Samstag, 10. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 151469

Body and Soul

Menschenbilder aus vier Jahrtausenden

(lifePR) (Hamburg, ) .
- 21. März bis 19. September 2010
- Pressetermin NEU: 18. März 2010, 11 Uhr
- Eröffnung: 21. März, 11 Uhr, Einlass ab 10.30 Uhr, im neuen Hauptfoyer am Steintorplatz

Was ist der Mensch? Was macht ihn aus? Fragen, die Menschen seit Jahrtausenden bewegen und immer neue Antworten suchen lassen. Der menschliche Körper als kleinste soziale Einheit, als Repräsentant von Ideen, Wünschen, Sehnsüchten, Personen und Kulturen ist bis heute ein bevorzugtes Motiv für Künstler, um das Wesen des Menschen und die Bedingungen des Menschseins immer wieder auszuloten. Anlässlich der Rekonstruktion des Hauptfoyers und der neuen Sonderausstellungsfläche im Ostflügel versammelt die Ausstellung ausgewählte Meisterwerke des Museums für Kunst und Gewerbe und lenkt den Blick auf den außerordentlichen Reichtum, die Vielfalt und Qualität die Sammlungen des Hauses, die mit über 500.000 Objekten einen unvergleichlichen Fundus für Erzählungen über den Menschen bieten. Mehr als 100 Exponate aus den Abteilungen Antike, China, Japan, Islam, Europäisches Kunsthandwerk, Grafik, Fotografie, Mode und Möbeldesign verlassen für die Ausstellung ihren Platz in der kunsthistorischen Chronologie und fügen sich zu einem thematischen Parcours rund um das Bild des Menschen - den Urheber und der Mittelpunkt von "Kunst und Gewerbe". Sie spiegeln den Umgang mit Themen wie Geburt, Leidenschaft, Schönheit, Spiel, Kampf, Individualität, Verehrung und Tod wider und laden ein zu einer Spurensuche und zum Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Auffassung vom Körper und von der Seele in den verschiedenen Kulturen bis heute. "Body and Soul" bietet einen ungewöhnlichen Blick auf die Sammlung - spielerisch, assoziativ und an die Phantasie des Betrachters appellierend.

Die Ausstellung beginnt mit der Frage nach dem Ursprung und der Geburt des Menschen. Das Motiv der fürsorglichen Mutterfigur mit einem Kind im Arm findet sich in nahezu allen Kulturen und Zeiten. Christliche Muttergottes-Darstellungen aus verschiedenen Jahrhunderten stehen für die Verehrung der Jungfrau Maria und die mütterliche Fürsorge im Allgemeinen. Im alten Ägypten symbolisierte die stillende Göttin Isis mit dem Horusknaben auf ihrem Arm den familiären Schutz. Diese Ikonografie nimmt bereits Darstellungen der Maria mit Jesuskind vorweg. Der italienische Designer Gaetano Pesce setzte mit seinem roten Sessel "Donna UP 5" (1960), der den Körperformen einer gebärenden Frau nachempfunden und mit einer Kette an das Kind "Bambino UP 6" gebunden ist, das weibliche Prinzip der Fruchtbarkeit in den Kontext der neuen Rolle der modernen Frau, für die die Mutterrolle auch eine Einschränkung ihrer neu gewonnenen Selbständigkeit bedeuten kann. Zu sehen sind auch ein filigran gearbeitetes Taufkleid aus dem Italien des 18. Jahrhunderts, ein Christuskind, um 1500 geschnitzt für ein Zisterzienserinnenkloster in Oberschwaben, das für das weihnachtliche Krippenspiel in kostbare Kleider gehüllt und in einer Wiege auf Altartisch gelegt wurde, sowie eine Backform für Wickelkinder von 1780, die nach deutschem Volksbrauch von Brautleuten in der Hoffnung auf großen Kinderreichtum verzehrt wurden.

