Samstag, 10. Dezember 2016


WORLDTRONICS 2009

(lifePR) (Berlin, ) .
-Electronica Surprise
-Konzerte und Panels vom 25. - 28.11.09, Fachmarkt am 28.11. 009
-Eröffnung: Mittwoch, 25. November 2009 I 20 h
-Haus der Kulturen der Welt
-Eintritt: Konzerte 10 € / 8 €, Festivalpass 30 €

Popmusik ist ein hybrides, sich stetig wandelndes globales Phänomen. Darum ist es wichtig, Funktion und Sinn eines Festivals wie WORLDTRONICS immer wieder neu zu definieren. Die Arbeit des Teams um Kurator Detlef Diederichsen folgt auch im dritten Festivaljahr keinem starren Konzept. Aber es gibt bestimmte Konstanten, an denen sie sich orientiert.

Es ging bei WORLDTRONICS nie um das besonders Fremdartige. Das Ausstellen bunter Folklore und das Bedienen westlicher Kitsch-Klischees sind nicht Aufgabe eines Festivals für globale Popmusik. Wer vor allem exotisch gekleidete Ureinwohner an Laptops auf der Bühne sehen möchte, der ist Opfer eines Missverständnisses. Denn auch vermeintlich ursprüngliche Musikkulturen speisen sich meist aus unzähligen internationalen Quellen. Zufälle, Plagiate und Irrtümer waren an ihrer Entwicklung beteiligt. Die "reine Abstammung" gibt es nicht. Musik war immer und überall ein nicht kontrollierbares Gewimmel verschiedenster Einflüsse. Folgerichtig sind Offenheit, Neugier und Vernetzung maßgebliche Parameter der kuratorischen Arbeit seit der ersten Ausgabe von WORLDTRONICS. Hier geht es um das kritische Hinterfragen und Abtasten kultureller Identitäten - auch unserer eigenen. Eine Besonderheit bei WORLDTRONICS ist die zentrale Rolle von Gastkuratoren. Experten auf ihrem jeweiligen Fachgebiet werden damit beauftragt, aus ihrer Sicht herausragende Künstler einzuladen. Die thematischen Abende sind somit auch Ausdruck individueller Haltungen zu und Sichtweisen auf Musik. Und so präsentiert WORLDTRONICS 2009 erneut einem hoffentlich neugierigen und kritischen Publikum bemerkenswerte Facetten des globalen Ereignisses der Popmusik.

Der Eröffnungsabend gilt der Uraufführung der multimedialen Laptop-Oper "Fathers" der international besetzten Band The Lappetites. In Kooperation mit dem Kreuztanbul-Festival und mit Alexander Hacke als Kurator findet am 26.11. ein lauter Istanbul-Abend statt. Neonfarben geht es zu am Freitag, dem 27.11., der dem Phänomen des asiatischen Synthiepop gewidmet ist. Und schließlich gibt es am Abschlussabend einen Einblick in die neuesten Strömungen der feierfreudigen Cumbia Digital aus Südamerika.

25.11. The Lappetites, "Fathers"

Die Oper "Fathers" folgt den klassischen Formatvorgaben des Genres und bricht gleichzeitig mit ihnen. "Fathers" ist szenisch aufgebaut, es gibt ein (elektronisches) Orchester, Sänger, Sprecher, einen Chor und ein Libretto. Gleichzeitig ist "Fathers" ein multimediales Werk par excellence, aber auch darauf lässt es sich nicht reduzieren. Denn es verschränken sich in ihm verschiedene Erzählebenen, intime Portraits und Musikalität. Die Grenzen zwischen Aufführungs- und Erzählformen, Dokumentation und musikalischer Sinnlichkeit verschwimmen. So ist "Fathers" ein medialer Hybrid, der verschiedene Deutungen zulässt, sie aber nicht provoziert.

