Freitag, 09. Dezember 2016


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Blasenkrebs durch zu wenig Sonnenlicht

(lifePR) (Freiburg, ) In Ländern mit geringer Sonneneinstrahlung scheint die unzureichende Versorgung mit Vitamin D eine wichtige Ursache für Blasenkrebs zu sein. Vitamin D wird in der Haut nach der Aufnahme von UVB-Strahlen, beispielsweise bei einem Sonnenbad, gebildet. Eine aktuelle Studie mit Daten aus 174 Ländern zeigt eine erhöhte Blasenkrebs-Rate in Ländern höherer Breitengrade gegenüber solchen in Äquatornähe (1).

Die geringere Intensität der UVB-Strahlung in unseren Breitengraden ist somit ein Risikofaktor für die Entwicklung von Karzinomen der Harnblase. Denn in den Wintermonaten reicht die UVB-Strahlung in Deutschland nicht aus für eine ausreichende Vitamin-D-Bildung und auch mit der Nahrung wird zu wenig Vitamin D aufgenommen. Etwa jeder Zweite in Deutschland hat einen Vitamin-D-Mangel (2). Möglicherweise können regelmäßige Sonnenbäder durch Erhöhung des Vitamin-D-Spiegels vor Blasenkrebs schützen. Alternativ kann Vitamin D auch eingenommen werden. Derzeit fehlen allerdings noch wissenschaftliche Untersuchungen zur genauen Dosierung(3). Dabei könnte eine einfache Methode zur Vorbeugung von Blasenkrebs lebensrettend sein: Blasenkrebs weist eine hohe Sterberate auf, denn der Tumor kann schnell wachsen und wird häufig erst spät entdeckt und behandelt. Derzeit setzen Urologen vor allem auf die Früherkennung, denn je eher ein Harnblasenkarzinom entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

"Menschen mit einem erhöhten Risiko für Blasenkrebs sollten ab einem Alter von etwa 50 Jahren eine Früherkennungsuntersuchung beim Urologen durchführen lassen", rät der Urologe Professor Arnulf Stenzl von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Zur Früherkennung steht inzwischen ein einfacher Urintest auf das nukleäre Matrixprotein 22 (NMP22) - ein von Krebszellen produziertes Eiweiß - zur Verfügung. Laut Stenzl verursacht Blasenkrebs im Anfangsstadium kaum Beschwerden und wird daher häufig spät erkannt. Zudem gleichen die ersten Symptome denen anderer, weniger bedrohlicher Harnwegserkrankungen und werden daher oftmals nicht ernst genug genommen. "Das häufigste Primärsymptom für ein Karzinom der Harnblase sind Blutbeimengungen im Urin. Außerdem können Schmerzen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang auf einen Tumor deuten", erläutert Stenzl. Bei verdächtigen Krankheitszeichen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Das Robert Koch-Institut rechnet für das Jahr 2010 mit fast 30.000 Blasenkrebs-Neuerkrankungen (4). Als wichtigster Risikofaktor für die Tumorentstehung in der Harnblase gilt das Rauchen. Langjähriger Tabakkonsum ist verantwortlich für jeden zweiten Fall von Blasenkrebs. Ein erhöhtes Risiko haben außerdem Personen mit beruflichem Kontakt zu Blasenkrebs erregenden Stoffen. Solche Substanzen wurden inzwischen weitgehend aus dem beruflichen Umfeld - beispielsweise in der Textil-, Chemie- oder Farbindustrie - entfernt, oder es sind Schutzmaßnahmen vorgeschrieben. Doch aufgrund der langen Latenzzeit erkranken auch heute noch Menschen an berufsbedingtem Blasenkrebs (4). Der Zusammenhang zwischen einem zu geringen Vitamin-D-Spiegel und einem erhöhten Krebsrisiko wurde bereits 1980 erstmals beschrieben und konnte inzwischen für viele Krebserkrankungen bestätigt werden. Eine besonders hohe Korrelation zwischen einem erniedrigtem Vitamin-D-Spiegel und einem erhöhten Krebsrisiko besteht bei bösartigen Erkrankungen der Harnblase, des Darms, der Speiseröhre und der Gallenblase (3).

Literatur:

1) Mohr SB, et al.: Ultraviolet B irradiance and incidence rates of bladder cancer in 174 countries. Am J Prev Med 2010;38(3):296-302.
2) Hintzpeter B, et al.: Vitamin D status and health correlates among German adults. European Journal of Clinical Nutrition 2008;62(9):1079-1089.
3) Grant WB: How strong is the evidence that solar ultraviolet B and vitamin D reduce the risk of cancer? Dermato-Endocrinology 2009;1(1):17-24.
4) Krebs in Deutschland 2005/2006. Häu?gkeiten und Trends. 7. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (Hrsg). Berlin, 2010.

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