Sonntag, 11. Dezember 2016


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Schweizer Franken: Höhenrausch hält nicht an

Währungsfokus

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) .
- Die Probleme in der Eurozone setzen den Euro-Franken-Kurs unter Druck.
- Die Schweizer Notenbank ließ einen Kursrückgang auf ein neues historisches Tief bei 1,42 zu.
- Mittelfristig dürfte sich der Euro gegenüber dem Franken wieder etwas erholen, insbesondere wenn sich die Zinsdifferenzen zu Gunsten der Gemeinschaftswährung ausweiten.

Der Schweizer Franken betritt unbekanntes Land. Handelsgewichtet war die Schweizer Währung noch nie so viel wert wie derzeit. 2010 legte der Franken insbesondere gegenüber dem Euro zu, während er gegenüber dem US-Dollar leicht verlor. Der Euro-Franken-Kurs fiel auf ein neues Allzeittief bei 1,42. Dabei betont die Schweizerische Nationalbank (SNB) weiterhin, dass sie einer übermäßigen Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro entschieden entgegenwirken wird. Offensichtlich sieht die SNB ein Rekordtief im Euro-Franken-Kurs nicht als übermäßig und verzichtete nach dem Rutsch unter die Marke von 1,46 auf Interventionen am Devisenmarkt. Befindet sich der Schweizer Franken nun in einer Phase der Neubewertung und besteht noch weiteres Aufwertungspotenzial?

Die Sorgen um Griechenland und andere hochverschuldete Länder der Währungsunion belasten die Gemeinschaftswährung. Sie wertete nicht nur gegen den Franken, sondern auch gegenüber dem US-Dollar und vielen anderen Währungen ab. Der angekündigte Rettungsplan für Griechenland konnte die Ängste etwas reduzieren, weshalb der Euro-Franken-Kurs sich leicht erholte. Aber es verbleiben grundsätzliche Probleme in der Währungsunion: Die Haushaltsdefizite bzw. die Staatsverschuldung in einzelnen Euro-Mitgliedsländern sind erheblich. Eine nachhaltige Konsolidierung der Staatsfinanzen ist keinesfalls gesichert. Zudem haben sich die Länder teilweise recht heterogen entwickelt, d.h. es bestehen Divergenzen bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit, die sich in massiven Leistungsbilanzüberschüssen und -defiziten bemerkbar machen. Deshalb wird der Euro auch dann, wenn die akuten Sorgen um Griechenland abflauen, weiterhin unter diesen Problemen leiden.

Der Schweizer Franken konnte klassisch als "Safe-Haven"-Währung von der Griechenland-Krise profitieren. Allerdings passt diese Entwicklung nicht in das Gesamtbild an den Finanzmärkten. Abgesehen von Staatsanleihen in einigen Ländern der Eurozone kann bei weitem nicht von einer Krisenzuspitzung an den Finanzmärkten gesprochen werden. Die führenden Aktienindizes klettern auf neue Jahreshöchststände, die Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen gehen weiter zurück. In einem solchen Umfeld verliert gewöhnlich der Schweizer Franken an Wert, da ein sicherer Hafen von den Anlegern nicht mehr gesucht ist. Nun scheint die in den letzten Jahren vorherrschende Korrelation gebrochen: Eine sinkende Risikoaversion an den Finanzmärkten hat nicht mehr grundsätzlich einen schwächeren Franken zur Folge.

Franken derzeit keine wichtige Carry-Währung

Der Franken diente in den letzten Jahren aufgrund seiner relativ niedrigen Zinsen als Verschuldungswährung in Carry Trades. Auch von dieser Seite beeinflusste die Risikoneigung die Schweizer Währung. Auflösungen von Carry Trades wegen einer geringeren Risikobereitschaft begünstigten den Franken. Gegenwärtig befinden sich allerdings die Geldmarktzinsen in den führenden Industrieländern auf einem Rekordtief, so dass der Franken für Carry Trades keine wichtige Rolle mehr spielt. Dafür stehen andere, liquidere Währungen zur Verfügung. Dies wird sich erst ändern, wenn andere Notenbanken vor der SNB ihre Geldpolitik straffen. Dann dürfte der Franken unter Druck geraten. Oder wird die Schweizer Notenbank sogar vor der EZB mit Zinserhöhungen beginnen?

Konjunkturerholung schreitet voran

Die Schweizer Wirtschaft hat sich in der Krise vergleichsweise stabil gehalten. Zwar schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt 2009 so stark wie seit Dekaden nicht mehr. Allerdings fiel das Minus mit 1,4 % deutlich niedriger als in den Nachbarstaaten aus. Im zweiten Halbjahr 2009 zog das Wachstum in der Schweiz bereits an. Dies dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen. Der private Konsum war in der jüngsten Vergangenheit eine wichtige Stütze. Da sich die Lage am Arbeitsmarkt allmählich stabilisiert, werden die Ausgaben der privaten Haushalte auch 2010 das Wachstum tragen. Die Unternehmensinvestitionen erholen sich von dem vorherigen Einbruch. Die teilweise sehr optimistische Stimmung lässt für 2010 einen spürbaren Investitionsanstieg erwarten. Als kleine offene Volkswirtschaft ist in der Schweiz der Außenhandel von enormer Bedeutung. Die Exporte expandierten im Februar bereits im Vorjahresvergleich und werden wohl einen positiven Wachstumsbeitrag liefern. Allerdings nimmt das Bruttoinlandsprodukt der Haupthandelspartner keineswegs kräftig zu, so dass dem Schweizer Außenhandel dadurch Grenzen gesetzt werden. Zudem wird sich im Jahresverlauf die Aufwertung des Frankens wohl negativ bemerkbar machen. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2010 mit 1,5 % in ähnlicher Größenordnung wie im Euroraum zulegen.