Die Formation The Lappetites besteht aus Antye Greie (Berlin/ Finnland), Kaffe Matthews (London), Ryoko Kuwaijima (Tokio) und Blanca Regina Perez-Bustamante (Spanien). Jede der vier Künstlerinnen ist als Soloistin und in unterschiedlichen Kollaborationen aktiv in der Grauzone zwischen elektronischem Songwriting, Club, Neuer Musik und Multimedia. Alle vier bedienen sie in erster Linie ihren Laptop.

Drei der vier Frauen haben für dieses Projekt ihre Väter vor laufender Kamera interviewt und setzen sich auf diese Art mit deren persönlicher Geschichte auseinander. Auf dem Triptychon der Leinwände sind die Gesichter dreier in Erinnerung versunkener Männer zu sehen. Ihre Stimmen formen mit denen der Sänger und Sprecher gleichsam ein akustisches Triptychon aus gesprochenem Wort, Solound Chorgesang. Die narrative Ebene mischt sich mit der musikalischen, die ihrerseits zweigeteilt wahrgenommen werden kann: Abstrakte, synthetische Sounds kontrastieren mit dem natürlichsten aller Geräusche, dem der menschlichen Stimme.

"Fathers" wurde als work in progress über einen Zeitraum von 14 Monaten erarbeitet. Im Dezember 2008 wurde eine Kurzversion in Berlin präsentiert, weitere Aufführungen finden im Spätsommer/Herbst 2009 in Krems und Belgrad statt, bevor bei WORLDTRONICS die Vollversion Premiere feiert - unter Beteiligung des Chors der Kulturen der Welt.

26.11. Kreuztanbul at WORLDTRONICS

Seit drei Jahren lotet das Berliner Festival Kreuztanbul die musikalischen Gemeinsamkeiten von und Gegensätze zwischen Berlin und Istanbul aus. Als Kollaboration zwischen Kreuztanbul und WORLDTRONICS wurde der zweite Abend von WORLDTRONICS 2009 konzipiert. Gemeinsam entschied man sich für Alexander Hacke als Kurator dieses Abends. Hacke, Bassist der Einstürzenden Neubauten und kreatives Berliner Urgestein, hegt seit Jahren ein besonders Interesse an türkischer Musik. Eine Frucht dieses Interesses ist etwa Fatih Akins Musik-Dokumentarfilm "Crossing The Bridge", der Alexander Hacke bei seinen Exkursionen in die Istanbuler Szenen begleitet.

Hacke legt seinen Schwerpunkt auf einfallsreiche Gitarrenbands und Lärm aus Istanbul. Der Gruppe Nekropsi etwa gelingt es, ihren großen Ideenreichtum in bis aufs Äußerste reduzierter Form zu komprimieren. Eine Reduktion, die die Energie dieser Band nur mit Mühe im Zaum zu halten scheint.

Hypnotisch treibende Schleifen aus ungeraden Takten mit Metal-Anleihen entfalten eine magnetische Wirkung. Nekropsi sprechen, hauchen und stöhnen meist in ihrer Muttersprache, aber manchmal auch auf deutsch: "Die neue Papa ist deutsch / er ist sogar bayrisch / Papa hat gesagt / dass er ein Panzer ist". Eine ähnliche Sogwirkung entfaltet die repetitive Rockmusik von Proudpilot. Statt Metal steht bei diesem Projekt das Darkwave-Genre Pate. Eine Art Düster-Postrock, den wir in dieser Form noch nicht gehört haben.

Ein türkischer Impressario des Noise ist zweifelsohne Batur Sönmez aka analog suicide aka UHF. Der unermüdlich tourende Botschafter des Lärms steht für den klassischen analogen Verzerrerkrach, den Harsh Noise. Sein Sound lässt sich vergleichen mit dem des Genrevaters Merzbow, ist aber insgesamt verhaltener. Alexander Hacke selbst wird kooperieren mit der Kanadierin Brenna McCrimmon, deren persönliche Version orientalischer Musik zwischen Tradition und Psychedelic pendelt.

