Freitag, 09. Dezember 2016


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Länderfokus

Kreditvergabe: Kein Nadelöhr, sondern schwache Nachfrage

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) Gemessen an der Schwere der jüngsten Rezession ist bemerkenswert, dass die Unternehmenskredite bislang nicht eingebrochen sind - dank des stabilisierenden Einflusses von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Selbst ein Rückgang im Jahresverlauf wäre kein Indiz für eine Kreditklemme, sondern Ausdruck der rückläufigen Kreditnachfrage.

Enger Zusammenhang von Konjunktur und Kreditvergabe

Insolvenzen, Konjunktur und Kreditvergabe hängen eng zusammen: In konjunkturellen Schwächephasen sinkt einerseits die Kreditnachfrage aufgrund unausgelasteter Kapazitäten und nachlassender Investitionen. Andererseits steigen die Insolvenzen und überproportional die ausfallgefährdeten Forderungen. Dies wirkt sich negativ auf die Kreditkonditionen aus. Deshalb aber gleich von einer Kreditklemme zu sprechen, ist voreilig.

In und nach den Rezessionsjahren 2002 und 2003 schrumpften die Kredite an Unternehmen und Selbständige in Deutschland anhaltend, ohne dass in diesem Zusammenhang von einer Kreditklemme gesprochen wurde. Dass nach der tiefsten Rezession im Nachkriegsdeutschland mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von preisbereinigt 5 % nun auch die Kreditvergabe nicht mehr zunimmt wie in Boomphasen, sondern ins Stocken gerät, ist deshalb verständlich. Trotz massiv gestiegener Insolvenzen stagnierten die Firmenkredite erst im vierten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahr. Stabilisatoren waren in diesem Zusammenhang die Sparkassen und Kreditgenossenschaften, während der private Kreditbankensektor schon sehr zurückhaltend war.

Seit dem zweiten Quartal 2009 wächst die deutsche Wirtschaft wieder. Die Stagnation im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal sollte nicht überbewertet werden, da sie auf Sonderfaktoren wie den Wegfall der Abwrackprämie und das kalte Winterwetter im Dezember zurückzuführen ist.

2010 wird das Wachstum bei schätzungsweise 1,6 % (arbeitstäglich bereinigt) liegen. 2011 dürfte dann eine mehrjährige Konsolidierung des Staatshaushalts beginnen, die das Wachstum schwächt. Damit sollte es im nächsten Jahr nicht zu einer Wachstumsbeschleunigung kommen. Frühestens im Jahr 2012 wird das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein.

Bei den Unternehmensinvestitionen kann 2010 trotz des tiefen Niveaus nur mit einem moderaten Zuwachs von 2 % gerechnet werden. Die Lohnstückkosten sind auch durch die starke Nutzung der Kurzarbeit stark angestiegen. Damit hat sich die Ertragslage der Unternehmen, die ein wesentlicher Faktor für die Kapitalbildung ist, deutlich verschlechtert. Hinzu kommt, dass das Erweiterungsmotiv durch die weiterhin niedrige Kapazitätsauslastung im laufenden Jahr nur eine untergeordnete Rolle spielen wird; die Firmen werden in der breiten Masse lediglich Ersatz- und Rationalisierungsmaßnahmen durchführen. Damit bleibt auch die Kreditnachfrage gedämpft.

Bislang keine Kreditklemme erkennbar

Deutsche Banken hatten an Unternehmen und private Haushalte des eigenen Währungsraums Ende 2009 insgesamt über 2,3 Bill. € an Krediten vergeben, was sich mit knapp 1,8 Bill. € jeweils bei den britischen und französischen Instituten vergleicht (gemäß aggregierter Bilanzdaten der EZB). Damit lag der aggregierte Kreditbestand der deutschen Banken Ende letzten Jahres um 3 % höher als bei Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise im Spätsommer 2007. Trotz des Konsolidierungsprozesses haben die hiesigen Kreditinstitute also etwas mehr Darlehen an den Privatsektor in Euroland ausgereicht, während ihre britischen Pendants die Kreditvergabe an inländische Unternehmen und Haushalte massiv eingeschränkt haben.

