Freitag, 09. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 130496

Notenbank bleibt auf der Käuferseite

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) .

- Die Bank of England wird ihr Kaufprogramm für Wertpapiere erneut verlängern.

- Ihren Leitzins belässt die Notenbank bis auf weiteres bei 0,5 %.

- Ein geldpolitischer Kurswechsel zeichnet sich erst dann ab, wenn sich die positiven Stimmungsindikatoren nachhaltig im Wirtschaftswachstum bemerkbar machen.

Das Kaufprogramm der Bank of England (BoE) ist ausgelaufen, aber wohl nur für eine Woche. Die avisierten 175 Mrd. Pfund hat die Notenbank bis Ende Oktober ausgegeben, fast ausschließlich für Staatsanleihen. Auf der Notenbanksitzung Anfang November steht eine erneute Ausweitung des Kaufprogramms zur Debatte. Der vierteljährliche Inflationsbericht der BoE, der in der Folgewoche veröffentlicht wird, liegt den Notenbankmitgliedern im Wesentlichen bereits vor und wird wohl für diesen Entscheid richtungweisend sein. Eine Zinswende - der Leitzins befindet sich nach wie vor bei 0,5 % - wird wohl nicht ernsthaft erörtert werden. Die Diskussion um eine mögliche Reduktion des Einlagezinses der Geschäftsbanken ist in den Hintergrund getreten.

Das Protokoll für die BoE-Sitzung im Oktober ergab keine wichtigen neuen Erkenntnisse. Das Kaufprogramm sollte wie vorher angekündigt fortgesetzt werden. Der Entscheid war einstimmig. Unter den Mitgliedern differierte die Risikoeinschätzung für die mittelfristige Inflation, Details wurden jedoch nicht erwähnt. Ansonsten verwies man auf den November-Inflationsbericht.

Die Konjunkturdaten, insbesondere die Stimmungsindikatoren, deuten überwiegend auf eine spürbare Erholung hin. So notieren die Einkaufsmanagerindizes wieder im Wachstumsbereich. Die Häuserpreise erholen sich überraschend deutlich und liegen im annualisierten Halbjahresvergleich bereits zweistellig im Plus. Allerdings wirkt sich dies auf den privaten Konsum derzeit kaum aus, die Einzelhandelsumsätze wachsen nur verhalten. Umfragen im Handel stellen aber eine positivere Entwicklung in Aussicht. Belastet werden die privaten Haushalte nach wie vor von einer zunehmenden Arbeitslosigkeit, wenngleich der Beschäftigungsrückgang weniger dynamisch als von der BoE befürchtet ausfällt. Die Entwicklung an den Finanzmärkten stützt das Wachstum. Die Finanzierungsbedingungen, also Geldmarktzins, Renditen für Unternehmensanleihen sowie der Wech-selkurs, haben sich im Vergleich zum August spürbar gelockert, selbst wenn es zuletzt einen kleinen Rückschlag gab. Der Bankensektor bereitet nach wie vor Sorgen, einzelne Großbanken erhalten erneut staatliche Kapitalspritzen. Trotz der freundlicheren Tendenz an den Finanzmärkten birgt der Bankensektor noch Risiken für die Konjunktur.

Dem Erholungsszenario steht die harte Zahl des Bruttoinlandsprodukts entgegen. Nach der ersten Schätzung für das dritte Quartal schrumpfte die britische Wirtschaft überraschend um 0,4 %. Demnach war die Rezession bis ins dritte Vierteljahr noch nicht beendet. Zwar sind künftige Aufwärtsrevisionen durchaus nicht unwahrscheinlich, können aber der BoE kurzfristig nicht als Entscheidungshilfe dienen. Die britische Notenbank ging in ihrer Projektion im August noch von einem leichten Wachstum aus. Aufgrund der veröffentlichten BIP-Zahl und der damit verbundenen gesenkten Wachstumsprognose wird die BoE wohl höhere gesamtwirtschaftliche Überkapazitäten identifizieren, die letztlich die Inflation in einem größeren Ausmaß als bislang erwartet dämpfen. Die erwähnten positiven Konjunkturfaktoren werden diesen Effekt vorerst wohl nur mildern, aber noch nicht umkehren.