27.11. Synthiepop aus Asien

Der Sound einer Popband lässt nicht unbedingt Rückschlüsse auf ihre Herkunft zu. Etwa die Gruppe Goodnightelectric aus Jakarta spielt einen höchst tanzbaren Elektropop britischer Prägung, der geschickt Retrosounds und Club-Modernismen kombiniert. Frontmann, Szeneleitbild und Adidas-Fan Henry Foundation konnte als Kurator des Asien-Abends gewonnen werden. Mit viel Fingerspitzengefühl beleuchtet Foundation die verschiedenen Facetten des asiatischen Synthiepop, bei dem vom eigentlich genreüblichen Hang zur Gothic-Düsternis kaum etwas zu spüren ist. Die souveränen Arrangements von Goodnightelectric erinnern an Bands wie Zoot Woman oder Ladytron.The analog girl aus Singapur kombiniert drumcomputer mit lasziver Frauenstimme und 4-SpurÄsthetik. Ihre preset-sounds umweht eine mild trashige Aura. Die Blaupause des 80er Jahre Synthie- Pop mit schmelziger Jungsstimme und roter Krawatte liefern schließlich I-Go aus Shanghai. Diese wohl am besten gekleidete Band des Abends bringt den Plastik-Charme der großen Zeit des Synthiepop auf den Punkt.Mit diesem Abend knüpft WORLDTRONICS an die breitflächige Renaissance des Elektro-Pop an, die in den letzten Monaten jede Menge neuer Bands hervorbrachte. Dass auch Südostasien dem Genre neue Impulse geben kann, war bislang in Europa weitgehend unbekannt.

28.11. Cumbia Digital

Fundament der Cumbia Digital ist der Grundrhythmus der ursprünglich aus Kolumbien stammenden Cumbia, der von einem Drumcomputer oder Drumsamples gespielt wird. Seit Beginn der neunziger Jahre wurden in der Cumbia im Zuge der aufkommenden Tecno Cumbia (z.B. Selena) elektronische Musikinstrumente und Gitarren benutzt. Zu den Vorreitern einer elektronisch dominierten Cumbia gehört der Mexikaner Celso Piña, um den herum sich in Monterrey ab Mitte der neunziger Jahre eine ganze Szene aufbaute. Aus dieser Szene stammt auch der DJ Toy Selectah, der sich als DJ der Hip- Hop-Crew Control Machete in Mexiko einen Namen machte und seit einigen Jahren weltweite Bookings vorweisen kann.

Diesen beiden Acts sollen Künstler aus Buenos Aires gegenüber gestellt werden. 2006 begründete dort der Mashup-DJ Villa Diamante die Veranstaltungsreihe Zizek, die Cumbia-Electrónica-Musikern ein Forum bot und sich schnell zu einem Publikumsmagneten entwickelte. Die beteiligten Musiker vermischten mit viel Abenteuerlust die Cumbia mit Stilen wie Minimal Techno, Funk, Hip-Hop oder Dubstep. Mittlerweile ist Zizek als ZZK auch ein erfolgreiches Label und WORLDTRONICS hat ZZKChef Grant C. Dull als DJ und die Gruppe Tremor als Live-Act eingeladen. Tremor kombinieren den State of the art der Klangmanipulation, der Cut Ups und digitalen Geräuschsynthese mit traditionellem Cumbia-Instrumentarium und indianischer Perkussion, als wäre das das Normalste der Welt. Ihr schlitzohriger Experimentiergeist nimmt "Cumbia Digital" beim Wort. Das Herz und die Seele des Cumbia, die Rhythmik afrikanischen Ursprungs und die spanisch beeinflussten Melodien, bleiben erhalten. Mit ihren digitalen Kapriolen fügen Tremor jedoch eine weitere, höchst vergnügliche Ebene hinzu. Eine Ebene freigeistiger, ja dreister Unberechenbarkeit.

Haus der Kulturen der Welt

Das Haus der Kulturen der Welt wird auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch das Auswärtige Amt gefördert.

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