Donnerstag, 19. Januar 2017


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Stephanie Lehmann und Klaus Müller: "Cluster im Handwerk - Eine Analyse hinsichtlich deren Vorkommen und Bedeutung"

Göttinger Handwerkswirtschaftliche Studien, Band 80 / 264 Seiten, Duderstadt 2010, 29,- EUR, ISBN 978-3-86944-016-3

(lifePR) (Göttingen, ) Die zunehmende Regionalisierung und der damit verbundene verstärkte "Wettbewerb der Regionen" fordern neue Wege und Instrumente zur Identifizierung und Förderung regionalwirtschaftlicher Stärken und unternehmerischer Innovationstätigkeit. Stark an Bedeutung hat in diesem Zusammenhang neben der Förderung von Netzwerken in den letzten Jahren die Bildung von Clustern gewonnen. Viele regionalpolitische Akteure verbinden damit wirtschaftliches Wachstum beruhend auf verschiedensten Vorzügen aus der räumlichen Nähe und den intensivierten sozialen Interaktionen, die zu einer Steigerung der Innovationsraten führen.

Bei den verschiedenen Ansätzen zur Clusterförderung stehen insbesondere forschungsintensive Technologien und Branchen im Fokus; weniger bis gar keine Beachtung finden traditionelle Wirtschaftsbereiche, zu denen auch das Handwerk gezählt wird. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwieweit das Handwerk in der Clusterförderung einer größeren Beachtung gebührt.

Ziel der nun vorliegenden Studie des ifh Göttingen war es, dieser Frage nachzugehen und die Bedeutung von Clustern im Handwerk zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wurde zuerst eine intensive Recherche nach bestehenden Clustern sowie Clustervermutungen im Handwerk durchgeführt.

Die gefundenen Clusterhinweise konnten darauf hin ohne Anspruch auf Vollständigkeit nach verschiedenen Kriterien analysiert werden, so bspw. nach ihren Standort, dem Verbreitungsgrad, ihrer Entstehung und der Intensität der Zusammenarbeit.

Als zentrales Ergebnis bleibt festzuhalten, dass Cluster im Handwerk weit verbreitet sind. Dabei wurden sowohl eigenständige handwerksbezogene Cluster als auch neuere gemischte Cluster mit wesentlicher Handwerksbeteiligung identifiziert. Die eigenständigen handwerklichen Cluster weisen fast immer einen historischen Ursprung auf. Ihre Entstehung geht auf unterschiedliche Gründe zurück, so bspw. Rohstoffvorkommen, die Ansiedlung von Migranten, Konzessionen der Regierung, spezielle Nachfragebedingungen und Zufälle.

Einige der identifizierten Handwerkscluster spielen für ihre Region eine hervorgehobene Rolle.
Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang bspw. die Musikinstrumentenbauer im Vogtland oder die Medizintechniker rund um Tuttlingen. Andere Handwerkscluster weisen für ihre Region nur eine periphere Bedeutung auf. Teilweise haben diese Cluster nur relativ wenige Betriebe, die meist nur über eine geringe Anzahl an Beschäftigten verfügen. Sie konzentrieren sich vor allem auf kleine Marktnischen, in denen sie aber zum Teil deutschland- oder sogar weltweit eine Spitzenstellung aufweisen. In einigen Fällen kommen etwa 80 % der Betriebe einer Branche aus einer Clusterregion.

Viele der Handwerkscluster haben in den letzten Jahren einen Bedeutungsverlust erfahren. Um dem entgegenzuwirken und sich gegenüber der industriellen Konkurrenz zu behaupten, wurden von ihnen in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen. Diese beinhalten die Netzwerkbildung und die Einrichtung eines Clustermanagements, wobei hier die Handwerksorganisationen eine wichtige Rolle spielen können. Durch ein solches Management werden gemeinsame Marketingbemühungen und der Aufbau enger Kontakte zu Bildungs- und Forschungseinrichtungen erleichtert und gemeinsame innovative Projekte gestärkt. Ein Teil der Cluster hat auch eine eigene Markenbezeichnung erworben. Zudem erfolgte eine stärkere Ausrichtung des Handwerks auf die Nachfrage aus dem Tourismus durch die Einrichtung von Museen oder Erlebniswelten und die Durchführung clusterbezogener Veranstaltungen (z.B. Verkaufsmärkte).

Inwieweit diese Aktivitäten den Schrumpfungsprozess aufhalten können, bleibt abzuwarten.

Die neuen handwerksbezogenen Cluster konzentrieren sich meist auf volkswirtschaftliche Zukunftsfelder, die sich in der Regel über mehrere Branchen erstrecken. In diesem Kontext wird häufig versucht, durch Clusterbildung den Wertschöpfungsprozess zu optimieren. Historische Wurzeln sind in der Regel nicht oder nur begrenzt vorhanden; für die Clusterbildung ist in erster Linie ein geeignetes Clustermanagement verantwortlich, wobei Fördermaßnahmen eine besondere Bedeutung zukommt. Der Übergang zu Netzwerken ist fließend. Da die Zukunftsfelder nicht regional begrenzt sind, entstehen bundesweit oft mehrere Cluster parallel.

Von diesen eigenständigen Handwerksclustern sind die Cluster mit handwerklicher Beteiligung zu unterscheiden. Hier spielen die Handwerksbetriebe oft eine sehr wichtige Rolle, in dem sie an entscheidenden Stellen des Wertschöpfungsprozesses wichtige Funktionen übernehmen.

Insgesamt bietet die Zusammenarbeit in Clustern den Handwerksbetrieben die Chance, sich auch längerfristig auf zukünftigen Märkten behaupten zu können. Um konkrete Handlungsempfehlungen zur verbesserten Wahrnehmung und Unterstützung der Cluster geben zu können, müssen allerdings vertiefende Untersuchungen durchgeführt werden.

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