Freitag, 09. Dezember 2016


Rational/Irrational

Eine Ausstellung mit Werken von Pawel Althamer, Arthur Bispo do Rosário, François Bucher, Hanne Darboven, Juan Downey, Javier Téllez, Kuratorin: Valerie Smith

(lifePR) (Berlin, ) Wo verläuft die Grenze zwischen Rationalität und Irrationalität? Die sechs Künstler, die Kuratorin Valerie Smith in ihrer ersten Ausstellung am Haus der Kulturen der Welt zusammenbringt, erkunden psychische Ausnahmezustände, die an den Grenzen der Logik zu neuen Wahrnehmungen der Wirklichkeit führen.

Der Brasilianer Arthur Bispo do Rosário (1911-1989) und der Chilene Juan Downey (1940-1993) sind die Schlüsselfiguren dieser Ausstellung, die eine Perspektive auf alternative Denkweisen und Lebenswege eröffnet. Bispo hat sich niemals als Künstler gesehen, doch sein fester Glaube an Gott und die unermüdliche Vorbereitung auf den Jüngsten Tag materialisierten sich in Ikonen aus Stickbildern und Hospitalmobiliar - dafür wird er heute als zeitgenössischer Künstler bewundert. Downeys Pionierarbeiten in den Anfängen des Videos verbinden eine ironische Haltung gegenüber der Technologie mit der Bewunderung für die Lebensweisen indigener Kulturen im Amazonas: eine Flucht aus den vorgeschriebenen Vorstellungen von Fortschritt.

In einer Auftragsarbeit für das Haus der Kulturen der Welt filmte Javier Téllez (Venezuela/USA) mit Psychatriepatienten der Vivantes-Klinik Neukölln vor dem expressionistischen Einsteinturm in Potsdam seine Version von "Das Cabinet des Dr. Caligari". Durch individuelle Interpretationen klassischer Theaterstoffe und Filmplots bekommen die Schizophrenen, Depressiven und Paranoiden in Téllez Videos und Performances eine Stimme.

Durch Experimente mit bewusstseinsverändernden Drogen versucht sich der polnische Künstler Pawel Althamer von sozialen Konventionen zu lösen. So taucht er ein in vorgeburtliche Welten und animalische Instinkte, um wieder rein zu sein. Mit "So genannte Wellen und andere Phänomene des Geistes" ist seine Arbeit in der Ausstellung betitelt. In François Buchers (Kolumbien/Deutschland) Montagen aus Nachrichtensequenzen und Interviews entsteht ein dichtes Spiel im Spiel zwischen Realität und Fiktion. Im Mittelpunkt steht die gewalttätige Psyche irgendwo zwischen Spannung, Terror und Manipulation. Der Titel seiner Doppelprojektions-Installation "Severa Vigilancia" -Unter Aufsicht - spielt auf Jean Genets Theater der Grausamkeit an: Bei Bucher ist die Grenze zwischen inszenierter und realer Gewalt beunruhigend unbestimmt.

In der Arbeit der deutschen Konzeptkünstlerin Hanne Darboven spielt die systematische Organisation und Präsentation von Zeit eine wichtige Rolle. Durch die strenge Gegenüberstellung der formellen Sprache eines in einzelne Seiten präsentierten Kalenders und der losen Handschrift der Künstlerin in der Arbeit "Kalendergeschichten" wird der Beobachter in einen neuen Wahrnehmungsbereich getrieben, in dem Kontrolle und Bedeutung überschritten werden.

Die Kuratorin Valerie Smith leitet seit April 2007 den Bereich Bildende Kunst, Film und Medien am Haus der Kulturen der Welt. Davor war sie Chefkuratorin und Ausstellungsdirektorin am Queens Museum of Art in New York. 1981-89 arbeitete sie als Kuratorin des Artists Space, einer der führenden Einrichtungen für zeitgenössische Kunst in New York. 1990-93 war sie künstlerische Leiterin der "Sonsbeek 93" in Arnshem, Niederlande. Für ihre Ausstellung "Joan Jonas, Five Works" (2003), die von der New York Times als "faszinierende Schau" bezeichnet wurde, erhielt sie den International Association of Critics Award. Für "Down the Garden Path, The Artists' Garden After Modernism" (2004) wurde Valerie Smith mit dem Emily Hall Tremaine Curatorial Award ausgezeichnet.

