Sonntag, 04. Dezember 2016


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Einweihung der 15. Historischen Stätte der Chemie in Marburg

Johannes Hartmann - Pionier der universitären Laborchemie

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) Am 10. Juli 2015 gedenken die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Fachbereiche Chemie und Pharmazie der Philipps-Universität Marburg mit einer Festveranstaltung und der Enthüllung der Gedenktafel "Historische Stätte der Chemie" des Wirkens von Johannes Hartmann. Als weltweit erster Professor der Chemiatrie vermittelte Hartmann seinen Studenten praktische chemische Kenntnisse und gründete 1609 das "Laboratorium chymicum publicum". Dieses erste universitäre öffentliche chemische Unterrichtslaboratorium zog Studenten aus ganz Europa an und machte Marburg für über ein Jahrzehnt zu einer Hochburg der Medizin-Ausbildung.

Johannes Hartmann wurde 1568 in Amberg/Oberpfalz als Sohn eines Webers geboren. Nach einer Buchbinderlehre ermöglichte der Schuldirektor ihm ein dreijähriges Studium der Mathematik, Logik und Rhetorik. Nach einigen Jahren der Arbeit als Hofmathematicus des Landgrafen Wilhelm IV. (der Weise) und dessen Sohn Moritz von Hessen-Kassel erhielt er 1592 einen Ruf auf eine Professur für Mathematik in Marburg, wo er zusätzlich Medizin studierte. 1603 wurde er das erste Mal für ein Jahr zum Rektor der Universität gewählt. 1607 wurde er erneut in dieses Amt gewählt und promovierte zum Doktor der Medizin. Der Landgraf Moritz von Hessen-Kassel ernannte ihn 1609 zum weltweit ersten ordentlichen Professor der Chemiatrie, das heißt der in den Dienst der Medizin gestellten Chemie.

Ebenfalls ein Pionier war Hartmann auf dem Gebiet der Lehre: Neben den üblichen theoretischen Unterweisungen in Form von Vorlesungen umfasste sein Unterricht auch chemische Demonstrationen und praktische Übungen, die die Arzneizubereitung einschlossen. Seine Lehrformen lockten eine für diese Zeit erhebliche Anzahl an Studierenden (mindestens 73) aus ganz Europa an, die von Hartmann bis 1621 im ersten öffentlichen universitären Unterrichtslaboratorium, dem "Laboratorium chymicum publicum", unterrichtet wurden. In der Erlanger Universitätsbibliothek befindet sich die Abschrift eines Tagebuchs aus dem Jahr 1615, das über dieses Laborpraktikum ausführlich berichtet. Anschließend arbeitete Hartmann bis zu seinem Tod im Jahr 1629 als Leibarzt des Landgrafen Moritz und dessen Sohn sowie zusätzlich als Professor der Medizin an der Academia Casselana in Kassel.

Das Laboratorium richtete Hartmann in den Räumlichkeiten des 1234 gegründeten und 1528 zwecks Universitätsgründung säkularisierten Franziskaner (Barfüßer-)Klosters ein. Heute befindet sich an dieser Stelle das Institut für Sportwissenschaft und Motologie der Universität Marburg.

Die GDCh gibt zu der Veranstaltung eine Festbroschüre heraus, die in allgemein verständlicher Form das wissenschaftliche Werk des Geehrten und die Tragweite seiner Arbeiten im aktuellen Kontext darstellt. Die Broschüre kann über die GDCh (b.koehler@gdch.de) bezogen werden.
Weitere Informationen im Internet unter www.gdch.de/historischestaetten.

Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 31.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" werden die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. Als "Historische Stätten der Chemie" sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg, Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr, Ernst Beckmann in Leipzig, Robert Bunsen in Heidelberg, das Industrie- und Filmmuseum Wolfen, die Chemische Fabrik von Heyden in Radebeul, das Chemische Laboratorium Fresenius in Wiesbaden, Otto Roelen und das Werk Ruhrchemie in Oberhausen sowie das Alte Chemische Institut der Universität Bonn als Wirkungsstätte von August Kekulé gewürdigt worden.

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