Das zweite Kapitel beleuchtet die Facetten menschlicher Leidenschaften. Die Elfenbeinskulptur "Adam und Eva nach der Vertreibung aus den Paradies" von Leonard Kern von 1645/50 zeigt das erste Menschenpaar bei der Flucht aus dem Paradies. Das Werk der barocken Elfenbeinkunst thematisiert Angst, Schuld und Sühne, veranschaulicht aber auch das aufkommende Interesse an menschlichen Emotionen und deren pathetischer Darstellung in der Kunst des Barock. Zu sehen sind im Kapitel Leidenschaft u.a. auch ein Fächer von Oskar Kokoschka (1913), der die obsessive Leidenschaft des Künstlers für Alma Mahler versinnbildlicht, japanische, erotische Holzschnitte (18. Jahrhundert) aus den berühmten Lehrbüchern für Liebespraktiken, und Fotografien des zeitgenössischen Fotografen Nobuyoshi Araki von jungen Japanerinnen in Bondage-Fesseln.

Der Mensch beschäftigt sich seit jeher mit seinem Aussehen und nimmt am Körper selbst oder mit Hilfe von Kleidung und Schmuck Veränderungen vor. Wurde Schönheit in vielen Kulturen meist nur mit körperlichen Merkmalen und Proportionsverhältnissen verbunden, ändert sich dies in der Moderne, die die Schönheit des Geistes und der Seele entdeckte. In der antiken Tradition der Darstellung anmutiger weiblicher Schönheit steht die klassizistische Figurengruppe der drei Grazien aus Biskuitporzellan von Christoph Gottfried Jüchtzer. Das Sujet bot Künstlern die Gelegenheit, den weiblichen Akt in mehreren Ansichten gleichzeitig zu inszenieren. Dass dieses klassische künstlerische Motiv aber auch noch im 20. Jahrhundert präsent blieb, zeigt die Fotografie dreier afrikanischer Frauen als die drei Grazien in "Three Girls, Dahomey" (1967) von Irvin Penn. Erich Heckels grob geschnitzte, expressionistische Holzfigur "Stehende" (1912) steht wiederum in der Tradition der Venus Pudica, der schamhaften Venus.

Das Spiel zieht Kinder und Erwachsene gleichermaßen an. Dieses Kapitel der Ausstellung versammelt Objekte aus unterschiedlichsten Zusammenhängen des Spiels, wie etwa Nô-Masken, die im traditionellen japanischen Nô-Theater zur Steigerung der "geheimnisvollen Anmut" (yûgen) eingesetzt wurden. Spiel als Bestandteil von Festen erlaubte es den Beteiligten, für einen Moment gesellschaftliche Regeln zu brechen und sich in heiteren Zeiten an die Grundkonstanten des menschlichen Seins zu erinnern. So sollte ein kaum zwei Zentimeter kleiner silberner Totenkopf die Gäste von Trinkgelagen im Späthellenismus spielerisch daran erinnern, wie vergänglich der Überfluss und das Leben sind. Nicht zuletzt zeigen auch Künstler eine starke Affinität zum Spiel, wie Lyonel Feininger, der sich mit seiner Spielzeugstadt, die er für seine Kinder geschnitzt und bemalt hat, in die Welt des Kinderspiels begibt und gleichzeitig die enge Welt deutscher Kleinstädte karikiert.

Kampf ist ein Phänomen, das alle Völker teilen. Die antike Mythologie kennt viele historische und mythische Kampfdarstellungen, die in der Renaissance wieder aufgegriffen wurden. Eine Marmorskulptur des Mailänders Christoforo Solari von 1516/17 zeigt Herkules, einen der populärsten antiken Sinnbilder für siegreichen Kampf, als Bezwinger des Riesen Cacus. Der Sieg wird hier zur heroischen Pose stilisiert. In den allen Religionen soll das Gute über das Böse siegen, wobei Schutzgottheiten und Heilige den Menschen zur Seite stehen. Die Darstellung des triumphierenden Erzengels Michael auf dem niedergeworfenen Satan ist ein Beispiel für das Motiv des ewigen Gefechts zwischen Gott und Teufel. Anders als bei Herkules bedingt hier allerdings nicht die physische Überlegenheit den Sieg, sondern die Macht Gottes, die in den Attributen des göttlichen Boten repräsentiert ist: das Flammenschwert und das Schild mit dem christlichen Kreuzeszeichen zeichnen den Engel als einen Vertreter überirdischer göttlicher Kräfte aus.

