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Das Jüdische Museum Berlin zeigt vom 21. September 2012 bis 27. Januar 2013 in Zusammenarbeit mit Kulturprojekte Berlin die Retrospektive R. B. Kitaj - "Obsessionen" 1958-2007
Außerdem gibt die Ausstellung zum ersten Mal Einblick in Kitajs privates Text- und Bildarchiv, das Inspirationsquelle für seine Gemälde und Collagen war. Der Künstler hatte es noch zu Lebzeiten der Charles E. Young Research Library der University of California Los Angeles (UCLA) versprochen. Dort konnte Eckhart Gillen, Mitarbeiter von Kulturprojekte Berlin und Kurator der Kitaj-Ausstellung, als erster Wissenschaftler zwei Jahre lang den Nachlass sichten und bearbeiten und so die Retrospektive mit neuen Erkenntnissen zusammenstellen.
Als einer der Wegbereiter der britischen Pop-Art in den 1960er Jahren leistete Kitaj, gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden David Hockney, Eduardo Paolozzi, Lucian Freud und Frank Auerbach, einen entscheidenden Beitrag zum Aufbruch der Kunst aus der Abstraktion. In diesem Sinne schätzt Werner Haftmann Kitaj als "bedeutendsten Deuter unserer zeitgenössischen Wirklichkeit". Bereits 1966 kauft er für die Neue Nationalgalerie das Gemälde "Erie Shore".
Seit Mitte der 1970er Jahre verstand Kitaj sein Werk zunehmend als den Beginn einer modernen jüdischen Kunst. In seinem Portrait "Marrano" (The Secret Jew), 1976, dem Bild eines gesellschaftlichen Außenseiters der 1970er Jahre, reflektiert Kitaj das eigene Jude-Sein im Spiegel der Erfahrung des 20. Jahrhunderts zwischen spielerischer Travestie und tödlicher Bedrohung. Im Bildtitel bezieht er sich auf die Marranos des 15. und 16. Jahrhunderts, die als zwangsgetaufte Christen ihr Jude-Sein verbergen mussten, und thematisiert damit das ganze Spektrum von Nonkonformismus und Anpassung, Doppelleben und Mehrdeutigkeit.
Erst Mitte der 1970er Jahre, im Alter von 43 Jahren, beginnt Kitaj mit diesem Bild, sein ihm bisher selbst verborgenes Judentum in einer Reihe von Gemälden erscheinen zu lassen. Als Teenager war Kitaj aus der amerikanischen Provinz aus- und aufgebrochen, kam als Matrose bis Mittel- und Südamerika, war Soldat in Deutschland und Frankreich, Student in New York, Wien, Oxford und London, Dozent und Künstler in England, Kalifornien, Paris, Katalonien und Amsterdam.
Das Leben in fremden Kulturen gehört zu den Grunderfahrungen des Diasporisten, aus der Kitaj seine Methode einer diasporistischen Kunst entwickeln wird. "Ein Diasporist lebt und malt in zwei oder mehr Gesellschaften zugleich", schreibt er 1988 in seinem ersten Manifest des Diasporismus. Diese diasporistische Kunst, warnt er, "ist von Grund auf widersprüchlich, sie ist internationalistisch und partikularistisch zugleich. Sie kann zusammenhanglos sein - eine ziemliche Blasphemie gegen die Logik der vorherrschenden Kunstlehre -, weil das Leben in der Diaspora oft zusammenhanglos und voller Spannungen ist; ketzerischer Einspruch ist ihr tägliches Lebenselixier." Kitaj will keine jüdische Kunst, sondern ausdrücklich eine diasporistische Kunst schaffen. Diasporisten, Nomaden und Flaneure sind nicht nur Juden. "Ganz und gar Amerikaner, im Herzen Jude, zur ,London School' gehörig, verbringe ich meine Jahre weit entfernt von den Ländern, an denen mein Herz hängt (...). So spricht einiges, denke ich, dafür (...), das Herzland der Juden in ihren Gedanken anzusiedeln und nicht in Jerusalem oder gar New York. (...) In der Diaspora habe ich erfahren, dass man frei ist, alles zu wagen."
Kitaj wird in der Ausstellung auch selbst zu Wort kommen: Über den Audioguide können die Besucher Kommentare des Künstlers zu seinen Werken hören.
Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Kerber Verlag in einer deutschen und einer englischsprachigen Edition. Er enthält auf 265 Seiten ca. 200 Bilder, Vergleichsabbildungen und fünf Klapptafeln.
Anlässlich des 80. Geburtstages von R.B. Kitaj in diesem Jahr, veranstaltet das Jüdische Museum Berlin in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste am 25./26. ein Symposium mit Referenten aus Deutschland, Großbritannien und den USA.
www.jmberlin.de
http://www.kulturprojekte-berlin.de/projekte/rb-kitaj-im-juedischen-museum-berlin/rb-kitaj-1932-2007/
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