Freitag, 09. Dezember 2016


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Ändert das FOMC diesmal das Wording?

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) .
- Auf der Sitzung am Dienstag und Mittwoch dieser Woche könnte die Fed die Formulie-rung ändern, dass der Leitzins "für längere Zeit außergewöhnlich niedrig" bleiben wird. Allerdings dürfte das FOMC dies kontrovers diskutieren.
- Es wird immer schwieriger, die aktuell extrem expansive Geldpolitik zu begründen.
- Bleibt das Wording unverändert, wird es für eine Zinswende im Sommer knapp - denn dann müssten schon besondere überraschende Ereignisse eintreten, um die Fed trotz ihrer Zusage einer unveränderten Politik doch noch zu einer baldigen Straffung zu bewegen.

Das Ende der Rezession von 2007-2009 wird sich bald zum ersten Mal jähren und dennoch ver-spricht die Fed auf jeder FOMC-Sitzung, den extrem expansiven geldpolitischen Kurs "für längere Zeit" beizubehalten. Zwar ist der Zeitpunkt für eine erste Zinserhöhung wohl noch nicht gekom-men. Aber klare Signale, dass dieser Zeitpunkt näher rückt, wären angebracht. Der Leitzins liegt nach wie vor nahe Null und die Bilanzsumme der Fed wächst weiter, obwohl die wichtigsten Li-quiditätsprogramme inzwischen alle ausgelaufen sind. Die Notenbank steht nach wie vor mit bei-den Füßen auf dem Gas.

Offensichtlich sind bei den Geldpolitikern die Sorgen um die Nachhaltigkeit der Erholung unver-ändert so stark ausgeprägt, dass sie noch keinen Anlass sehen, bereits auf kurze Sicht den Ausstieg aus der extrem expansiven Liquiditätspolitik anzustreben. Höhere Marktzinsen erscheinen der Fed zum aktuellen Zeitpunkt offenbar als unangemessen. Hierbei spielt sicher auch die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit eine Rolle - am Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft insgesamt gibt es ganz erhebliche ungenutzte Kapazitäten. Allerdings sind es inzwischen nicht mehr nur die Frühindikato-ren, die einen kräftigen Aufschwung anzeigen, sondern auch breit gestützte Daten wie das Brutto-inlandsprodukt - im ersten Quartal lag der Zuwachs hier wohl wieder deutlich über dem Trend - und eher nachlaufende Indikatoren. Selbst die Beschäftigung hat wieder zu steigen begonnen.

Eine restriktive Geldpolitik ist derzeit nicht erforderlich. Davon ist die Fed aber auch noch mehre-re hundert Basispunkte entfernt. Es kann wenig Zweifel daran geben, dass die Geldpolitik derzeit wirkt. Die Ertragslage der Banken profitiert ganz klar von den sehr günstigen Refinanzierungsbe-dingungen. Ein Monetary Conditions Index, der die finanziellen Rahmenbedingungen für US-Unternehmen abbildet, unterstreicht, dass die Maßnahmen der Fed erhebliche positive Impulse liefern. Auch die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen ("commercial & industrial loans") scheint sich inzwischen zu stabilisieren.

Ist es Zeit, das FOMC-Statement zu ändern?

Trotz der zuletzt im Schnitt positiven Entwicklung des privaten Konsums und am Arbeitsmarkt haben sich die meisten Notenbankvertreter - insbesondere Ben Bernanke - bislang überwiegend zurückhaltend geäußert. In den jüngsten Reden betonten sie weiter die konjunkturellen Abwärtsri-siken - vor allem hinsichtlich einer Periode des "jobless growth" und einer Kreditklemme. Das Kommuniqué der anstehenden FOMC-Sitzung dürfte sich aber erneut positiver über die Nachhal-tigkeit des Aufschwungs äußern. Hinsichtlich der Preisniveaustabilität wird sich die Einschätzung wohl nicht viel ändern. Im Großen und Ganzen dürfte das FOMC-Statement demjenigen vom März sehr ähneln. Allerdings könnte die Zusage, die Zinsen für einen "längeren Zeitraum" auf einem sehr expansiven Niveau zu belassen, durch eine abgeschwächte Version ersetzt werden, die der Fed im Hinblick auf einen späteren "Exit" mehr Flexibilität einräumt.