Die Inflationsrate selbst lag über den Erwartungen der Notenbank. Die Teuerung fiel im September auf 1,1 %, dem niedrigsten Stand seit über sechs Jahren. Das Tief dürfte damit aber wohl erreicht sein. Basiseffekte werden in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der Inflationsrate auf über 2 % führen. Damit liegt die Teuerung für das Gesamtjahr 2009 trotz einer historisch tiefen Rezession und eines Ölpreisabsturzes wohl leicht über der Zielmarke von 2,0 %. Für den Ausblick spielt die wirtschaftliche Entwicklung die Schlüsselrolle. Per saldo dürfte deshalb die BoE ihre Inflationsprojektion auf Sicht von ein bis zwei Jahren eher senken denn anheben. Die mittlere Projektion bliebe damit unterhalb der Zielmarke von 2,0 %.

Inflation am vorläufigen Tief Die BoE wird aus diesem Grund weiterhin eine sehr expansive Geldpolitik verfolgen. Das Zinsinstrument ist mit einem Niveau von 0,5 % ausgereizt. Eine Reduktion für den Einlagenzins der Geschäftsbanken ist zumindest nicht völlig auszuschließen. Im Mittelpunkt stehen wieder einmal die im März begonnenen quantitativen Maßnahmen, d.h. die Frage nach der Ausweitung des derzeit ausgeschöpften Kaufprogramms von 175 Mrd. Pfund.

Die Erfolgsbilanz dieses neuen geldpolitischen Instruments ist nicht eindeutig zu beurteilen. Die Renditen für zehnjährigen Gilts haben sich seit Bekanntgabe der Käufe per saldo leicht erhöht. Die Risikoprämien an den Finanzmärkten verringerten sich spürbar, was zumindest teilweise auch mit dieser geldpolitischen Maßnahme erklärt werden kann. Die Aktivität an den Finanzmärkte, also Emissionsvolumen von Wertpapieren, ist wieder angesprungen. Jedoch befindet sich das um Sonderfaktoren bereinigte Geldmengenwachstum trotz der massiven Ausweitung der Geldbasis mit rund 2 % noch merklich unter dem mehrjährigen Durchschnitt von 8 %. Allerdings zeigt die kurzfristige Dynamik wieder deutlicher nach oben. Bei den Immobilienpreisen sowie Stimmungsindikatoren lässt sich ein konjunktureller Erfolg der quantitativen Geldpolitik ausmachen, das Brutto-inlandsprodukt selbst spricht eher dagegen. Insgesamt und wohl auch mangels Alternativen überwiegen wohl eher die positiven Aspekte des Kaufprogramms.

Die BoE wird vermutlich ihren bisherigen Kurs fortsetzen. Das Kaufprogramm dürfte um mindestens 25 Mrd. Pfund ausgeweitet werden. Auch ein höheres Volumen erscheint möglich. Problematisch ist allerdings der hohe Anteil der Notenbank am britischen Rentenmarkt. Sie hält über 20 % der herkömmlichen Staatsanleihen. Die Marktverzerrungen würden mit einer Ausweitung des Kaufprogramms weiter zunehmen. Dies würde für einen höheren Anteil an Unternehmensanleihen sprechen. Die hohe Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Inflationstendenz mahnen aber zur Vorsicht. Mit einer sehr kräftigen Ausweitung des Kaufprogramms ist daher nicht zu rechnen.

Ausweitung des Kaufprogramms wahrscheinlich Wegen der nochmaligen Fortsetzung der quantitativen Maßnahmen bleibt das Instrument Leitzins wohl länger im Hintergrund als ursprünglich angenommen. Die BoE dürfte im ersten Halbjahr 2010 keine Zinswende vollziehen. Frühestens im dritten Quartal 2010 wird die Notenbank, basierend auf einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung, die geldpolitischen Zügel auch in Form von Zinsanhebungen anziehen.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Wohnungsüberlassung an Tochter steuerlich nicht anerkannt

, Finanzen & Versicherungen, Wüstenrot & Württembergische AG

Wird eine Wohnung einem unterhaltsberechtigt­en Kind nicht gegen Geld überlassen, sondern im Rahmen der elterlichen Unterhaltspflichten zum Bewohnen...

Vorweihnachtliche Überraschungen statt aufwändiger Weihnachtsgeschenke

, Finanzen & Versicherungen, Taunus Sparkasse

Die Taunus Sparkasse verzichtet auch in diesem Jahr auf aufwändige Geschenke für Kunden und Geschäftspartner. Stattdessen spendet sie insgesamt...

Was tun gegen vereiste Windschutzscheiben?

, Finanzen & Versicherungen, Wüstenrot & Württembergische AG

Wer kennt das nicht? Die Temperaturen gehen gegen null, und schon sind die Scheiben am Auto vereist. Bei klirrender Kälte müssen Autofahrer dann...

Disclaimer