Samstag, 03. Dezember 2016


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„Die IHK-Arbeit ist das Interessanteste, was man erleben kann“

Hauptgeschäftsführer Helmut Schnell hat am Freitag seinen letzten Arbeitstag

(lifePR) (Weingarten, ) "Es war eine schöne Zeit", zieht Helmut Schnell Bilanz. Im Jahr 1974 kam er als Jurist zur Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), war einige Jahre deren stellvertretender Hauptgeschäftsführer und ist seit 1996 Hauptgeschäftsführer. Am 29. August ist sein letzter Arbeitstag. Dann verabschiedet sich Helmut Schnell in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Nachfolge als IHK-Hauptgeschäftsführer tritt zum 1. September Professor Dr. Peter Jany an, der bisherige Rektor der Hochschule Ravensburg-Weingarten.

Als Schnell 1974 als Referent für Verkehr, Umwelt und Öffentlichkeitsarbeit an die IHK kam, zählte diese noch rund 14.000 Mitgliedsunternehmen. Heute sind es 32.000 in den Land-kreisen Ravensburg und Sigmaringen sowie im Bodenseekreis. "Ich kannte anfangs noch alle Transportunternehmer persönlich", berichtet er. Seine berufliche Entscheidung für die IHK hat er nie bereut. "Das war damals ein glücklicher Zufall." Helmut Schnell ist in Wien geboren und verbrachte dort seine ersten zwei Lebensjahre. Seine Familie zog danach in die Nähe von Rüdesheim, später nach Wiesbaden. Nach Abitur und Wehrdienst studierte Schnell in Mainz und Freiburg Jura und Kunstgeschichte. 1971 legte er in der Schwarzwaldhauptstadt sein Erstes Staatsexamen ab. Die Studienzeit hat er in schöner Erinnerung, obwohl er zur Finanzierung nebenher in verschiedenen Jobs Geld verdienen musste. "Manchmal bin ich nach der Nachtschicht in einer Disco direkt in den Frühdienst bei der Post gewechselt - sofern mein Studium dies erlaubte", erinnert er sich.

Schnell absolvierte sein juristisches Referendariat beim Landgericht Ravensburg sowie im da-maligen Landratsamt Tettnang und arbeitete in einer Friedrichshafener Anwaltskanzlei. "Unser Ausbilder beim Landgericht war Hans Georgii, der spätere Landgerichtspräsident." Georgii war es auch, der Schnell bei einem gemeinsamen Skiausflug den Tipp gab, dass "es bei der IHK für einen Juristen interessante Aufgaben gibt". Schon am nächsten Tag habe er bei der IHK - damals noch in der Ravensburger Olgastraße - vorgesprochen, erinnert sich Schnell und: "Ich wurde genommen."

Bis 1973 hatte auch der Kreis Biberach noch zum Bezirk der Ravensburger IHK gehört. Danach fiel Biberach weg, dafür kamen der Kreis Sigmaringen und der westliche Bodenseekreis dazu. "Beim Richtfest des neuen IHK-Gebäudes im Jahr 1975 befanden wir uns noch auf Ravensburger Boden", berichtet Schnell. Die im Zuge der Verwaltungsreform zu Ravensburg eingemeindeten Kommunen Weingarten und Baienfurt hatten erst später mit ihrer Klage Erfolg. Nach dem Gerichtsbeschluss, der Weingarten und Baienfurt wieder eigenständig werden ließ, habe die IHK noch einige Zeit einen Briefkasten am alten Ravensburger Standort aufrechterhalten müssen. "Es gab Ravensburger Firmen, die ihre Beiträge nicht gerne nach Weingarten einbezahlten", erinnert sich Schnell schmunzelnd.

Und auch berufliche Niederlagen verschweigt der scheidende IHK-Hauptgeschäftsführer nicht. Das von ihm favorisierte Tunnelprojekt zwischen Lindau und Mailand sei in den 1980er Jahren zwar gescheitert, habe ihm aber einen Auftritt im Senat in Rom verschafft, wo er auf Italienisch eine Rede halten musste. "Ich habe dafür Italienisch gelernt und sogar Gutachten aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt", berichtet er.

Schnell hinterlässt eine gut bestellte IHK mit einer schlagkräftigen Mannschaft. Ratschläge an seinen Nachfolger Peter Jany habe er keine. "Der ist so gut, kreativ und bestens strukturiert, der braucht das nicht", betont Schnell und fügt hinzu: "Die IHK-Arbeit ist das Interessanteste, was man erleben kann." Langeweile wird es für Helmut Schnell auch nach seinem Abschied von der IHK nicht geben. "Ich werde meine neue Freiheit kulturell nutzen, viel wandern und mich intensiver in die Welt des Computers einarbeiten", sagt er und: "Ich freue mich drauf."

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