Freitag, 09. Dezember 2016


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Falsches Signal zur falschen Zeit

KZVB kritisiert Unterfinanzierung zahnärztlicher Leistungen bei der AOK Bayern

(lifePR) (München, ) Die bayerischen Vertragszahnärzte müssen vom 15. August bis 11. September 2015 bei der Behandlung von AOK-Versicherten mit Honorarkürzungen rechnen. Der Grund: Es zeichnet sich ab, dass das von der AOK Bayern zur Verfügung gestellte Jahresbudget nicht ausreicht, um alle Leistungen zu den zwischen der KZVB und der AOK Bayern vereinbarten Punktwerten zu vergüten.

Nach wie vor ist unklar, wie viel Geld im laufenden Jahr für die zahnmedizinische Versorgung der rund 4,4 Millionen AOK-Versicherten in Bayern zur Verfügung steht. Es gibt zwar einen Schiedsspruch aus dem Jahr 2014, doch dagegen hatte die AOK Bayern geklagt. Deshalb sieht sich die KZVB gezwungen, nun vorsorglich sogenannte "Puffertage" auszurufen und den Punktwert außer Kraft zu setzen. Sobald verlässliche Zahlen vorliegen, werden die tatsächlichen Zahnarzthonorare nachberechnet.

Aus Sicht der KZVB ist das Verhalten der größten bayerischen Krankenkasse bei den Vergütungsverhandlungen mit den Zahnärzten ein grundfalsches Signal zur falschen Zeit. "Es wird immer schwerer, junge Zahnärztinnen und Zahnärzte für die Gründung oder Übernahme einer eigenen Praxis zu begeistern. Insbesondere in ländlichen Regionen, wo viele AOK-Versicherte wohnen, tun sich deshalb viele ältere Kollegen schwer, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden. Dafür ist auch die AOK Bayern verantwortlich, wenn sie die bei ihren Versicherten erbachten Leistungen schlechter vergütet als andere große Krankenkassen. Unsere Praxen brauchen Planungssicherheit", betont KZVB-Chef Dr. Janusz Rat.

Auch sein Vorstandskollege Dr. Stefan Böhm berichtet von "gewaltigem Frust auf die AOK Bayern", der sich bei den bayerischen Vertragszahnärzten Bayern angesammelt habe. "Nur bei dieser Kasse kommt es immer wieder zu Budgetüberschreitungen in Millionenhöhe. Wir appellieren an die Verantwortlichen, endlich an den Verhandlungstisch zurückzukehren und der KZVB ein vernünftiges Angebot vorzulegen, das die nachgewiesenen Kostensteigerungen in den Praxen berücksichtigt. Das ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt einer flächendeckenden Patientenversorgung", so Böhm.

Wenn sich die KZVB und die AOK Bayern nicht gütlich einigen, muss ein neues Schiedsamt das Budget und die Punktwerte festlegen. Das wird frühestens im Herbst 2015 der Fall sein. Bis dahin müssen die KZVB und ihre Mitglieder mit dem Budget des Jahres 2013 kalkulieren.

Einer Umfrage der KZVB zufolge findet ein Viertel der bayerischen Zahnärzte über 60 keinen Nachfolger für die Praxis. Gleichzeitig wächst die Zahl der angestellten Zahnärzte. In den vergangenen fünf Jahren hat sie sich nahezu verdreifacht. Ende 2009 gab es 621 angestellte Zahnärzte in Bayern, heute über 1600.

Die KZVB warnt deshalb vor einer Unterversorgung in ländlichen Regionen. Schon heute muss ein Zahnarzt in Niederbayern rund 1400 Einwohner versorgen, in München dagegen nur 700.

Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB)

Die KZVB ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Mitglieder sind die rund 10.000 bayerischen Vertragszahnärzte, also die Zahnärzte, die berechtigt sind, Leistungen über die gesetzliche Krankenversicherung abzurechnen. Die KZVB stellt die flächendeckende zahnmedizinische Versorgung für die mehr als zehn Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Bayern sicher, organisiert den zahnärztlichen Notdienst und rechnet die zahnärztlichen Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen ab.

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