Samstag, 10. Dezember 2016


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Cranach-Gemälde mit unbekannter Herkunft in Würde gealtert

Holztafelbild in St. Wenzel in Naumburg restauratorisch untersucht und behandelt

(lifePR) (Magdeburg, ) In Naumburg prägt die Kirche St. Wenzel den Marktplatz der Saalestadt. Außerhalb des geistlichen Bezirks der ehemaligen Domfreiheit gelegen, fanden in dem wuchtigen spätgotischen Sakralbau zwischen 1525 und 1528 erste Gottesdienste im lutherischen Sinn statt, bevor dort 1532 die Reformation Einzug hielt. Neben der von Johann Sebastian Bach und Gottfried Silbermann im Jahr 1746 selbst abgenommenen barocken Orgel des Meisters Zacharias Hildebrandt und dem Hochaltar von 1680 gehören Gemälde aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä. zur wertvollen Ausstattung.

Seit wenigen Wochen kann das Holztafelbild "Anbetung der Heiligen drei Könige" wieder am Eckpfeiler des Nordturms der Kirche bewundert werden. Gut ein viertel Jahr war es in der Werkstatt von Jana Bösenberg einer grundlegenden Sicherung unterzogen worden. "Farbschichten hoben sich an vielen Stellen ab, die galt es zu befestigen", berichtet die Restauratorin. Sie spricht von einer aufwändigen Arbeit, denn regelrecht millimeterweise musste ohne Zeitdruck bei der Konservierung vorgegangen werden. Außerdem galt es Schmutz abzulösen, alte Retuschen zu entfernen und dem Firnis ein gleichmäßiges Aussehen zurückzugeben. Als weitere Herausforderung erwies sich die Behandlung des Holzuntergrundes, auf dem kleine Risse das Augenmerk verlangten.

Jana Bösenberg zeigt sich mit dem Ergebnis ihrer Arbeit zufrieden. Schließlich sei es um eine behutsame Restaurierung gegangen, bei der keineswegs Ziel war, den Zustand des Gemäldes im 16. Jahrhundert wieder herzustellen. "Ein solches Bild ist in Würde gealtert und so sollen wir es auch akzeptieren", lautet ihre Einschätzung.

Der schließt sich die Kunstreferentin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Dr. Bettina Seyderhelm, an. Die gesamte Restaurierung wurde durch Fördermittel der Kirchlichen Stiftung Kunst und Kulturgut in der Kirchenprovinz Sachsen, des Bundes, der Evangelischen Kirche in Deutschland, des Landes Sachsen-Anhalt und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland möglich. Um das Holztafelbild ranken sich nach ihren Aussagen zahlreiche offene Fragen. Eine davon betrifft das Entstehungsjahr. "Um 1514" soll es gemalt worden sein. Diese Einschätzung der älteren Forschung geht auf einen Vergleich mit einem ähnlichen Bild in den Gothaer Museen aus dieser Zeit zurück. "Das zeigt alle Könige auf der linken Seite und das Kind mit seiner Mutter rechts. In Naumburg ist die Figur der Maria mit dem Kind auf dem Schoß, nur leicht nach links verschoben, im Zentrum der Darstellung zu sehen", sagt Seyderhelm. An der Datierung des Naumburger Bildes müssen aber nun Zweifel angemeldet werden, denn St. Wenzel erlebte 1517 einen verheerenden Brand, bei dem mit Ausnahme sehr weniger Ausstattungsstücke nichts erhalten blieb. In einem Brief schrieb der Naumburger Bischof Philipp damals, dass die Kirche "jämmerlich samt allen Glocken, Altarien, Mess- und Sangbuchern, auch priesterlichen Kleidungen und inwendigen Zierheiten derselbigen gründlich verzehrt und vergangen sei." Auch andere Dokumente belegen diesen Zustand. Für die Kunstexpertin ist also sicher, dass die ursprünglichen Altäre dort bei dem Brand zerstört wurden. Möglich sei aber, dass die Tafel "Anbetung der Heiligen drei Könige" zu einem der Altartische gehörte, die 1520 nach dem Unglück "wiederum" geweiht werden mussten. So könne das Bild in diesem oder auch einige Jahre nach der Altarweihe entstanden sein.

Bei den Recherchen zur Herkunft des Bildes warf Seyderhelm einen Blick in Kirchenrechnungen des 16. Jahrhunderts. Dort stellte sie fest, dass die Einkünfte der Nebenaltäre in St. Wenzel nach der Hinwendung zur Reformation einige Zeit weiterhin Bedeutung behielten, auch wenn die Altäre selbst im evangelischen Gottesdienst nicht mehr benutzt wurden. "Noch Jahrzehnte später floss ein Teil der Einnahmen der Kirchengemeinde aus Altarstiftungen zu. Altarlehen für die Nebenaltäre sind in den Rechnungsjahren 1559/60, 1580 und sogar 1589 zu finden", berichtet sie. Die Ikonografie der restaurierten Tafel deutet ihrer Ansicht nach auf einen Salvator-, Marien- oder Dreikönigsaltar hin, der ehemals Flügel gehabt haben könnte. Davon ist nichts mehr erhalten. In der Kirche gibt es aber noch zwei weitere Darstellungen der Anbetung der Könige: eine Kopie nach Peter Paul Rubens und eine unsignierte, auf das Jahr 1522 datierte Tafel. Obwohl alle Nebenaltäre im Laufe der Zeit abgebaut wurden, hält die Kunstexpertin es für wahrscheinlich, dass vor allem "die Darstellung des biblischen Themas und die Wertschätzung der Qualität der Dreikönigstafel" deren Erhalt bis in die Gegenwart sicherte.

Öffnungszeiten Stadtkirche St. Wenzel in Naumburg
April und November: 13.00 bis 15.00 Uhr
Mai bis Oktober: 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr

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