Donnerstag, 08. Dezember 2016


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Schweizer Franken: Ruhephase läuft aus

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) .
- Der Euro-Franken-Kurs klebt seit Monaten an der Marke von 1,51
- 2010 belastet das Umfeld steigender Renditen am Kapitalmarkt und später auch am Geldmarkt die Schweizer Währung
- Künftig wird der Franken teilweise wieder als "Carry"-Währung genutzt werden, der Euro-Franken-Kurs kann bis auf 1,57 klettern

Ob man dem Trocknen von Wandfarbe oder den Euro-Franken-Kurs beobachtet, ist derzeit ähnlich aufregend. Der Wechselkurs scheint bei 1,51 eingefroren zu sein. In den letzten Monaten pendelte das Währungspaar weitestgehend zwischen 1,51 und 1,52. Die letzten größeren Kursbewegungen erfolgten im Frühsommer, als die Schweizer Notenbank am Devisenmarkt intervenierte. In den Hochzeiten der Finanzmarktkrise sah das Bild noch völlig anders aus. Damals schwankte der Euro-Franken-Kurs enorm. Gesucht wurde die Schweizer Währung als sicherer Hafen, unter Druck geriet sie in Phasen einer wachsenden Risikofreude.

Warum verläuft der Euro-Franken-Kurs aktuell so spektakulär unspektakulär? Die Schweizer Notenbank trägt sicherlich dazu bei. Im März erklärte sie ihre Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen und ließ den Worten auch Taten folgen, der Franken wertete ab. Diese Maßnahmen sah die Bank als geeignetes Mittel an, um gegen Finanzkrise, Wirtschaftsflaute und Deflationsängste anzugehen. Im März notierte der Euro-Franken-Kurs im Tief bei 1,46 und stieg dann über 1,54. Die darauf folgende Kursentwicklung spricht dafür, dass die SNB die Marke von 1,50 vehement verteidigt. Zumindest theoretisch kann eine Notenbank beliebig abwerten lassen, so dass die Verteidigung dieser Marke glaubwürdig erscheint. Die Interventionen erklären aber nur die fehlende Bewegung in eine Richtung.

An den Finanzmärkten hat die Risikoneigung in den letzten Monaten wieder deutlich zugenommen. Risikotragende Assetklassen haussieren folglich. Eigentlich müsste in diesem Umfeld der Schweizer Franken, die Fluchtwährung in Krisenzeiten, an Wert verlieren. Vor der Krise war der Schweizer Franken neben dem japanischen Yen eine der wesentlichen Verschuldungswährungen für Carry Trades. In dieser Handelsstrategie verschulden sich Anleger in einer niedrig verzinslichen Währung und legen in höher verzinslichen Devisen an. Veränderungen in der Risikoneigung führen zur Auflage bzw. Auflösung von Carry Trades und prägten insbesondere auch den Euro-Franken-Kurs. Mittlerweile ersparen sich internationale Investoren offensichtlich den Umweg über den Franken und verschulden sich direkt im US-Dollar. Der Greenback hat sich aufgrund der Krise zu einer Nullzinswährung entwickelt. Am Geldmarkt sind die Dreimonatssätze von US-Dollar und Schweizer Währung um 0,25 % nahezu identisch. Somit ist die Risikoneigung aktuell kein maßgeblicher Faktor mehr für den Euro-Franken-Kurs.

Die fundamentale Entwicklung in der Schweiz spricht nicht unbedingt für spektakuläre Wechselkursbewegungen. Die Schweiz leidet weniger unter der Krise als die meisten anderen Industrieländer. Dennoch bleiben einige Schrammen. Eine Rezession war auch in der Schweiz nicht zu vermeiden. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft 2009 vermutlich um 1,5 %. Im zweiten Halbjahr 2009 läuft die Rezession aber aus. Die Frühindikatoren signalisieren eine spürbare Erholung. Entsprechend ist bereits im Winterhalbjahr von einer nennenswerten Wachstumsdynamik auszugehen.

