Samstag, 25. Mai 2013


  • Pressemitteilung BoxID 327482

Back to the roots - Lehrstuhl für Palliativmedizin wieder besetzt

Claudia Bausewein übernimmt ab 1.7.2012 die Aufgaben als Lehrstuhlinhaberin

(lifePR) (München, ) Nach über fünf Jahren am Cicely Saunders Institute des renommierten King's College in London kehrt die gebürtige Münchnerin Claudia Bausewein an das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität zurück. Sie übernimmt den Lehrstuhl für Palliativmedizin der LMU und widmet sich im Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin (IZP) am Campus Großhadern der Patientenversorgung sowie der Forschung und Lehre. Prof. Bausewein hat an der LMU Medizin studiert und war von 2006 bis 2007 bereits Geschäftsführender Vorstand des IZP.


Frau Prof. Bausewein, warum haben Sie sich für die Palliativmedizin entschieden?

Bereits während meines Medizinstudiums hatte ich Kontakt zur Hospizbewegung und habe begleitend zu meinem Studium aktiv im Christophorus Hospiz Verein in München gearbeitet. Die Möglichkeiten der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen, die ich in der Hospizbewegung kennenlernte, führten mich zur Palliativmedizin. Da dieses Fach in Deutschland kaum bekannt war, verbrachte ich zunächst in den 1990er Jahren einige Zeit in Oxford und die letzten fünf Jahre am Department of Palliative Care, Policy and Rehabilitation am Cicely Saunders Institute des King's College London.

In der Palliativmedizin stehen Patienten und ihre Angehörigen im Fokus der Betreuung. Mich reizt an der Palliativmedizin, dass im Gegensatz zu anderen medizinischen Fachgebieten nicht die Krankheit, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht, und zwar nicht nur mit seinen körperlichen Beschwerden, sondern auch mit seiner psychischen, sozialen und spirituellen Dimension. Die Palliativmedizin ist zudem ein sehr breites medizinisches Fachgebiet, das nicht nur onkologischen Patienten Unterstützung anbietet. Palliativmedizinisches Wissen und Erfahrung sind auch bei vielen anderen fortgeschrittenen internistischen und neurologischen Erkrankungen notwendig. Und schließlich ermöglicht die Palliativmedizin ein sehr befriedigendes Arbeiten, da wir sehr viel für die Patienten und ihre Angehörigen tun können, nicht nur durch die Kontrolle von Schmerzen und anderen belastenden Beschwerden, sondern durch Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit der fortgeschrittenen Erkrankung und durch Beachtung der Betreuungswünsche der Patienten.

Welche Ziele setzen Sie sich in diesem Fachgebiet?

Ziel muss es sein, eine palliativmedizinische Betreuung allen Betroffenen anzubieten, die unter unkontrollierten Symptomen, psychosozialen Belastungen und den ungeklärten Fragen am Lebensende leiden. Das trifft nicht nur für Patienten mit Tumorerkrankungen, sondern auch eine große Zahl von Patienten mit fortgeschrittenen Lungen-, Herz- und Nierenerkrankungen oder neurologischen Erkrankungen zu. Auch ist palliativmedizinische Betreuung nicht nur eine Frage der letzten Lebenstage und -stunden, sondern sollte schon viel früher im Krankheitsverlauf eingesetzt werden. Hier ist viel Aufklärungsarbeit bei Betroffenen, aber auch Ärzten, Pflegenden und anderen professionellen Betreuern, sowie die Entwicklung neuer Betreuungskonzepte notwendig. Aus meinen Erfahrungen in England weiß ich, dass die spezialisierte Palliativmedizin langfristig in einer eigenständigen Facharztausbildung abgebildet werden muss.

Die Palliativmedizin ist fester Bestandteil des deutschen Gesundheitswesens geworden. Trotzdem gibt es noch viele offene Fragen, an denen wir arbeiten müssen, wie z.B. die adäquate Finanzierung palliativmedizinischer Versorgung im stationären und ambulanten Bereich, oder auch Abbildung der Komplexität der betreuten Patienten. Wir müssen die Evidenzbasis für Palliativmedizin verbessern durch Versorgungsforschung und klinische Studien. Neben eigener Forschung möchte ich die bisher noch begrenzten Ausbildungsmöglichkeiten in Forschungsmethoden in der Palliativmedizin verbessern durch Kurse und Seminare für junge Kollegen und angehende Wissenschaftler.

Durch eine Änderung der Approbationsordnung ist Palliativmedizin als Pflicht-, Lehr- und Prüfungsfach eingeführt worden. Die LMU war die erste deutsche Universität, die Palliativmedizin schon vor vielen Jahren verpflichtend eingeführt hat. Wir müssen aber immer wieder Lehrkonzepte und -inhalte überprüfen um den Studierenden das notwendige Wissen, aber auch die Haltung mitzugeben, um allgemeine Fragen der Palliativbetreuung beantworten zu können.

Was hat Sie bewogen, an die LMU bzw. ans Klinikum der Universität München zu kommen?

Mit dem Interdisiziplinären Zentrum für Palliativmedizin (IZP) hat das LMU-Klinikum eine sehr attraktive Einrichtung, die nicht nur alle Möglichkeiten der Patientenversorgung im stationären (Palliativstation, palliativmedizinischer Dienst für das Klinikum) und ambulanten (eigenes spezialisiertes Palliativteam) Bereich bietet, sondern auch hervorragende Voraussetzungen für Forschung und Lehre ermöglicht. Die Christophorus Akademie im IZP ist eine etablierte Weiterbildungseinrichtung weit über bayerische Grenzen hinaus, die es ermöglicht, Erkenntnisse aus der Patientenversorgung und Forschung direkt an Professionelle in der Palliativmedizin weiterzugeben. Durch bestehende Professuren für Kinderpalliativmedizin und Spiritual Care erweitert sich das Spektrum der Versorgung und Forschung.

Die LMU ist als eine der führenden deutschen Universitäten und Exzellenzuniversität für jeden Wissenschaftler sehr attraktiv. Ich fühle mich der LMU darüber hinaus sehr verbunden, da ich hier Medizin studiert habe und als Münchnerin natürlich gerne an meine Heimatuniversität zurückkehre. Durch meine frühere Tätigkeit am Klinikum sind mir außerdem die Strukturen und auch viele Menschen sehr vertraut und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit vielen anderen Fachdisziplinen innerhalb der Medizin, aber auch anderen Fakultäten in der LMU.

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