Inflation bleibt gedämpft

Die SNB sieht wohl angesichts einer durchschnittlichen Wachstumsentwicklung keine Dringlichkeit, ihre expansive Geldpolitik zurückzufahren. Die Aussagen eines Notenbankers bezüglich der Exitstrategien sollten nicht als baldige Zinswende interpretiert werden. Die Inflation hat sich wieder auf knapp 1 % erhöht. Der Anstieg spiegelt vor allem die Basiseffekte aufseiten der Energiepreise wider. Die Kerninflation hingegen fällt im Trend und lag im Februar nur bei 0,5 %. Die weiterhin vorhandenen gesamtwirtschaftlichen Überkapazitäten sowie die Aufwertung des Frankens werden die Teuerung in Schach halten. Die Inflation wird im Gesamtjahr 2010 vermutlich unter 1 % bleiben. Deflationäre Gefahren sind damit jedoch auch nicht verbunden. Zumindest solange sich die globale bzw. damit auch implizit die Schweizer Konjunktur erholt.

Eine zusätzliche Stimulierung über den Wechselkurs erscheint nicht notwendig. Kann die SNB auf die Devisenmarktinterventionen verzichten und eine Franken-Aufwertung akzeptieren? Der Wechselkurs ist angesichts eines Leitzinses von nahe Null quasi das einzig verbliebene geldpolitische Instrument. Je gefestigter die SNB die Konjunkturerholung erachtet, desto eher wird die Schweizer Wirtschaft einen teureren Franken verkraften können. Die Unsicherheit über den Konjunkturverlauf wird wohl auch aufgrund der Probleme in einigen Exportmärkten weiter anhalten, so dass die SNB das Instrument Wechselkurs eigentlich nicht aus Hand geben dürfte. Allerdings spricht die derzeitige Euro-Franken-Entwicklung eher für das Gegenteil. Zinserhöhungen der SNB stehen zunächst nicht auf der Agenda, zumal das die Bemühungen gegen eine Franken-Aufwertung vollständig konterkarieren würde. Erst für 2012 projiziert die SNB einen spürbaren Inflationsanstieg. Deshalb dürfte die SNB frühestens 2011 mit Leitzinserhöhungen beginnen.

Euro-Zinsen steigen stärker an

Die EZB kann sich wegen der Probleme in einzelnen Staaten der Eurozone bzw. deren Haushaltskonsolidierungen mit einer Zinswende ebenfalls Zeit lassen. So dürften die ersten Anhebungen auch erst 2011 erfolgen. Vermutlich werden im Folgejahr SNB und EZB ihre Geldpolitik zeitlich recht parallel zügeln. Erfahrungsgemäß dürfte dabei die europäische Notenbank größere Zinsschritte vornehmen, so dass sich die Zinsdifferenzen zu Gunsten des Euro ausdehnen sollten. Diese Entwicklung werden die Renditedifferenzen von zweijährigen Bundesanleihen zu Schweizer Staatsanleihen noch im Verlauf von 2010 eskomptieren. Dies dürfte dann den Franken belasten.

Langfristig betrachtet, befindet sich die Schweizer Währung im Aufwärtstrend. Dies kann man mit einer dauerhaft höheren Preisstabilität erklärt werden. Selbst im Vergleich zum recht preisstabilen Deutschland lag die Schweizer Inflation in den letzten 20 Jahren durchschnittlich einen halben Prozentpunkt tiefer. Diese Entwicklung könnte sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen und damit positiv auf den Franken wirken. Zudem behält der Franken seinen Ruf als sicherer Hafen, da in der Schweiz die Staatsverschuldung vergleichsweise niedrig ist und aufgrund der nachhaltigen Leistungsbilanzüberschüsse keine Abhängigkeit von einer Außenfinanzierung besteht. Zu einer Achillesverse für die Schweiz könnte allerdings der überdimensionale Bankensektor werden. Jedoch hat sich bei den Schweizer Großbanken die Lage entspannt, so dass dieses Thema vorerst vernachlässigt werden kann.

Euro-Franken mit Kurschancen unter erhöhtem Risiko

Der langfristige Aufwertungstrend des Frankens wird des Öfteren von Zinsdifferenzen überlagert. Der Zinsnachteil des Frankens ist nämlich die Kehrseite der niedrigeren Inflation. Der Realzins, der sowohl den Zins als auch die Inflation berücksichtigt, spricht derzeit eher für einen höheren Euro-Franken-Kurs. Mittelfristig überwiegen daher die Argumente, dass der Franken seine Gewinne gegenüber dem Euro teilweise wieder abgibt. Der Euro-Franken-Kurs könnte demnach bis Jahresende auf 1,48 ansteigen. Aufgrund der Griechenland-Problematik und der gesunkenen Zinserhöhungsperspektiven in der Eurozone wurde die Prognose nach unten revidiert. Kurzfristig hängt die Entwicklung von zwei Faktoren ab: Zum einen wie in der Eurozone die Probleme der hochverschuldeten Staaten gelöst werden, zum anderen ob die SNB wieder bereit ist, sich gegen eine Franken-Aufwertung zu stemmen. Sollte beides nicht der Fall sein, sind kurzfristig auch neue Tiefs des Euro-Franken-Kurses nicht auszuschließen.

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