In der Kunstgeschichte führt ein langer Weg von der idealisierenden Herrscherdarstellung bis zum demokratischen, letztlich wohlfeilen fotografischen Konterfei für Jedermann. Das Bild vom "Ich", das in der Kunstgeschichte durch das Portrait repräsentiert wird, zeigt körperliche Merkmale und vermag Stellung, Charakter, Persönlichkeit, gar das Wesen des Portraitierten zu enthüllen. Im Zuge der Aufklärung regte das körperliche Erscheinungsbild Johann Caspar Lavater zu vergleichenden physiognomischen Studien an, in denen er einen Zusammenhang zwischen Schädel- und Gehirnform, sowie Charakter und Geistesgaben konstruierte. Eine Portraitstudie von Daniel Chodowiecki, einem der bekanntesten deutschen Illustratoren des 18. Jahrhunderts, diente somit als Studienobjekt für den "Physiognomiker". Das Kapitel Individualität zeigt außerdem Objekte wie die zwei Meter großen weiblichen Figuren (um 1904) von Richard Lucksch mit nervös gedrehter Körperhaltung, die als Fassadenschmuck eines Sanatoriums für Nervenkrankheiten den neuen Frauentyp der Neuzeit darstellen.

Das Phänomen der Verehrung ist allen Kulturen immanent. So versammelt das Kapitel Verehrung Objekte mit Kultstatus, stellvertretend für Personen und Ideen. Die Bandbreite reicht von der Volkskunst über die Antike bis zum politischen Kult und schließt auch die Marien- und Christusverehrung ein. Dass auch reine, unvergängliche Schönheit verehrenswürdig war und ist, repräsentiert der Kopf eines knabenhaften Engels, dessen androgyne Gesichtszüge den Charakter seines überirdischen Wesens offenbaren. Das berühmte Plakat "Viva Ché", das das Konterfei des Revolutionärs von Ernesto "Che" Guevara in Schwarz auf roten Grund inszeniert, steht für den gegenwärtigen Personenkult. Als moderner Schmerzensmann wird der Revolutionär weltweit verehrt. Er litt für seine Ideale und wurde von seinen Widersachern ermordet. »Che« starb ungefähr im selben Alter wie jener Jesus von Nazareth.

In allen Kulturen und Zeiten ist der Tod und mit ihm auch das Sterben ein zentrales Thema. Grabbeigaben und Schmückung der Toten belegen, dass der Tod nicht als Endpunkt, sondern als Bindeglied zu einem neuen individuellen Leben oder Übergang der in einen anderen Seinszustand verstanden wird. Unmittelbarer Ausdruck des Todes wurde der Schädel: Bereits im 9. Jahrtausend v. Chr. sind Schädelkulte im Vorderen Orient nachzuweisen. Er findet sich als Reliquie in kunstvoll verzierten Reliquaren der christlichen Kirche des Mittelalters und dient seit der Renaissance als Vanitasmotiv, das die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens im Vergleich zur Unsterblichkeit der Seele symbolisiert. Der kürzlich verstorbene Modedesigner Alexander McQueen machte den Schädel als traditionelles Freibeutersymbol zu seinem Erkennungszeichen und ließ ihn u.a. auch auf Seidenschals drucken.

Ausstellungsarchitektur: Holger Wallat

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, 128 Seiten, mit ca. 75 farbigen Abbildungen, 20 Euro, herausgegeben von Sabine Schulze und Texten von Nora von Achenbach, Gabriele Betancourt, Jürgen Döring, Angela Graf, Frank Hildebrandt, Rüdiger Joppien, Olaf Kirsch, Christine Kitzlinger und Sabine Schulze.

Audioguides: Für Besucher stehen drei Audioguides zur Verfügung: Eine Einführung mit über 80 Objektbetrachtungen, eine musikalische Reise mit Musikstücken und Liedern zu 17 ausgewählten Objekten und eine Hör- und Spielführung für Kinder und Erwachsene unter dem Titel "Augenspiel" mit Musik und spannenden Suchaufgaben.

Der Katalog wurde ermöglicht mit Unterstützung der Justus Brinckmann Gesellschaft.

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