So gibt es hierzulande nach wie vor keine flächendeckende Kreditklemme. Als Folge des Konjunktureinbruchs im letzten Jahr ist zwar eine rückläufige Nachfrage nach neuen Krediten zu beobachten, und einige Unternehmen sehen sich mit Finanzierungsschwierigkeiten konfrontiert. Doch wie eine Erhebung der Deutschen Industrie- und Handelskammern unter rund 20.000 Unternehmen vom Jahresbeginn belegt, sind in Deutschland hauptsächlich fehlende Sicherheiten ursächlich für die verschlechterten Kreditkonditionen. Die quartalsweise von der EZB durchgeführte Umfrage (Bank Lending Survey) zeigt, dass die Konditionen für die Kreditvergabe mittlerweile wieder weniger restriktiv sind. Ähnlich wie in der Eurozone insgesamt waren auch die Bewilligungsstandards der deutschen Banken für das Kreditgeschäft mit Unternehmen und Konsumenten Anfang 2010 nicht mehr so restriktiv wie in der Krisenphase.

Unternehmenskreditvergabe rezessionsbedingt leicht rückläufig

Die jüngste Finanzkrise hat zunächst kaum zu einer Einschränkung der Kreditvergabe an Unternehmen geführt. Die sich anschließende Rezession hat die Dynamik allerdings gebremst. Ende Dezember 2009 befand sich die Kreditvergabe des Sparkassen- und Genossenschaftssektors aber noch im positiven Bereich. Innerhalb des Sparkassensektors mussten sich verschiedene Landesbanken um eine Bilanzverkürzung bemühen, was die Wachstumsrate der Kreditvergabe deutlich dämpfte. Die Sparkassen alleine waren im Dezember 2009 aber weiterhin genauso aktiv wie die Genossenschaften und vergaben 4 % mehr Kredite als ein Jahr zuvor. Bei den Kreditbanken dagegen ging die Kreditvergabe um 4 % zurück. Insgesamt lag der Unternehmenskreditbestand Ende letzten Jahres um 0,4 % unter dem Vorjahresniveau.

Auch in der Vergangenheit waren die Sparkassen zuverlässige Begleiter der Unternehmen. Sie vergaben 2001/02 noch Kredite an Unternehmen, als Kreditbanken und Genossenschaftsbanken ihr Engagement kräftig zurückgefahren hatten. Die sich anschließende Konsolidierungsphase dauerte im Sparkassensektor nur gut zwei Jahre, während die Kreditbanken über vier Jahre und der Genossenschaftssektor über fünf Jahre hinweg ihren Unternehmenskreditbestand abgebaut haben. In dieser Phase wurde damals nicht von einer Kreditklemme gesprochen.

Hoher Marktanteil des Sparkassensektors im Firmenkreditgeschäft

Der Sparkassensektor, d. h. Landesbanken und Sparkassen zusammen, hat seit 1970 seinen Marktanteil sukzessive ausgebaut. Nach der Wiedervereinigung gab es Verzerrungen, da die ehemalige Staatsbank von Unternehmen aus dem Kreditbankensektor übernommen wurde und die Sparkassen während der DDR-Zeit weitgehend auf das Privatkundengeschäft beschränkt waren. Inzwischen nimmt der Sparkassensektor mit einem Marktanteil von rund 40 % unangefochten Platz 1 im Unternehmenskreditgeschäft ein. Mit weitem Abstand folgen die Kreditbanken und der Genossenschaftssektor mit Marktanteilen von 26 % bzw. 13 %.

Das Kreditgeschäft mit dem Mittelstand lässt sich aus den öffentlichen Statistiken nicht ablesen. Allerdings existieren Angaben zum Geschäft mit Selbständigen: So gewähren die Sparkassen knapp 40 % der Kredite an Selbständige, gefolgt von den Kreditgenossenschaften mit einem Marktanteil von 27 %. Die Kreditbanken stellen 20 % der Kredite an Selbständige zur Verfügung.

