Sonntag, 11. Dezember 2016


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Bilanzkonferenz für Dialogverfahren Ostküstenleitung - Habeck: "Die Ideen aus der Region sorgen für einen besseren Leitungsverlauf"

(lifePR) (Kiel/Eutin, ) Die Beteiligung von rund 1.000 Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und Gemeinden haben die Planung für die Ostküstenleitung deutlich verbessert. Das machte Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck heute (13. Juli 2015) bei der Bilanzkonferenz für die Leitungsabschnitte zwei und drei in Eutin deutlich. "Durch die frühe Beteiligung konnten Konfliktbereiche erkannt und planerisch berücksichtigt werden. Dank der Kenntnisse und Ideen aus der Region hat der Netzbetreiber TenneT TSO GmbH optimierte Varianten für den Korridorverlauf gefunden, insbesondere für die dicht besiedelte Region nahe Lübeck. Das verdanken wir dem hohen Engagement aller." betonte der Minister.

Das Ministerium hatte für die 380-kV-Leitung aus dem Raum Lübeck nach Göhl sowie nach Siems unter Moderation der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und enger Begleitung des zuständigen Netzbetreibers TenneT ein breit angelegtes Dialogverfahren organisiert. Ziel war es, die Regionen möglichst frühzeitig zu informieren und insbesondere bei der Erarbeitung eines möglichen Vorzugskorridors in die Planungen einzubeziehen. Die Ostküstenleitung soll als 380-kV-Leitung Netzengpässe beheben und die wachsende Menge an Erneuerbaren Energien abtransportieren. So ist in den nächsten Jahren mit einem Zuwachs an Erneuerbaren Energien in der Region von 500 auf 1.500 Megawatt zu rechnen. Geplant ist, dass die Leitung von Mitte 2018 an abschnittsweise gebaut, beginnend beim Abschnitt 1, Raum Segeberg nach Lübeck (Mitte 2018), gefolgt von Abschnitt 2, Lübeck - Göhl (Mitte 2019) und zum Schluss Lübeck - Siems (Mitte 2020).

"Der Netzausbau ist für die Energiewende essentiell. Ohne ihn kann der Erneuerbare Strom nicht abgeholt werden und dorthin fließen, wo man in braucht. Netze sind für die jetzige Phase der Energiewende der beste Speicher, den wir haben können. Aber er bringt ohne Frage Belastungen. Und gerade deshalb ist es so besonders, dass sich die Region und so viele Bürgerinnen und Bürger konstruktiv mit der Leitung auseinandergesetzt und nach Lösungen gesucht haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit", betonte Habeck. Er bedankte sich auch bei den Städte, Kreisen und Gemeinden für die tatkräftige Unterstützung bei der Ausrichtung des Dialogverfahrens und der Deutschen Umwelthilfe für ihre gute und qualifizierte Moderation.

Peter Ahmels von der DUH betonte: "Der Netzausbau ist eine der größten Herausforderungen, wenn die Energieversorgung auf Erneuerbare umgestellt werden soll. Mensch, Natur und Umwelt sind von Masten und Leitungen betroffen. Für uns war es wichtig, durch die Moderation dazu beizutragen, mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger die Belastungen möglichst gering zu halten. Bei allen Kontroversen war dabei das Engagement der Betroffenen beeindruckend."

Energiewendeminister setzt sich weiter für Erdkabel auf Teilstrecken ein

Ein zentrales Thema des Dialogverfahrens für den Abschnitt aus dem Raum Lübeck nach Göhl der Ostküstenleitung war die Frage, ob auch eine Verlegung der Leitung durch die Ostsee in Betracht gezogen werden könnte. "Wir haben den Netzbetreiber TenneT gebeten, eine Seekabelvariante zu untersuchen. Im Ergebnis wurde deutlich, dass dies ebenfalls mit starken Eingriffen auch an Land verbunden wäre und unabhängig von den erheblich höheren Investitionskosten und Risiken für die Versorgungssicherheit umweltfachlich in der Gesamtbilanz keine deutlichen Vorteile bringt", sagte Habeck.

Die Möglichkeit einer Teilerdverkabelung hält der Minister aber weiter für sinnvoll. "Wir haben hier die Rückendeckung des Bundesrates. Er hat sich dafür ausgesprochen, die Ostküstenleitung in die Liste der Pilotprojekte für Erdkabel auf Teilstrecken mitaufzunehmen. Das ist ein starkes Zeichen. Nun ist der Bundestag am Zug, um das Gesetz entsprechend zu ändern. Ich erwarte von Großen Koalition, dass sie sich entsprechend der Beschlüsse der Parteispitzen nun auch dafür einsetzt. Immerhin hat sie beschlossen, die Möglichkeiten der Erdkabel-Pilotprojekte für Drehstromleitungen auszuweiten. Die Ostküstenleitung bietet sich hier geradezu an", sagte der Minister.

Eine geänderte Gesetzeslage für eine Teil-Erdverkabelung würde im Zuge der Feinplanungen der Ostküstenleitung zum Tragen kommen - die Planungen müssten nicht von neuem beginnen. Auf Grundlage von rechtlich definierten Kriterien wären im Trassenverlauf Bereiche zu identifizieren, für die eine Teil-Erdverkabelungen in Frage kommt.

Vorzugskorridor mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger ausgearbeitet

Im Zuge des rund vier Monate dauernden Dialogverfahrens für die Abschnitte zwei und drei der Ostküstenleitung haben die Planer der TenneT einen vorläufigen Vorzugskorridor aus einer Vielzahl von Varianten ausgearbeitet, der sich als die verträglichste Variante herausgestellt hat und die Grundlage für die weitere Feinplanung liefert. Vom Raum Göhl verläuft er über Sipsdorf bis Neustadt in Bündelung zur Autobahn A1, von dort aus nach Stockelsdorf und weiter zum Umspannwerk Siems (Einzelheiten unten und im Kartenmaterial der TenneT).