Die vergleichsweise milde Rezession ist insbesondere auf einen stabilen privaten Konsum zurückzuführen. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist es in der Schweiz vor der Krise nicht zu einem Immobilien- und Schuldenboom gekommen. Folglich besteht kein Korrekturbedarf. Ein Belastungsfaktor auch für 2010 ist die steigende Arbeitslosigkeit. Für die Schweiz als kleine offene Volkswirtschaft ist der internationale bzw. vor allem der europäische Konjunkturverlauf die entscheidende Einflussgröße. Die Schweizer Exportwirtschaft ist aufgrund ihrer Produktstruktur weniger zyklisch als in vergleichbaren Ländern. Dies stützt im Abschwung, dämpft aber im Aufschwung. Der Außenhandel wird deshalb die konjunkturelle Erholung 2010 tragen, sie aber nicht in den Himmel wachsen lassen.

Die relativ große Bedeutung des Finanzsektors dürfte sich im Aufschwung nicht als sonderliche Hypothek herausstellen. Lediglich in einem Negativszenario birgt die Größe der Banken erhebliche Risiken. Eine restriktivere Kreditvergabe betrifft eher die internationalen Darlehensnehmer und weniger Schweizer Unternehmen. Auch deshalb werden sich die Investitionen mit der steigenden Nachfrage beleben. Das BIP dürfte 2010 um 1,4 % expandieren.

Die deflationäre Entwicklung wird vermutlich Ende 2009 abgeschlossen sein. Die Effekte der sinkenden Energiepreise sowie der Aufwertung des Schweizer Frankens laufen aus bzw. drehen teilweise in die Gegenrichtung. Die Konjunkturentwicklung dämpft die Teuerung im Verlauf von 2010 immer weniger. Die Inflation dürfte sich deshalb wieder normalisieren und im Jahresdurchschnitt 2010 gut 1 % betragen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) kann dieser Entwicklung zunächst noch gelassen entgegensehen. Im zweiten Halbjahr 2010 dürfte allerdings auch sie ihre Nullzinspolitik aufgeben und einen Normalisierungskurs einschlagen. Die SNB wird den Leitzins, also den mittleren Wert des Zinszielbandes, behutsam auf 1,0 % zum Jahresende anheben.

Größeren Einfluss als die heimische Geldpolitik wird wohl das Ausland haben. Mit der anziehenden Konjunktur werden zunächst die US-Notenbank und danach die Europäische Zentralbank im Verlauf von 2010 eine Zinswende einleiten. Auch wenn beide Notenbanken ihre Leitzinsen nur allmählich nach oben schleusen dürften, so ändern sich doch die Zinsdifferenzen in Relation zum Schweizer Franken. Der Zinsnachteil gegenüber dem Euro nimmt am Geldmarkt und bereits im Voraus auch am Kapitalmarkt zu. Der Euro-Franken-Kurs dürfte entsprechend ansteigen. Noch einen anderen Aspekt bringt die Zinswende der großen Notenbanken mit sich: Der US-Dollar dient dann kaum noch als Verschuldungswährung in Carry Trades. Folglich rücken die klassischen "Carry"-Währungen wieder in den Fokus, also Yen und Franken. Dieser Faktor wird wohl deutlich im Vorfeld einer US-Zinswende gegen Mitte 2010 die Schweizer Währung belasten.

Der Euro-Franken-Kurs dürfte bis Mitte nächsten Jahres bis auf 1,57 steigen. Zum US-Dollar wird die Abwertung vermutlich noch ausgeprägter ausfallen. Vom derzeitigen Kurs nahe der Parität könnte sich ein US-Dollar auf 1,20 Franken verteuern. Die Langeweile im Euro-Franken-Kurs wird damit spätestens 2010 ein Ende finden. Vor diesen Hintergrund werden dann mögliche Devisenmarktinterventionen der SNB zunehmend obsolet.

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