Termine:

DIE AUSSTELLUNG

8.11.08 - 11.1.09

Öffnungszeiten: Di - So und feiertags 12 - 20 h Eintritt: 5 EUR, ermäßigt 3 EUR

ERÖFFNUNG

7.11. |19 h Lesung des Dichters Johannes Kühn Diskussion mit den Künstlern François Bucher, Javier Téllez

FÜHRUNGEN Sonntagsführungen zur Ausstellung

9.11. - 14.12. So |15 h Teilnahme 3 EUR zzgl. Eintritt Führungen nach Absprache Für Schulklassen 40 EUR inkl. Eintritt Für Gruppen 50 EUR zzgl. Eintritt Information und Anmeldung: Next Interkulturelle Projekte info@next-kultur.org I Fon 030.397 87-180

FILME

15.11.08. - 4.1.09 Jeweils Sa und So | 16 h Eintritt: 5 EUR, ermäßigt 3 EUR, inkl. Eintritt in die Ausstellung

In einer Serie aus acht Videos unter dem Titel "So genannte Wellen und andere Phänomene des Geistes" bringt sich Pawel Althamer durch chemische und psychologische Hilfsmittel in einen prä-sozialen oder prä-natalen Zustand: sein "tierischer Körper soll zum Werkzeug werden". Die Unvollkommenheit des Werkzeugs gehört dabei zum Programm. Auf den erwachsenen Beobachter, der Verlust der Selbstkontrolle nur noch im dafür vorgesehenen Rahmen erlebt, wirken diese entgrenzten Zustände teils schockierend, teils lustig, immer wieder unheimlich und befreiend. Die Arbeiten des Performance- und Videokünstlers Pawel Althamer waren u. a. 1997 auf documenta X, 2006 im Centre Pompidou und 2008 in der Tate Gallery of Modern Art in London zu sehen.

Arturo Bispo do Rosário (1911- 1989) hatte sich als Seemann und Lebenskünstler durch die weite Welt geschlagen, als Erwachsener erkrankte er immer wieder. Nach mehreren Klinikaufenthalten entschloss er sich, sein Leben in einer psychiatrischen Anstalt in Rio do Janeiro zu verbringen. 50 Jahre lang bereitete er sich dort auf das Letzte Gericht vor. Christus und die sieben Engel hatten ihn beauftragt, eine Bestandsaufnahme aller wertlosen Dinge zu machen. Auf Stoffresten, Stickereien und Unrat entstand, was Bispo als "Register meines Aufenthaltes auf Erden" bezeichnete. In Europa wurden seine Arbeiten erstmals 1995 auf der Biennale von Venedig vorgestellt.

François Bucher (*1972) ist ein Künstler aus Cali, Kolumbien. Er lebt und arbeitet in New York und Berlin. Seine Werke wurden international in Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt: u. a. Location One, New York; Empire/State, Artists Engaging Globalization, Whitney Museum Independent Study Program Exhibition, 2002; Creek Art Center, Shnagai; und der Tate Britain, London. Seine Videoarbeiten wurden u. a. gezeigt beim Filmfestival Oberhausen; dem unabhängigen Film-Video Festival in Indonesien, dem Impakt Festival in den Niederlanden; dem Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest; und dem Cinema Paradies Festival in Honolulu. Derzeit arbeitet er an einem neuen Film, einer Auftragsarbeit der Porta 33 Galerie in Madrid in Zusammenarbeit mit Pedro Paixão.

Nach ihrer Arbeit als Pianistin begann die deutsche Künstlerin Hanne Darboven (*1941) 1962 ihr Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Vier Jahre später verließ sie sowohl die Hochschule als auch Deutschland und siedelte nach New York über. Im Zentrum von Hanne Darbovens Arbeit steht die Visualisierung von Zeitabläufen als unser Dasein wesentlich bestimmende Strukturen. Seit 1980 übersetzt die Künstlerin ihre Zahlenfolgen auch in Musik. Die Werke Hanne Darbovens nehmen in der Kunst der Gegenwart national und international eine herausragende Stellung ein.

Vom chilenischen Künstler und Video-Pionier Juan Downey (1940 - 1993) ist eine kleine Installation aus der Serie Video Trans America zu sehen. In den 1970er Jahren begab sich der damals in New York lebende Architekt auf Forschungsreise durch Lateinamerika. Im venezolanischen Regenwald lebte er mit Yanomani-Indios zusammen und bildete ihre Gesellschaft und schamanistischen Rituale in Videos ab. Als teilnehmender Beobachter meditierte er täglich und zeichnete danach. Die Zeichnungen geben das Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung wieder, das dem Meditieren und den Yanomani-Ritualen gemeinsam ist.

Javier Téllez filmt in Berlin und Potsdam in Zusammenarbeit mit Patienten der Psychiatrieklinik Vivantes eine Neu-Interpretation des Filmklassikers "Das Cabinet des Dr. Caligari". Gemeinsam entwickeln sie durch Improvisationen und Rollenspiele ein Script. Dabei entsteht ein Film an der Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion. Mendelssohns expressionistischer Sonnenturm in Potsdam dient als Bühnenbild und bildet eine Projektionsfläche für die dramaturgischen Einfälle der Beteiligten. Der in New York lebende Venezolaner, Sohn zweier Psychiater, arbeitet seit Jahren mit Menschen mit eigenen Wahrnehmungsformen. Die Auftragsarbeit für das Haus befasst sich mit Doppelgängern, Stigmata und der Frage, wie sich die expressionistische Architektur im Film darstellen lässt.

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