Donnerstag, 08. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 545298

Die Ablehnung des Reformprogramms als Chance für ein Reformprogramm

(lifePR) (Halle (Saale), ) Der Präsident des IWH sieht die Verhandlungen zwischen Griechenland und der Europäischen Union (EU) noch nicht am Ende: Ein Grexit nach dem Referendum erscheint nur auf den ersten Blick unausweichlich. Durch den Rücktritt von Finanzminister Varoufakis und die Stärkung der Legitimation der griechischen Regierung ergibt sich eine kleine Chance auf Einigung mit der EU. Es bleiben aber nur wenige Tage.

Die Griechen haben am Sonntag das Reformpaket mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Auf den ersten Blick scheint damit die Lage eindeutig: Wenn ihr der langfristige Erfolg des Euros am Herzen liegt, muss die EU auf Reformen bestehen. Aber wenn Griechenland Reformen ablehnt, ist die geordnete Einführung einer neuen Währung dem Verbleib im Euro vorzuziehen. Der Verbleib im Euro würde, da die Europäische Zentralbank (EZB) die Versorgung der griechischen Banken mit Euro wohl einstellen müsste, nur mit der Einführung einer Parallelwährung (basierend auf Schuldscheinen der Regierung) funktionieren. Eine Parallelwährung hätte aber noch katastrophalere Folgen für die ärmsten Teile der Bevölkerung und für den Unternehmenssektor, der in Euro verschuldet ist und sofort großflächig Pleite wäre. Bei einer vollständigen Umstellung auf eine neue Währung könnten dagegen auch die einheimischen Schulden der Unternehmen in die neue Währung umgewandelt werden, was die Folgen des Ausstiegs aus dem Euro für die Unternehmen abfedern würde.

Auf den zweiten Blick liegt überraschenderweise in dem Ergebnis der Volksabstimmung, verbunden mit dem überraschenden Rücktritt Varoufakis', auch eine reale Chance auf eine Einigung. Griechenland steht mit dem Rücken zur Wand, was wohl inzwischen selbst Ministerpräsident Tsipras verstanden hat. Mit dem "Erfolg" der Ablehnung im Rücken fällt es der Regierung vielleicht jetzt leichter, ein leicht abgewandeltes Reformprogramm zu akzeptieren und umzusetzen. Es scheint, dass die Griechen nicht so sehr die Reformen selbst, sondern die empfundene Erniedrigung durch die EU abgelehnt haben. Das bedeutet: Gerade jetzt muss die EU bereit sein, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und hoffen, dass jetzt der letzte Strohhalm für eine Einigung vor dem totalen Kollaps der Wirtschaft in Griechenland ergriffen wird. Das Fenster für Verhandlungen schließt sich jetzt sehr schnell, aber es ist tatsächlich immer noch offen.

Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)

Die Aufgaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sind die wirtschafts­wis­senschaftliche Forschung und wirtschaftspolitische Beratung auf wissenschaftlicher Basis. Das IWH betreibt evidenzbasierte Forschung durch eine enge Verknüpfung theoretischer und empiri­scher Methoden. Dabei stehen wirtschaftliche Aufholprozesse und die Rolle des Finanzsystems bei der (Re-)Allokation der Produktionsfaktoren sowie für die Förderung von Produktivität und Innovationen im Mittelpunkt. Das Institut ist unter anderem Mitglied der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose, die halbjährlich Gutachten zur Lage der Wirtschaft in der Welt und in Deutsch­land für die Bundes­regierung erstellt.

Das IWH ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbst­ständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Um­weltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis zu den Geisteswis­senschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemein­schaft gemeinsam. Weitere Informationen unter www.leibniz-gemeinschaft.de

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