Auch für die Berufsgruppe der Handwerker existieren Daten. Hier ist der Vorsprung der Sparkassen noch ausgeprägter. Mehr als zwei Drittel der Handwerkerkredite werden von Sparkassen gewährt. Die Kreditgenossenschaften haben immerhin noch einen Marktanteil von knapp 20 %. Kaum aktiv im Kreditgeschäft mit Handwerkern sind dagegen die Kreditbanken. Da innerhalb des Sparkassen- und Genossenschaftssektors Landesbanken bzw. die genossenschaftlichen Zentralbanken nicht die gleichen Kundengruppen umwerben wie die anderen Mitglieder des jeweiligen Finanzverbundes, spielen sie bei der Kreditvergabe an Selbständige und Handwerker eine untergeordnete Rolle.

Aus dieser Dominanz lässt sich auch für den übrigen Mittelstand eine hohe Betreuungsquote durch die Sparkassen ableiten. Hier kommt positiv zum Tragen, dass sich Unternehmen und Sparkassen in ihrer Größe ungefähr einander entsprechen. Verständnis und Vertrauen vor Ort für den jeweiligen Geschäftspartner sind so nahezu eine Selbstverständlichkeit. Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die Betreuung vieler Kleinkunden recht kostenintensiv ist. Großbanken und die sonstigen Kreditbanken haben meist größere Unternehmen im Visier, wie man an der geringen Beteiligung an der Finanzierung der Handwerker sieht. Die starke Konzentration (0,2 % der größten Unternehmen in Deutschland erwirtschaften 55 % des Umsatzes) nutzen insbesondere die Großbanken. Mit der Beschränkung auf die "Größten" können sie mit relativ wenig Kunden erhebliches Geschäftsvolumen generieren. Sparkassen bleibt hier der Zugang aufgrund ihrer geringeren eigenen Größe häufig versperrt. Sie sind daher in stärkerem Maße auf kleine und mittelgroße Unternehmen fokussiert.

Wie ernst die Sparkassen und die Kreditgenossenschaften ihre Aufgabe nehmen, die Volkswirtschaft mit Krediten zu versorgen, sieht man auch an der besonderen Ausprägung ihrer Bilanzstruktur. So beträgt der Anteil der Kredite an Nichtbanken an der Bilanzsumme der Sparkassen gut 60 % und bei den Kreditgenossenschaften 57 %, wohingegen es im Durchschnitt aller Banken nur gut 40 % sind. Die Unternehmen sind bei den Sparkassen die größte Kreditnehmergruppe. Sie erhalten mit einem Anteil von 29 % an der Bilanzsumme die meisten Kredite. Dieser Wert ist bei den Kreditgenossenschaften mit 25 % etwas niedriger. Im Kreditbankensektor ist das Firmenkreditgeschäft gemessen an der Bilanzsumme mit 16 % von deutlich geringerer Bedeutung.

Noch keine Trendwende in der Kreditvergabe

Trotz der wirtschaftlichen Besserung ist kurzfristig keine Trendwende bei der Kreditvergabe zu erwarten. Dazu ist der konjunkturelle Impuls noch zu gering. Zwar wird sich die Investitionstätigkeit wieder erholen, doch werden Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen nach Rezessionen zunächst vor allem über einbehaltene Gewinne finanziert. Dies stellt keine vielbeschworene Kreditklemme dar, sondern ist ein ganz normaler Vorgang, der auch schon in Deutschland nach der Rezession in den Jahren 2003 bis 2006 zu beobachten war. Erst wenn der Aufschwung an Dynamik gewinnt, steigt die Kreditnachfrage und expandiert das Firmenkreditgeschäft der Banken wieder. Jetzt Wirtschaft und Banken zu riskanten und am Ende unrentablen Investitionen zu ermutigen oder gar zu drängen, wäre unverantwortlich und könnte die nachhaltige Genesung der Wirtschaft insgesamt gefährden.

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