Freitag, 02. Dezember 2016


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CO2-neutrales Gas in Kassel

Städtische Werke stellen alle Tarifkunden kostenfrei um

(lifePR) (Kassel, ) Als erster deutscher Energieversorger stellt die Städtische Werke AG aus Kassel alle Tarifkunden der Stadt ohne Aufpreis zum 1. Januar 2010 auf CO2-neutrales Erdgas um. Rund 250.000 Tonnen des klimaschädlichen Gases werden jährlich vermieden - eine Menge, die 71.000 Autos ausstoßen, wenn sie jährlich 20.000 Kilometer zurücklegen. Dazu unterstützen die Nordhessen Klimaprojekte, die an anderer Stelle der Welt CO2-Emissionen in der Höhe der in Kassel ausgestoßenen binden oder vermeiden, das heißt neutralisieren. Zentrales Kriterium der Neutralisierung: Die Emissionsminderung erfolgt garantiert zusätzlich und würde ohne die Projektmittel nicht umgesetzt werden.

Andreas Helbig, Vorstandsvorsitzender der Städtischen Werke: "Aktives Handeln für das Klima heißt für einen Energieversorger zunächst, Energieverbrauch zu senken, dann die regenerativen Energien auszubauen und erst im letzten Schritt, die unvermeidlichen Emissionen zu neutralisieren. Neutralisieren bedeutet, dass die Menge an CO2-Emissionen, die unsere Privat- und Gewerbekunden verursachen, durch Klimaschutzmaßnahmen wieder eingespart oder vermieden werden. So kompensieren wir unsere Emissionen wirkungsvoll."

Zu den Gründen des Umweltengagements erläutert Andreas Helbig: "Zum einen handeln wir aus der Verantwortung heraus, etwas für Klima und Umwelt zu tun. Gerade Energieversorger, auf die naturgemäß ein großer Anteil der Emissionen zurückgeht, sind in der Pflicht, zu handeln. Das zeigen auch die Ergebnisse der Kopenhagener Klimakonferenz. Die politische Weltbühne kann sich nicht zu einem gemeinsamen Vorgehen durchringen, deshalb sind die Unternehmen in der Pflicht." Hinzukomme, dass immer mehr Kunden von ihrem Versorger erwarten, dass sie sich umwelt- und klimagerecht verhalten. Es sei also auch als eine Form der Kundenbindung zu verstehen, so Helbig. Der Strombereich zeige, dass mit einer Wechselquote von bis zu zehn Prozent zu rechnen sei. Von vergleichbaren Abwanderungsquoten sei auch beim Gas auszugehen. Bei einem unemotionalen Produkt wie Erdgas sei die ökologische Aufwertung eine der wenigen Formen der Differenzierbarkeit gegenüber anderen Anbietern. Die Städtischen Werke hatten im Oktober 2007 alle Tarifkunden auf Naturstrom, Strom aus Wasserkraft, umgestellt. Die Kundenzufriedenheit und die geringe Wechselquote mit weniger als drei Prozent zeige, dass der Weg des ökologischen Aufwertens von Energie der richtige sein. Deshalb erhofft sich Helbig auch Interesse außerhalb Kassels für das Naturgas, das dort als Aufpreisprodukt angeboten werde.

Ziel der Klimaschutzprojekte ist immer, neben der CO2-Neutralisierung, die sozialen Umstände der betroffenen Bevölkerung zu verbessern. Zusätzlich soll ein Wissens- und Technologietransfer die Nachhaltigkeit der Projekte vor Ort sichern. Projekte in der dritten Welt sind zudem effizienter als in Industrieländern, weil sie in der Regel mehr klimaschädliche Gase einsparen. Es ist sinnvoller, wenn ein ineffizientes Kraftwerk - beispielsweise in Brasilien - seinen Effizienzwert von 20 auf 40 Prozent steigert, als eine Effizienzverbesserung von 45 auf 47 Prozent in einem Kraftwerk der industrialisierten Welt - obwohl der finanzielle Aufwand der gleiche ist. Mit dem gleichen Geld kann in einem unterentwickelten Land also mehr für das Klima erreicht werden.

