Samstag, 10. Dezember 2016


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Peter Noever zum Ableben von Raimund Abraham

(lifePR) (Wien, ) Nur wenige Stunden vor seinem Tod hielt Raimund Abraham den Vortrag "The Profanation of Solitude" am Southern California Institute of Architecture (SCI-Arc) in Los Angeles, den ich besuchte und in dem er von seiner unerschütterlichen Liebe zur Architektur sprach. Ich bin tief betroffen über sein tragisches Ableben. Ich habe nicht nur einen engen Freund verloren, sondern auch einen der politisch korrektesten Menschen, der sich nicht mit Halblösungen zufrieden gab. Er blieb sich selbst und seinen Überzeugungen immer treu.

Raimund Abraham befand sich im ewigen Widerstand für die freie Kraft von Architektur und Weltkultur. Zu Beginn der 1960er Jahre definierte er mit Hans Hollein und Walter Pichler eine neue experimentelle Bauweise. Heute zählt er zu den visionärsten und progressivsten Architekten und theoretischen Denkern der internationalen Avantgarde.

Abraham lebte und kämpfte für die Entfaltung von Architektur, durchlebte technische Utopien und dachte Architektur in ihrer grenzensprengenden Dimension, die Vision stets im Blickfeld. Kompromisslos in seinen Forderungen für Architektur, entwickelte er eine elementare Architektursprache und beschäftigte sich im Sinne der autonomen Kunst der Architektur mit "Imagination". In seiner primären Architekturauffassung ging es ihm um ideelle Vorstellung und Wahrnehmung: "Die Idee ist dimensionslos und vom Moment an, wo sie bildhaft - also dimensional wird, ist sie schon eine Lösung, ist sie schon eine Übersetzung. Die Zeichnung ist autonom, nicht eine Vorstufe. Das Blatt Papier ist für mich der Ort und Architektur ist für mich Eingriff in den Ort."

Als Nonkonformist, fundmentaler Kritiker und Verfechter der architektonischen Form setzte sich Abraham unermüdlich für eine kollektive Erneuerung der Architektur ein. Wenn also in der Geschichte der Architektur eine bauliche Form, um als Architektur anerkannt zu werden, als etwas Besonderes, Wahrhaftiges, Singuläres ausgewiesen werden musste, gilt heute jede Form als bloßes Beispiel einer potentiell unendlichen Menge von Formen, von denen jede es gleichermaßen verdienen würde, als Architektur zu gelten. - Diese Gleichwertigkeit aller Formen, welche die Architektur der Moderne ermöglichte, wurde von Raimund Abraham mit Fragezeichen versehen.

Mit der Realisierung des bahnbrechenden Neubaus des österreichischen Kulturforums in New York - ein Hochhaus mit der wasserfallartiger Glas-Alu-Fassade und rund 20 Stockwerken bei einer Gebäudebreite von nur 7,6 Metern - entwickelte und erkämpfte er eine exemplarische Architektur, während der zehnjährigen Bauphase (1992-2002) heftig umstritten, heute "Aushängeschild einer modernen Kulturnation" und eine der wenigen Architekturen, die Raimund Abraham umsetzen konnte - ein dramatisches Versäumnis und ein ewiger Verlust für unsere Gegenwart und Zukunft.

Abraham verband eine sehr spezielle jahrzehntelange Beziehung mit dem MAK Wien, wie auch dem MAK Center Los Angeles. Er zählte zu denjenigen, die mich persönlich in der Umsetzung der Neuorientierung des Museums für angewandte Kunst in den 1980er Jahren unterstützten. Er partizipierte auch an der programmatischen Ausstellung "Wiener Bauplätze. Verschollene Träume - Angewandte Programme. Wien um 1986" und nahm an der dazu parallel veranstalteten MAK-Vortragsreihe "Architektur oder Bauen?: Eigensinn oder Illusion - Fragmente zu einem Programm der neuen architektonischen Kultur" teil; 1991 gestaltete er ein außergewöhnliches Projekt - das "Kugel-Projekt" - für das MAK-Terrassenplateau. Seine Architekturmodelle und Zeichnungen zählen zu den ersten Objekten, die für die MAK-Sammlung Gegenwartskunst erworben wurden, darunter das Projekt "Kirche an der Berliner Mauer" (1981-1982) und der "Hinge-Chair" (1971) aus der Serie "Destruction of Objects". Zuletzt war Abraham in Vorbereitung seines Beitrags zu der vom MAK für 2011 geplanten Ausstellung "Austria Davaj!", die im MUAR / Schusev Staatsmuseum für Architektur, Moskau, stattfinden wird.

Die Architektur begriff Abraham in ihrem Potential und als Prozess der Transformation. Geprägt von der Überzeugung, dass Architektur Zeugnis menschlicher Existenz ist und der Mensch selbst Architektur machen muss, trifft er Architektur an ihrem ursprünglichen Punkt und skizziert eine "Poesie des Archetypischen". Seinen philosophischen Zugang zu Architektur vermitteln zahlreiche umfassende Texte und Bücher. 1964 gab er das Buch "Elementare Architektur" heraus; dabei interessierte ihn Architektur ohne Attribute, von äußeren Einflüssen unberührt, mit einfachsten Mitteln, im Bauprozess organisch gewachsen.

"Erinnerung und Sehnsucht: Das ist Architektur. Gebaut und ungebaut." Seine Architektur hat sich für immer in unsere Gedanken eingeschrieben.

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