Freitag, 09. Dezember 2016


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Politische Grenzen als Herausforderung - kulturelle Vielfalt als Chance

Aachener Hospizgespräche widmen sich der Palliativversorgung in Europa

(lifePR) (Aachen, ) Immer vergleichbarer werden die Lebensverhältnisse im zusammenwachsenden Europa, beim Sterben allerdings geht jedes Land eigene Wege. Die Servicestelle Hospiz für Stadt und Kreis Aachen hat sich dieser besonderen Entwicklung im 77. Hospizgespräch am 21. November angenommen, um auf Hemmnisse hinzuweisen, um aber vor allem voneinander zu lernen: Regional günstige Rahmenbedingungen und lokale Erfolgsprojekte der Palliativversorgung sollten den rund 400 Besuchern der Tagung im Aachener Bildungszentrum der Grünenthal GmbH bekannt gemacht und gemeinsam diskutiert werden.

Die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt betonte im Rahmen der Veranstaltung die Bedeutung der europäischen Kooperation auch in Fragen der Palliativversorgung: "Die Frage, wie eine Nation mit ihren Sterbenden umgeht, ist ein Gradmesser für ihre humanitäre Grundeinstellung. In Deutschland muss Artikel 1 des Grundgesetzes 'Die Würde des Menschen ist unantasbar' Motor sein für unser Handeln - auch in der Palliativvversorgung," so die ehemalige Gesundheitsministerin. Ulla Schmidt verwies in diesem Zusammenhang vor allem auf die Tatsache, dass Deutschland bislang das weltweit einzige Land sei, in dem es für Sterbende einen Rechtsanspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung gibt. "Wir habe hier eine Vorbildfunktion, und wir müssen alles dafür tun, dass dieser Anspruch jetzt auch umgesetzt wird," so die aktive Unterstützerin der Aachener und der bundesweiten Hospizbewegung.

Veronika Schönhofer-Nellessen, Leiterin der Aachener Servicestelle Hospiz, erläutert den Ansatz für die international ausgerichtete Tagungsthematik: "Wir kommen im Dreiländereck "Deutschland - Niederlande - Belgien" mit sehr vielen unterschiedlichen Konzeptionen zur Palliativversorgung in Berührung. Diese Unterschiede wollten wir miteinander ins Gespräch bringen. Zugleich wollten wir aber auch auf die unterschiedlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen aufmerksam machen, um daraus für die einzelnen Länder politische Forderungen abzuleiten. Dabei ist die Möglichkeit grenzüberschreitende palliative Versorgung von schwersterkrankter Menschen ein wichtiges Ziel " Mit hochrangigen Referenten unter anderem aus Belgien, England, Luxemburg, Niederlande, Österreich und Tschechien, haben damit die 77. Aachener Hospizgespräche erstmals den europäischen Horizont der Palliativmedizin und der Hospizarbeit abgesteckt.

Für Prof. Lukas Radbruch, Präsident des Europäischen Palliativgesellschaft EAPC, ist die gesamteuropäische Situation noch keineswegs zufrieden stellend: "In vielen Ländern ist der Zugang zu einer ausreichenden Palliativversorgung mehr vom Zufall als vom Bedarf des Patienten abhängig", kritisiert er in seinem Einleitungsvortrag. Eine gesetzliche Rahmengebung zur Sicherstellung palliativmedizinischer Strukturen sei europaweit eher die Ausnahme als die Regel. Und selbst in Ländern, in denen die Politik die Bedeutung der Palliativmedizin erkannt habe - wie in Deutschland -, hapere es häufig an der entschlossenen Umsetzung durch Kassen und Funktionsträger vor Ort. Ein besonderes Augenmerk richtete Radbruch jedoch auf die unterschiedlichen politischen Ansätze in der Euthanasie-Diskussion: "Die Überlegungen zur Legalisierung der so genannten Euthanasie und der ärztlichen Hilfe zum Suizid sind und bleiben eine anhaltende Bedrohung für die wirklich konsequente und humanitäre Versorgung der Menschen am Lebensende," betonte Radbruch unter dem Beifall der Zuhörer.