"Gerade im dicht besiedelten Raum rund um Lübeck ist es gelungen dank eines Vorschlags anliegender Gemeinden und Städte eine neue Variante zu finden. Das zeigt, wie sehr die frühe Einbeziehung der Bürger uns bei den Planungen hilft", sagte Urban Keussen, Vorsitzender der Geschäftsführung der TenneT TSO GmbH. "Auch der Sorge um eine Beeinträchtigung der Sichtachsen auf das UNESCO-Welterbe Lübecker Altstadt wird so gut wie möglich Rechnung getragen." Nördlich von Lübeck seien verschiedenen Korridoralternativen vorgeschlagen worden (zwischen Gießelrade und Horsdorf), die grundsätzlich realisierbar seien, aber noch im Einzelnen geprüft werden müssten.

Prüfauftrag zu Optimierung der Netze in der Region

Ein weiteres zentrales Thema des Dialogverfahrens war die Frage nach der Dimensionierung des erforderlichen Netzausbaus. Welche Leitungen werden für die Ver- und Entsorgung der Region mit Strom am Ende wirklich benötigt und wo können Leitungen im Verlauf der zukünftigen 380-kV-Ostküstenleitung mitgenommen, also auf ein gemeinsames Gestänge geführt werden. Das geplante Vorhaben bietet die Chance, die Netzarchitektur im Planungsraum insgesamt zu betrachten und Möglichkeiten für eine Netzoptimierung auszuloten. Einen entsprechenden Prüfauftrag des Ministeriums für Energiewende wird im Zuge des Dialogverfahrens durch die Netzbetreiber erarbeitet, ein Gutachten, das die Möglichkeiten der Entlastung der Region bei Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit untersucht, ist in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse hierzu werden mit den betroffenen Regionen noch gesondert diskutiert.

Weiteres Verfahren: Staffelstab geht an die TenneT

"Der Dialog ist also noch nicht beendet. Es ist weiter möglich und auch notwendig, dass sich die Bürgerinnen und Bürger einbringen", betonte Habeck. In Zukunft werde angesichts der immer genaueren Planungen TenneT stärker Ansprechpartner. "Aber auch wir werden weiterhin offen sein und von uns aus über die über die weiteren gesetzlichen Entwicklungen informieren und auch dafür Sorge tragen, dass die Ergebnisse der Netzoptimierung diskutiert werden.

Am Ende des informellen Beteiligungsprozesses, der jedoch noch rund zwei Jahre fortgeführt wird, steht mit dem Antrag auf Planfeststellung durch die Vorhabenträgerin TenneT dann abschnittsweise der Beginn des formellen Genehmigungsverfahrens Durch die Planfeststellung wird die rechtliche Zulässigkeit des Vorhabens festgestellt. Die Planfeststellungsbehörde ist dabei unabhängig und entscheidet auf Grundlage der gesetzlichen Regelungen.

Nähere Betrachtung des Vorzugskorridors

Beginnend im Raum Göhl quert der vorläufige Vorzugskorridor den Oldenburger Bruch, um dann von Sipsdorf bis Neustadt in Bündelung zur Autobahn A1 zu verlaufen. Nicht abschließend bewertet werden kann derzeit die Querung des Neustädter Binnenwassers, das einen avifaunistisch sensiblen Bereich darstellt. Vertiefend vorzunehmende Untersuchungen werden zeigen, ob eine Querung des Neustädter Binnenwassers möglich ist oder eine Umgehung nördlich von Altenkrempe notwendig wird.

Von Neustadt aus verläuft der vorläufige Vorzugskorridor zunächst in westlicher Richtung in Bündelung mit einer bestehenden 110-kV-Leitung, um dann bei Gothendorf nach Süden abzuknicken. Der westliche Verlauf folgt keinen vorhandenen Infrastrukturen, befindet sich aber in einem Raum, der künftig verstärkt durch Windkraftanlagen geprägt sein wird. Im Bereich zwischen Gießelrade und Horsdorf wurde im Dialogprozess eine Vielzahl an Korridoralternativen eingebracht, die grundsätzlich realisierbar scheinen, deren Umsetzung aber noch einer weiteren Detailprüfung und Abstimmung mit der Region bedarf. Bis nach Stockelsdorf berührt der westliche Korridor vereinzelt Orts- und Siedlungslagen, minimiert somit aber die Annäherung an Wohnbebauung, was im Verlauf des östlichen Korridors, bedingt durch die vorhandenen Infrastrukturen im Bereich der Seebäder, in diesem Umfang sonst nicht möglich wäre.

Zur Einschleifung des Umspannwerks Siems zweigt der Trassenverlauf nördlich von Klein Parin ab. Von dort verläuft der Korridor in östliche Richtung in der Muldenlage nördlich des Pariner Bergs. Der Sorge um eine Beeinträchtigung der Sichtachsen auf das UNESCO-Welterbe Lübecker Altstadt wird soweit wie möglich Rechnung getragen. Im Weiteren umgeht der Korridor Groß Parin, um dann Ratekau südlich zu umgehen. Daraufhin bündelt der Korridor mit der Autobahn A1 und bestehenden 110-kV-Leitungen, um schlussendlich in südlicher Richtung ins Umspannwerk Siems einzubinden. Diese Korridorführung war ein Vorschlag der anliegenden Gemeinden und Städte aus dem Dialogprozess, der sich nach detaillierter als Vorzugsvariante herausgestellt hat."

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