschungszwecken eingesetzt werden.

Über Pharmakogenomik und personalisierte Medizin

Die Pharmakogenomik beschäftigt sich mit dem Einfluss individueller Genvarianten bei der Reaktion auf bestimmte Medikamente. Damit bildet die Pharmakogenomik die Grundlage für das Konzept der personalisierten Medizin. Da Patienten häufig unterschiedlich auf Medikamente reagieren, kann eine im Einzelfall effektive Behandlung bei anderen Patienten keine Wirkung zeigen oder gar schädliche Nebenwirkungen hervorrufen. Die Hauptursache für diese Unterschiede ist die Vielfalt der menschlichen Erbanlagen. Durch das Verständnis dieser individuellen Unterschiede im menschlichen Genom können Ärzte gezielt Therapien für Patienten auswählen beziehungsweise anpassen. Führende Experten wie die Boston Consulting Group (BCG) schätzen das Marktvolumen für die personalisiere Medizin auf 22 Milliarden US$ im Jahr 2020. Bei einem derzeitigen Volumen von rund 500 Millionen US$ entspräche dies einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate in Höhe von 37 Prozent. Laut BCG wird das Konzept der personalisierten Medizin durch Verbesserungen bei der Medikation sowie die Entdeckung zuvor unbekannter Krankheiten erhebliche Einsparungen ermöglichen. Dies wiederum verspricht bedeutende Fortschritte bei der Prävention, Erkennung und Behandlung vieler Krankheiten.

QIAGEN N.V.

QIAGEN N.V. ist eine niederländische Holdinggesellschaft und weltweit führender Anbieter von Probenvorbereitungs- und Testtechnologien. Probenvorbereitungstechnologien werden eingesetzt, um DNA, RNA und Proteine aus biologischen Proben wie Blut oder Gewebe zu isolieren und für die Analyse vorzubereiten. Testtechnologien werden eingesetzt, um solche isolierten Biomoleküle sichtbar zu machen. QIAGEN hat über 500 Verbrauchsprodukte sowie Lösungen zu deren Automatisierung entwickelt. Das Unternehmen verkauft seine Produkte weltweit an molekulardiagnostische Labore, die akademische Forschung, pharmazeutische und biotechnologische Unternehmen sowie an Kunden in Märkten für angewandte Testverfahren (u.a. Forensik, Veterinär- und Lebensmitteltestung, pharmazeutische Prozesskontrolle). QIAGENs Testtechnologien umfassen eines der weltweit breitesten Portfolios an molekulardiagnostischen Tests. Dieses beinhaltet auch den einzigen in den USA und Europa zugelassenen Test auf Humane Papillomaviren (HPV), der primären Ursache für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. QIAGEN beschäftigt weltweit mehr als 2.800 Mitarbeiter an über 30 Standorten. Weitere Informationen über QIAGEN finden Sie unter http://www.qiagen.com/.

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