Prof. Christof Müller-Busch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, wies auf die kulturellen Unterschiede in den Sterbekulturen der europäischen Länder hin: "Im Vergleich zur Antike stellt die gelassene Akzeptanz des Todes heute eher die Ausnahme als die Regel dar," so Müller-Busch. Gerade in der unterschiedlichen Auffassung zu Tod und Sterben könnten und müssten sich die Länder Europas gegenseitig in ihren Ansätzen und in ihrer jeweiligen Historie befruchten. Die Medizin müsse dabei wieder lernen, ihre Grenzen zu akzeptieren, um damit das Sterben als Teil des Lebens zu erkennen und medizinisch zu begleiten.

Auch Dr. Birgit Weihrauch, Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes, betonte besonders die Chancen, in einem enger zusammenrückenden Europa voneinander zu lernen und unterschiedliche Versorgungsmodelle zu vergleichen. Hier sei die Politik bislang noch wesentlich weniger mobil als die einzelnen Bürger. Zwar werde durch die Institutionen der EU und durch länderübergreifende Initiativen der Palliativbewegung sehr viel Wissen und Datenmaterial zusammengetragen, "in der Umsetzung scheitern jedoch die Erkenntnisse häufig am Vorrang der politischen Souveränität der Mitgliedstaaten - besonders in den Ressorts der Gesundheits- und Familienpolitik", so die Analyse Birgit Weihrauchs.

Die Vielfalt aber auch die vielfältigen Herausforderungen für Palliativmedizin und Hospizarbeit auf europäischer Ebene wurden von den zahlreichen internationalen Referenten und den hochrangigen Gästen aus Politik, Wissenschaft und Medizin eindrucksvoll bestätigt. So wies Martina Špinková von der Hospice Association Cesta dom? in Prag darauf hin, dass nur 2 Prozent der Sterbenden in Tschechien eine hospizliche Betreuung erfahren. Für sie liegt die Überwindung dieses Problems nicht allein im Bau von Hospizhäusern, sondern vor allem in einer neuen Haltung dem Sterben gegenüber. Dr. Ruthmarijke Smeding vom Marie Curie Palliative Care Institute in Liverpool betonte besonders die unterschiedlichen Auffassungen in der Einbeziehungen des Ehrenamtes in die Hospizarbeit: "Wir beobachten hier eine besonders große Spannbreite, weil die verschiedenen Länder in ihrer Entwicklung, aber auch in ihren Edukations- und Gesundheitsstrukturen sehr unterschiedlich sind." Wim Janssen vom Integraal Krankercentrum in Maastricht sieht allerdings gerade diese unterschiedlichen politischen Rahmensetzungen als Quelle der Kreativität und der Inspiration: "Man muss nur die Herausforderungen annehmen."

Für Veronika Schönhofer-Nellessen sind diese vielfältigen Ansichten eher Chance als Hemmnis: "Wir haben mit dem europäischen Ansatz unseres 77. Hospizgesprächs gezeigt, dass die Hospizbewegung in Europa weit über den kulturellen und politischen Rahmen der einzelnen Länder hinausgeht. Wir sollten diese bunte Palette nutzen um ein möglichst vielfarbiges Bild der europäischen Hospizbewegung zu malen." Die politischen Verantwortlichen forderte Schönhofer-Nellesen auf, von dieser Vielfalt zu lernen und die politische Rahmensetzung zur palliativmedizinischen Versorgung entsprechend weit zu gestalten.

Grünenthal GmbH

Grünenthal strebt an, weltweit der bevorzugte Partner in der Schmerzbehandlung für Patienten, Ärzte und Krankenkassen zu sein. Das Unternehmen treibt Innovation voran, um europäischer Marktführer im moderaten bis schweren Schmerz zu sein. Grünenthal ist ein unabhängiges, deutsches Familienunternehmen, das weltweit in 34 Ländern Gesellschaften hat. Das 1946 gegründete Unternehmen beschäftigte Ende 2008 in Deutschland rund 2000 Mitarbeiter, weltweit rund 5200. Der Umsatz 2008 betrug rund 864 Millionen Euro. Weitere Informationen unter: www.grunenthal.de.

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