Samstag, 03. Dezember 2016


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ThaiGer-H2-Team der FH Stralsund ist in der europäischen Spitze weiter vorgerückt - jetzt Kopf an Kopf mit dem Münchner Team und deutlich vor den Turinern

(lifePR) (Stralsund, ) Wieviel oder besser - wie wenig Energie benötigen zukünftig unsere Autos? Studentische Teams auf der ganzen Welt beantworten diese Frage schon heute ganz praktisch, indem sie Rennwagen mit minimalem Kraftstoffverbrauch für den jährlichen Shell Eco-marathon bauen. Beim europäischen Wettbewerb waren dazu in Rotterdam in diesem Jahr in der Pfingstwoche knapp 200 Teams aus 27 Ländern in den Kategorien straßentauglicher Urban concept-Fahrzeuge und Prototype-Leichtrennwagen am Start. Diese von Elektro- bzw. Verbrennungsmotoren angetriebenen Rennwagen traten in Wertungsläufen über 10 Runden mit einer Mindestgeschwindigkeit von 25 km/h um die im Stadtzentrum von Rotterdam gelegene Ahoy-Arena gegeneinander an.

Das ThaiGer-Team der FH Stralsund mit Studierenden aus den drei Fachbereichen Elektrotechnik/Informatik, Maschinenbau und Wirtschaft mischte diesmal wieder kräftig bei den Wasserstoff-Prototypen mit. Nach dem ersten Tag der Wertungsläufe lag das Team auf dem zweiten Platz! Dabei rollte der Rennwagen durch die späte Lieferung einiger Komponenten und zu behebende EMV-Probleme erst 30 min vor dem Start das erste Mal rennfähig aus der Paddock-Werkstatt und eine kurze Testfahrt an Stelle der kompletten Testläufe der anderen Teams musste reichen.

Im Vorjahr verbrauchte die Brennstoffzelle für die Renndistanz noch 33,3 l gasförmigen Wasserstoff, nach dem ersten Wertungslauf 2015 standen 28,99 l Wasserstoffverbrauch auf der Anzeige. Grund genug, für den zweiten Wertungstag alles auf eine Karte zu setzen und außer dem Einbau des neuen Gleichstrommotors mit Steuerung auch gleich die besseren Reifen aufzuziehen. Am Ende des zweiten Tages war mit dem gefahrenen 38,8 l Wasserstoffverbrauch und einem durch Abschaltung nach 300 m vorzeitig beendeten zweiten Wertungslauf zunächst keine Verbesserung absehbar. Bis zur Schließung der Paddocks um 24:00 Uhr konnte jedoch mit einer improvisierten Weitrolltestung das bessere Reifensystem identifiziert und durch Rückbau auf den erprobten Brushless-E-Motor die Voraussetzung für einen sehr guten Abschlusswertungslauf am Pfingstsonntag gelegt werden. Bei strahlendem Sonnenschein musste dann nur noch wie im Vorjahr ein Sonnenschutz für den Fahrer eingeklebt werden, bevor es auf die Strecke ging. Bei idealen 10 Rennrunden wurden in 38:42 min Fahrzeit nur 26,86 Liter gasförmiger Wasserstoff verbraucht, die erreichte hochgerechnete Reichweite des ThaiGer damit auf 1760 km je Liter Benzinäquivalent geschraubt. Das Team der Hochschule München war mit 26,73 SL um ein halbes (gasgefülltes kleines) Bierglas einen Hauch besser und konnte sich am Nachmittag über den dritten Platz auf dem Siegerpodest freuen.

Die Dramatik der Renntage und seiner Ergebnisse wird im Austausch der Teams untereinander deutlich. So erhielt nicht nur das bei etwa halber Reichweite liegende Team aus Turin, in das auch Sponsorenmittel von Ferrari fließen, viel Mitgefühl, als ihr mit 39:01 min gefahrener Wertungslauf wegen der Zeitüberschreitung von nur einer Sekunde gestrichen wurde. Die Hälfte der angereisten H2-Prototypen-Teams konnte u.a. durch geplatzte Reifen, abgesprungene Antriebsketten, technische Probleme oder geschlossene Wasserstoffhähne z.T. gar keinen Wertungslauf erfolgreich ins Ziel fahren.

