Donnerstag, 08. Dezember 2016


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Bedeutender Literaturwissenschaftler geehrt

Prof. Franz Karl Stanzel erhält die Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität Marburg

(lifePR) (Marburg, ) Er gilt als Begründer der modernen Erzähltheorie: der Anglist Prof. Dr. Franz Karl Stanzel (91). Mit den von ihm entwickelten Begriffen „Ich-Erzähler“, „Auktorialer Erzähler“ und „Personaler Erzähler“ haben Generationen im Deutsch-Unterricht wie im Literatur-Studium gearbeitet – bis heute. Dabei feiert die sogenannte „Typologie der Erzählsituationen“ in diesen Tagen bereits ihren 60. Geburtstag. Der Emeritus der Universität Graz entwarf das Modell 1955 im Zuge seiner Habilitation. Für sein enges Verhältnis zur Philipps-Universität Marburg und seine herausragenden Leistungen als Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaftler verlieh der Fachbereich 10 – Fremdsprachliche Philologien der Philipps-Universität Stanzel jetzt die Ehrendoktorwürde.

„Seine bahnbrechende und bis heute weltweit diskutierte Erzähltheorie bezeugt Franz Karl Stanzels Ausnahmestatus in der Literaturwissenschaft, sowohl der germanistischen wie auch der anglistischen und amerikanistischen.“ Das hob Prof. Dr. Christoph Werner, Dekan des Fachbereichs 10, in seiner Begrüßung hervor.

International bedeutend

„Es ist nicht selbstverständlich, dass ein deutschsprachiges Werk auch im anglo-amerikanischen Raum Beachtung findet“, würdigte Prof. Dr. Carmen Birkle, Amerikanistin und Pro-Dekanin des Fachbereichs 10, Stanzels wissenschaftliche Verdienste. In ihrer Laudatio betonte sie zudem: „Franz Karl Stanzel ist sowohl für die Literatur- und Kulturwissenschaften als auch die Migrations- und Immigrationsforschung bedeutend. Und das nicht nur national, sondern auch international.“

Mit Marburg verbindet Stanzel eine besonders enge Forscher-Geschichte. Dazu gehört seine erste Veröffentlichung, die ihm der Marburger Anglist Horst Oppel in den 1950er Jahren in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Moderne Sprachen“ ermöglichte. Mit Oppel pflegte Stanzel über viele Jahre einen regen Austausch. Regelmäßig stellte er im Rahmen von Gastvorträgen seine Forschungsergebnisse in Marburg zur Diskussion – und das über die Fachgrenzen hinaus.

Grundlagen der Erzählforschung gelegt

Seine akademischen Stationen führten den gebürtigen Österreicher vom Studium, der Promotion und Habilitation im Fach Englische Philologie in Graz zunächst 1957 nach Göttingen. Hier übernahm er eine Anglistik-Dozentur. Es folgte 1959 der Ruf nach Erlangen auf die Professur für Englische Philologie. 1962 schließlich führte sein Weg zurück an die Grazer Universität auf den Lehrstuhl für Englische Philologie.

Neben seinem grundlegenden Werk „Die typischen Erzählsituationen im Roman“, das zugleich ein Standardwerk der Erzähltheorie ist, veröffentliche er zahlreiche Bücher und Aufsätze zu Texten und Problemen der Germanistik, Anglistik, Amerikanistik und Kanadistik. Darunter Interpretationen und Analysen zu „Moby Dick“ und „Ulysses“. Darüber hinaus legte Stanzel erste Arbeiten zur Erforschung der Völker-Stereotypen in der Literatur vor. Zuletzt beschäftigte er sich wissenschaftlich mit literarischen Darstellungen der „Telegonie“, der Fernzeugung, die in der Literatur seit der Antike präsent ist.

Franz Karl Stanzel war Herausgeber der Germanisch-romanischen Monatsschrift, eine der maßgeblichen Fachzeitschriften der Vergleichenden Literaturwissenschaft. Außerdem wurde er 1985 zum wirklichen Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt.

Bis heute sei sein Werk auch im Fachbereich 10 der Philipps-Universität präsent – und werde es auch weiterhin bleiben, schloss Pro-Dekanin Prof. Birkle ihre Laudatio.

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