Konkret unterstützen die Städtischen Werke fünf Schutzmaßnahmen weltweit. Allen Projekten in den Schwellenländern oder der dritten Welt ist gemein, dass vor Ort neue Arbeitsplätze entstehen, die lokale Umwelt geschützt und teils wieder aufgeforstet wird. In Brasilien wird ein Biomasseprojekt gefördert. Anstelle von illegalem Holzeinschlag in dem umliegenden Regenwald werden Brennöfen der Keramikindustrie nun mit Abfallprodukten der Landwirtschaft befeuert. Hierzu werden Reis-, Erdnuss- oder Acaisamenhülsen eingesetzt, die bisher auf illegalen Müllkippen verrottet sind und klimaschädliches Methan und CO2 ausgestoßen haben. Im indischen Gadag District wird ein Windpark mit einer Leistung von 42,5 MW gefördert, der ins vorhandene Stromnetz einspeist und Emissionen durch fossile Energieträger vermeidet. Das Besondere des Projektes ist, dass die Anlagen von indischen Unternehmen stammen. Ein neu errichtetes 24 MW Wasserkraftwerk in der türkischen Provinz Kahramanmaras speist in das vorhandene Stromnetz und spart in erheblichem Umfang fossile Brennstoffe ein. Die chinesische Anshan Iron and Steel Group errichtet und betreibt mit den Projektmitteln ein 300 MW Kombikraftwerk, das durch Hochofengase betrieben wird, die bisher ungenutzt und ungefiltert in die Umwelt geleitet wurden. Neben dem geringeren Primärenergieeinsatz werden der Umwelt große Mengen an Feinstaub und SO2 erspart.

Ein Projekt mit drei konkreten Maßnahmen wird in Deutschland gefördert. Drei alte Kohleflöze in Dortmund, Herne und Lünen emittieren Methan, das durch die geologische Beschaffenheit des Deckgebirges ständig an die Oberfläche migriert. Der starke Klimaschadstoff CH4 wird unter Tage aufgefangen und zur Energieerzeugung genutzt. Der positive Umwelteffekt wirkt daher doppelt.

Hintergrund der Neutralisierungsprojekte ist das Kyoto-Protokoll von 1997, das verbindliche Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen der Industrieländer vorschreibt. Um das Ziel zu erreichen, die Emissionen im Vergleich zu 1990 um fünf Prozent bis 2012 zu senken, sieht das Protokoll drei Mechanismen vor: den internationalen Emissionshandel (IET), den Clean Development Mechanismus (CDM) in Entwicklungsländern sowie Joint Implementation (JI) in Industrieländern mit jeweils zertifizierten Emissionsminderungsrechten (CER beziehungsweise ERU). Um einen möglichst großen Effekt zu erzielen, sind daher in der Regel die CDM-Projekte mit CERs am effizientesten. Sie ermöglichen es Industrieländern, CO2-Reduktionsprojekte hauptsächlich in Entwicklungsländern durchzuführen. Teil dieser Projekte in den Gastländern ist immer die Nachhaltigkeit der Maßnahme. So findet in der Regel ein Technologie- und Wissenstransfer statt. Zusätzlich sollen die sozialen Standards der Bevölkerung verbessert werden.

Andreas Helbig zur aktuellen Diskussion des steuerrechtlichen Missbrauchs im Zusammenhang mit dem Zertifikatehandel: "Uns ist bewusst, dass es immer Versuche Einzelner geben wird, über kriminelle Machenschaften finanzielle Vorteile zu generieren. Die von der UN geschaffenen Instrumente zur CO2-Reduktion und der internationale CO2-Handel sind aber deshalb nicht zu kritisieren. Wir haben unsere Partner und Projekte mit Sorgfalt ausgesucht und zusätzlich geprüft. Aus über 50 bereits anerkannten Projekten haben wir nochmals selektiert und fünf besonders wertvolle Projekte ausgewählt. Wichtig war uns dabei, dass der Aspekt der Zusätzlichkeit garantiert ist, dass negative Umweltauswirkungen an anderer Stelle ausgeschlossen sind und dass zusätzliche soziale Verbesserungen eingeschlossen sind. Das bestätigen uns über Gutachten bei allen internationalen Projekten neutrale Prüfer, wie beispielsweise der TÜV Nord."

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