Freitag, 09. Dezember 2016


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„Der Nutzer bestimmt über die Zukunft der Medien“

Kongress der Medienwoche mit Zukunftsprojektion zur Medienentwicklung eröffnet

(lifePR) (Berlin/Potsdam, ) Einen Blick in die Zukunft der Medien warf der Kongress der Berliner Medienwoche (29. August bis 5. September) mit seiner Auftaktdebatte über die Transformation der Medien und die besondere Rolle des Internets am heutigen Montagvormittag im Internationalen Congress Centrum ICC.

Nach der Begrüßung durch Medienboard-Geschäftsführerin Petra Müller und den Vorsitzenden des Medienrates Prof. Dr. Ernst Benda eröffneten die Keynotes von Terry von Bibra, Geschäftsführer Yahoo! Deutschland & Vice President Business Management APG Yahoo! Europe, und Mark Goldman, COO von Current Media, San Francisco, das anschließende hochkarätige Podium mit Wolf Bauer, Vorsitzender der Geschäftsführung UFA Film & TV Produktion, Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung Microsoft Deutschland und Area Vice President International, Dr. Bernd Buchholz, Mitglied des Vorstandes der Gruner + Jahr AG, Dr. Marcus Englert, Vorstand New Media und Diversifikation ProSiebenSat.1 Group und Vorsitzender der Geschäftsführung SevenOne Intermedia, NDR Intendant Lutz Marmor, ZDF Intendant Prof. Markus Schächter und Christiane zu Salm, Vorstand Cross Media, Hubert Burda Media. Die Diskussionsrunde wurde gleichermaßen präzise und unterhaltsam moderiert von stern.de-Chefredakteur Frank Thomsen.

Über das Schicksal der klassischen und neuen Medien, darin waren sich die Teilnehmer der Auftaktdiskussion einig, entscheiden allein die Nutzer. Das Internet sei eher ein Metamedium, eine digitale Vertriebsplattform, die alle anderen Medien aufnehmen und verbreiten kann, so die übereinstimmende Meinung der Diskutanten. Durch das Internet komme es zu einer Transformation der Medien, aber auch des Internets selbst.

Terry von Bibra betonte in seiner Eröffnungskeynote, dass sich der Medienkonsument bei seiner Entscheidung ausschließlich an seinen heutigen und künftigen Bedürfnissen orientiere, er nicht zwischen Fernsehen und Internet unterscheide, sondern Content nutzen will, egal in welcher Form. Die Bedürfnisse der Nutzer müssten deshalb Ausgangpunkt für alle Überlegungen bei der Weiterentwicklung der neuen Medien sein. "Allein der Nutzer", so Bibra, "bestimmt über die Zukunft der Medien".

Mark Goldman beschrieb anhand seines Web-TV-Senders Current's Rapid Rise, 2005 gegründet, wie eine konsequente redaktionelle Aufbereitung von User generated-Content das Fernsehen verändern kann. Die Teilnehmer der Eröffnungsveranstaltung erlebten so das Fernsehen der nächsten Generation: Alle TV-Beiträge, auch die Werbung, werde von Usern zusammen oder in Abstimmung mit der Redaktion produziert, die Platzierung der Beiträge richtet sich nach der Resonanz der Zuschauer. Die Zahl der Nutzer stieg von 250.000 monatlich 2005 auf 5 Millionen in diesem Jahr. "Das Fernsehen im Internet", so Mark Goldman, "ist ein Zwei-Wege-Medium. Es gib endlich auch dem Zuschauer eine Stimme."

In der anschließenden Diskussion, hielt Wolf Bauer ein Plädoyer für starke Marken im Internet. Von 100 starken Programmmarken werden 80 auch noch in zehn Jahren im Internet bestehen, so Bauer. Entscheidend für eine erfolgreiche Transformation der Medien sei nach Auffassung des UFA-Chefs die Transformation in den Köpfen der Medienmacher.

Prof. Markus Schächter unterstrich erneut die Notwendigkeit für die öffentlich-rechtlichen Sender, im Internet mit adäquaten Angeboten vertreten zu sein. Nur so sei es möglich auch die gesamte Gesellschaft zu erreichen. Für den ZDF-Intendanten gehe die größte Gefahr für ein qualitätsvolles Medienangebot vor allem von den neuen Playern wie Google oder Microsoft aus.

Dem widersprach Achim Berg, Microsoft habe nicht die Absicht, im Internet in Konkurrenz zu den klassischen Medien zu treten. Selbst wenn Internetanbieter wie Google verstärkt Content anbieten werden, ginge das nicht ohne Kooperation mit klassischen Medienhäusern.

Für Christiane zu Salm sind Suchmaschinen oder Anbieter von Social-Network-Portalen durchaus Konkurrenten, weil sie Werbung akquirieren, die den klassischen Medienhäuser bei der Refinanzierung ihrer Angebote fehlen. Das Entscheidende für die Verlage betonte zu Salm, die seit April diesen Jahres den Bereich neue Medien bei Burda verantwortet, ist deshalb die Entwicklung von Geschäftsmodellen, die nicht ausschließlich auf Werbung basierten, wie Transaktionsgeschäfte und e-commerce.

Dr. Marcus Englert zeigte sich davon überzeugt, dass seine Mediengruppe auch noch in zehn Jahren ein Haus sein werde, dass Unterhaltung liefere und das auf allen Kanälen. Die Münchner Sendergruppe werde die Möglichkeiten des Internets nutzen, um auch hier "Entertainment als Grundversorgung" anzubieten. Englert zeigte sich, wie auch andere Teilnehmer der Debatte, gegenüber Meinungen skeptisch, die von einer schnellen Änderung der Mediennutzung ausgingen.

Dem stimmt auch Lutz Marmor zu. Er verwies darauf, dass sich die kostenlose Einstellung von TV-Angeboten ins Netz, wie z.B. durch die Mediathek, positiv auf die klassische TV-Nutzung auch von jüngeren Zuschauern auswirken würden.

Zu einer Kontroverse kam es zwischen Prof. Markus Schächter und Dr. Bernd Buchholz. Der ZDF-Intendant hatte dargelegt, dass Medienwissenschaftler vor einer möglichen Gefahr eines Marktversagens bei publizistischen Inhalten im Netz warnten, weil die Verlage sich dort ausschließlich über Werbung refinanzieren müssten. Dem widersprach der Gruner + Jahr-Zeitungsvorstand. Die These von Schächter würde bedeuten, dass die Qualitätszeitungen und -Zeitschriften von "Spiegel" bis FAZ nicht in der Lage seien, Meinungsvielfalt auch im Internet zu garantieren, so Buchholz. Das sei eine Unterstellung, die nur dazu diene die Absicht der öffentlich-rechtlichen Sender zu bemänteln, künftig auch Telemedien produzieren zu wollen. Dieses Vorhaben würde aber die Politik mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatvertrag so hoffe er beschränken.

Der dreitägige Medienkongress von Medienboard und Medienanstalt Berlin-Brandenburg in Zusammenarbeit mit den Ländern Berlin und Brandenburg in Kooperation mit der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) dauert noch bis Mittwoch, 3. September.

Die Medienwoche vom 29. August bis 5. September umfasst den Internationalen Medienkongress (1.-3. September), die IFA (29. August - 3. September), das Format medienpolitik@IFA und das M100 Sanssouci Colloquium (5. September) in Potsdam, sowie eine Vielzahl von begleitenden Events. In der Verbindung von Kongress, Messe und Events ist die Medienwoche mit rund 15.000 Fachbesuchern eines der größten Branchentreffen seiner Art in Europa.

Mehr unter www.medienwoche.de.

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