Mittwoch, 07. Dezember 2016


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Dr. Angelika Zegelin erhält das Bundesverdienstkreuz

Pflegewissenschaftlerin der Universität Witten/Herdecke wird am 23. November geehrt

(lifePR) (Witten, ) Seit einem Vierteljahrhundert ist Dr. Angelika Zegelin von der Universität Witten/Herdecke hautnah dabei, wenn wissenschaftliche Konzepte für die Pflege entwickelt werden. An der Universität Witten/Herdecke war sie am Aufbau des ersten universitären Studiengangs Pflegewissenschaft in Deutschland federführend beteiligt. Doch nicht nur deshalb, sondern auch, weil sie viele Projekte auf diesem Sektor in der ganzen Welt angestoßen und aufgebaut hat, bekommt die Dortmunderin am 23. November in Witten (10 Uhr, Stockumer Str. 12, Richtersaal) das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Als Curriculum-Beauftragte des Instituts für Pflegewissenschaft an der UW/H ist sie zuständig für die Entwicklung der Studiengänge und deren Inhalte. Seit einem Jahr leitet sie zudem das neue Masterprogramm des Instituts. Außerdem lehrt und forscht sie in verschiedenen Arbeitsfeldern auch selbst. So beispielsweise in der "Patienten- und Familienedukation", in der es darum geht, Schulungsprogramme und Beratungsansätze für Patienten und ihre Angehörigen zu entwickeln. Ein weiteres Haupttätigkeitsfeld ist die Bettlägerigkeit bzw. ihre Verhinderung sowie der Forschungskomplex "Sprache und Pflege". "Dabei geht es nicht nur darum, wie Pflegende mit ihren Patienten sprechen, sondern auch, wie sie über sie sprechen", erläutert Zegelin.

Bei ihren Tätigkeiten achtet die 57-Jährige immer darauf, dass bei aller nötigen Theorie der Praxisbezug nicht verloren geht. Schließlich weiß sie selbst genau, wovon sie spricht. Den Pflegeberuf hat Angelika Zegelin von der Pike auf gelernt, war zunächst Pflegevorschülerin, bevor sie eine Ausbildung zur Krankenpflegerin abschloss und dann zwei Jahre als Krankenschwester auf einer unfallchirurgischen Intensivstation in Dortmund arbeitete. Neben ihrer Arbeit holte sie in Abendschulen zunächst den Realschulabschluss, dann das Abitur nach und wurde später Pflegelehrerin in der Krankenpflegeschule der Städtischen Kliniken in Dortmund. Auch ihr Studium und ihre Promotion absolvierte sie neben dem Beruf. Zur gleichen Zeit erledigte sie aber nicht nur akademische und berufliche Aufgaben, sondern zog auch noch ihre Tochter Sonja groß und pflegte 20 Jahre lang ihren seit Beginn der Ehe schwersterkrankten Ehemann. Seit fast 15 Jahren ist sie nun am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke tätig.

Im Bereich der Pflegeforschung ist die studierte Pädagogin ein echter Pionier. Am Aufbau des ersten pflegewissenschaftlichen Studiengangs an einer Universität in Deutschland war sie maßgeblich beteiligt. "Ich finde es richtig und wichtig, dass sich dieses Konzept durchgesetzt hat", sagt sie. "Früher dachte man, dass Ärzte für die Pflegewissenschaft zuständig sind. Es ist aber etwas anderes, ob jemand medizinische Hilfe benötigt oder ob er pflegebedürftig ist. Bettlägerigkeit zum Beispiel kann von über 20 Faktoren ausgelöst werden, von denen die wenigsten medizinisch bedingt sind. So etwas kann auch an falschen Rollstühlen oder Transferbedingungen liegen. Für mich ist klar: Pflege braucht Wissenschaft, braucht neuartige Konzepte, um die Qualität zu steigern."

Die Pflegewissenschaft hat sich in Deutschland mittlerweile durchgesetzt. Derzeit gibt es hierzulande knapp 60 entsprechende Studiengänge, davon sieben an Universitäten. Und das macht auch Sinn: "Es ist nun einmal nicht so, dass wir im Alter einfach auf der Straße umfallen. Die meisten Menschen werden irgendwann abhängig von anderen. Dabei ihre Würde zu erhalten ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe."

In diesem Prozess Einfluss nehmen zu können "macht mir einfach Spaß", erklärt Zegelin ihr jahrzehntelanges Engagement. "Es ist schön zu sehen, wie sich meine Ideen verbreiten." Und die müssen in der Umsetzung nicht einmal viel Geld kosten, um eine große Wirkung zu entfalten. Wie bei dem von ihr entwickelten "Klinikspaziergang", der mittlerweile in mehr als 20 Krankenhäusern zum Einsatz kommt. "Ich habe den Flucht- und Rettungsplan im Herdecker Krankenhaus gesehen und mir gedacht, dass man etwas Ähnliches entwickeln könnte, um den Patienten abwechslungsreiche Bewegung zu ermöglichen." Auf dem Spazierweg sind Gedichte und andere Kunstwerke ausgestellt, die Kurzweil verbreiten und zum Weiterlaufen animieren. Auch ein großes Bild als Fototapete, das Motive der deutschen Geschichte und Alltagskultur ab 1910 abbildet, ist eine preiswerte Variante, mit der sich Altenheimbewohner aber stundenlang beschäftigen und immer wieder neues Altbekanntes entdecken können.

Obwohl sie viele ihrer Ideen, ob in Deutschland oder im Ausland, bereits verwirklichen konnte, hat Angelika Zegelin durchaus noch Pläne für die Zukunft. "Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass die interaktive Seite der Pflege, also der persönliche Patientenkontakt, der in der Regel ja nicht bezahlt wird, mehr Wertschätzung erfährt", sagt sie. "Das ist mir das wichtigste Anliegen." Die derzeitige Situation mit Sekunden-Kontakten und "08/15-Pflege im Eiltempo" sei mehr als unbefriedigend. Zegelin: "Da müssten meiner Meinung nach auch die Pflegenden mehr protestieren, sich organisieren und zur Not auch mal streiken. Diese Situation sollte man nicht einfach so hinnehmen." Doch auch für ihre Fakultät hat sie noch Wünsche: "Es wäre toll, wenn wir hier irgendwann einmal einen grundständigen Bachelor-Studiengang anbieten könnten", sagt sie. "Das wäre ein Studium mit gleichzeitiger Berufsausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Leider fehlt uns dazu aber derzeit das Geld. Wenn so etwas möglich wäre, dann wohl nur in Kooperation mit der Fakultät für Medizin. Wir werden sehen."

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