Der von Studierenden der FH Stralsund im letzten Jahr optimierte nun schon vierte Brennstoffzellen-Rennwagen bestätigte mit den drei gültigen Wertungsläufen das solide Grundkonzept und verbrauchte im besten Lauf über die 16,117 km nur 27 Normliter gasförmigen Wasserstoff. Die Umrechnung des Energieinhalts der verbrauchten ca. 2,4 Gramm Wasserstoff ergibt die eindrucksvolle Reichweite von 1760 km mit einem Liter Superbenzin und damit eine Verbesserung von 24% zum Vorjahr.

Der in einer kleinen 0,35 l-Druckgasflasche mit 200 bar mitgeführte Wasserstoff wird dazu in einer Brennstoffzelle mit einem Wirkungsgrad von etwa 60% direkt in elektrische Energie gewandelt, die in Superkondensatoren verlustfrei zwischengespeichert wird. Diese Energie teilt der Fahrer dann mit seinem "Gasdrehgriff" dem E-Motor am Hinterrad zu. Die Verbrauchswerte werden daher in den Ergebnislisten auch "elektrisch" als Reichweite je kWh (Kilowattstunde) Energie oder als Reichweite je 1 Kubikmeter gasförmigen Wasserstoff ausgewiesen. Bezogen auf den gut vorstellbaren Energieinhalt von einem Liter Superbenzin (bzw. 8,8 kWh) erreichten die Siegerteams mit Reichweiten von 7594 km (TU München, Batterie), 3599 km (TU Delft, Wasserstoff), 2308 km (Airbus Helicopters School, Benzin) 1323 km (TU Valencia, Diesel) je Liter Benzin(äquivalent) schwer vorstellbare Werte, kommt ein 1-Liter-Auto doch gerade auf 100 km Reichweite. Dies erklärt die Faszination dieses Rennens um den geringsten Energieverbrauch und motiviert die beteiligten Studierenden-Teams zum Erschließen aller ihnen zugänglichen technischen und fahrstrategischen Potenzen.

Die erfolgreichen Wertungsläufe des ThaiGer-Rennwagens der Fachhochschule Stralsund waren der beeindruckende Abschluss der mehr als einjährigen Vorbereitung und des Endspurts durch die zwanzig mitgereisten Teammitglieder in der Rennwoche in Rotterdam. Unter der organisatorischen Leitung von Lisa B. Schulz verbesserte das ThaiGer-H2-Racing Team dabei seine Platzierung aus dem Vorjahr auf den nun 4. Platz der in dieser Klasse gestarteten 20 europäischen Teams. Grundlage der Verbesserung war das noch einmal um 10% auf 35 kg reduzierte Fahrzeuggewicht u.a. durch spezielle Felgen mit niedrigem Gewicht und natürlich den Carbonbody mit dem integrierten Aluminiumrahmen. Bei der technischen Abnahme gab es an allen Stationen wieder ein ausgesprochenes Lob für die ausgezeichnete mechanische, wasserstoffseitige und elektrische Ausführung und Dokumentation durch das technische Team um Andreas Sklarow (IRES) und Robert Garbe (FB ETI). Die neue Mikroprozessor-Steuerung für die von der Baltic Fuel Cell GmbH in Schwerin gefertigte Brennstoffzelle wurde in Rotterdam mit den notwendigen Funktionen für den zuverlässigen Betrieb des Gesamtsystems über einen Wertungslauf komplettiert. Dies gelang vor allem durch die langjährige Erfahrung im Team auf Anhieb, musste doch auf ganze Prozessorbereiche verzichtet werden! Eine spezielle Optimierung und die praktische Einbindung der neuesten eigenen Forschungsergebnisse zum Monitoring von Brennstoffzellen sind nun für die weitere Optimierung des Gesamtsystems im kommenden Jahr vorgesehen. Dazu wird ein spezieller Brennstoffzellenteststand im Komplexlabor Alternative Energien des Instituts für Regenerative Energien IRES aufgebaut.

Der Erfolg ist insbesondere das Ergebnis der Unterstützung durch Verbände und Unternehmen wie den VDI Mecklenburg-Vorpommern, argus electronic, CITTI und real Stralsund (Verpflegung während der Rennwoche), die Barther Brauerei und natürlich die Werkstätten und Institute IRES / IFEU e.V. der Fachhochschule Stralsund.

Weitere Informationen sind auf www.facebook.com /Thaiger.Racing abrufbar.

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