"Exitometer": Weiter in Richtung Zinswende - in Zeitlupe!

Unser Exitometer, das die Argumente für ein Beibehalten der sehr expansiven Geldpolitik abbil-det, ist verglichen mit der FOMC-Sitzung im März weitgehend unverändert. Nur bei der Konjunk-tur hat sich in den vergangenen sechs Wochen etwas merklich verändert: Angesichts der wieder steigenden Beschäftigung verbessern sich die Aussichten für den privaten Konsum. Steigende Unternehmensgewinne und -investitionen lassen erwarten, dass auch der Arbeitsmarkt auf Erho-lungskurs bleibt. Der Aufschwung gewinnt also an Breite und Stabilität.

Der Wohnungsmarkt erholt sich weiter, doch ist unklar, in welchem Umfang die steuerlichen An-reize für den Hauskauf, die Ende April auslaufen, dafür verantwortlich sind. Die Politik bleibt im Krisenmodus - angesichts der Arbeitslosenquote auf dem höchsten Stand seit 1983 ist der politi-sche Druck auf die Notenbank unverändert hoch, die Expansion nicht zu gefährden.

Zinswende nicht vor dem Spätsommer/Herbst 2010

Sendet die Fed auf dieser Sitzung keine klaren Signale hinsichtlich der Zinswende, wird es für einen ersten Zinsschritt im Spätsommer/Herbst 2010 knapp. Zwar besteht grundsätzlich kein Wi-derspruch zwischen der Zusage einer "langen Periode außergewöhnlich niedriger" Leitzinsen und einer leichten Anhebung der Federal Funds von ihrem derzeitigen Rekordtief. Allerdings knüpft die Fed mit ihrer aktuellen Sprachregelung wohl an den letzten Zinszyklus an. Damals änderte sie eine ähnliche Formulierung ein halbes Jahr bevor sie den Leitzins anhob. So ist davon auszugehen, dass die Notenbank im Vorfeld der geldpolitischen Wende auch diesmal ihre Absichten klar signa-lisieren wird, z.B. durch ein entsprechendes Wording im Kommuniqué der Sitzung in dieser Wo-che. So würde sich zum Beispiel ein Hinweis anbieten, dass die extrem großzügige Bereitstellung von Liquidität in absehbarer Zeit nicht mehr erforderlich sein wird, obwohl die Geldpolitik noch längere Zeit grundsätzlich expansiv bleiben wird.

Wir gehen davon aus, dass die Fed gleichzeitig ihre Quasi-Nullzinspolitik beendet und ernsthaft damit beginnt, die Überschussliquidität einzusammeln.(1) Selbst dann ist eine sehr graduelle Straf-fung zu erwarten, bis zum Jahresende 2010 dürfte der kurzfristige Realzins, d.h. bereinigt um die Kernteuerungsrate, gerade mal wieder leicht positiv sein. Damit zeichnet sich auf absehbare Zeit lediglich eine weniger expansive Geldpolitik ab. Bevor der Leitzins wieder ein neutrales oder gar restriktives Niveau erreicht, werden wohl noch Jahre vergehen. Wegen der Verzögerung, mit der die Geldpolitik auf die Konjunktur wirkt, wird es noch einmal länger dauern, bis die Maßnahmen der Fed merklich dämpfend auf Wachstum und Teuerung wirken.

(1) Siehe hierzu auch das Fed aktuell "Exit Strategies - Die Fed und die Überschussliquidität" vom August 2009

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