Samstag, 10. Dezember 2016


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Die Konjunktur erholt sich weiter - aber das Vertrauen in den Euro schwindet

Ernst & Young-Vertrauensindex

(lifePR) (Stuttgart, ) .
- Stimmung der Unternehmer weiter deutlich verbessert
- Optimistischere Geschäftserwartungen
- Die deutsche Industrie genießt das größte Vertrauen
- Vertrauen in Euro und Regierungen wegen Griechenland-Krise gesunken
- Aber kaum Sorge vor Auseinanderbrechen des Euroraums

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten weiter deutlich verbessert: Aktuell bewerten 49 Prozent der Unternehmen ihre Lage positiv - im vergangenen Oktober lag der Anteil nur bei 42 Prozent. Eine Verbesserung im Verlauf der kommenden sechs Monate erwarten aktuell 62 Prozent - vor drei Monaten waren 52 Prozent optimistisch. Gleichzeitig steigt auch das Vertrauen in wichtige Branchen: Insbesondere die deutsche Industrie und der Dienstleistungssektor genießen ein hohes Ansehen. Auch Versicherungen und Banken werden positiver bewertet als im Oktober. Deutlich gesunken ist hingegen das Vertrauen in die Stabilität des Euros sowie in die Arbeit von Regierungen im Allgemeinen sowie in die Bundes- und Landesregierungen.

Das sind Ergebnisse der dritten Ausgabe des "Ernst & Young Vertrauensindex", einer Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 700 Unternehmen in Deutschland. Der Vertrauensindex wird quartalsweise durchgeführt, um die Entwicklung des Vertrauens in der deutschen Wirtschaft zu untersuchen.

Über eine schlechte Situation klagen aktuell nur noch 19 Prozent der Betriebe - im Oktober 2009 lag der Anteil noch bei 23 Prozent, im Juli 2009 sogar bei 33 Prozent. Über alle Branchen hinweg hat sich die Lage verbessert, am stärksten bei Dienstleistungs- und Industrieunternehmen, wo der Anteil der Positivbewertungen von 31 auf 43 Prozent bzw. von 26 auf 38 Prozent stieg. Auch mittel- und langfristig sehen die Manager sogar einen klaren Aufwärtstrend: Der Anteil der Optimisten steigt auf 12-Monats-Sicht auf 71 Prozent.

"Trotz des unerwartet schwachen vierten Quartals des vergangenen Jahres hat sich die Lage der Unternehmen in Deutschland weiter stabilisiert. Die Realwirtschaft erholt sich zusehends, der Optimismus gewinnt weiter an Kraft", stellt Georg Graf Waldersee, Managing Partner Deutschland, Schweiz, Österreich bei Ernst & Young fest. Die Verbesserung der Lage sei vor allem auf die wachsende Nachfrage vonseiten der Schwellenländer - allen voran China - zurückzuführen. "Die chinesische Volkswirtschaft hat sich in der Krise als erstaunlich robust erwiesen und nun die Rolle der Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft übernommen". Das komme nun der Exportnation Deutschland zugute. "So stark wie Deutschland unter dem Einbruch der weltweiten Nachfrage gelitten hat, so sehr können wir nun vom Anziehen der Exporte profitieren", stellt Graf Waldersee fest. Von der Binnennachfrage gehen aber kaum noch Wachstumsimpulse aus.

Während die weltweite Konjunkturentwicklung Anlass zu Hoffnung gibt, seien andere Probleme allerdings nach wie vor ungelöst, so Graf Waldersee: "Die Immobilienkrise in den USA, die schwierige Lage vieler Banken, steigende Arbeitslosenzahlen - all das sorgt weiter für Verunsicherung und steht einer nachhaltigen Erholung des Vertrauens im Wege". Und er erwartet, dass zusätzliche Belastungsproben bevorstehen: "Wir werden wohl noch weitere Verwerfungen an den internationalen Märkten sehen. Andererseits: Die Märkte verkraften schlechte Nachrichten derzeit relativ gut - ein gewisses Grundvertrauen ist wiederhergestellt."

Zudem werden nun die Auswirkungen der Krise auf die Staatsfinanzen immer deutlicher. "Die ausufernde Staatsverschuldung und die Sorge vor der Zahlungsunfähigkeit von Staaten werden uns in den kommenden Monaten und vielleicht sogar Jahren beschäftigen. Diese Konsequenzen des Wirtschaftseinbruchs und der Konjunkturprogramme werden nun immer deutlicher sichtbar und trüben die Stimmung in der Wirtschaft".

Der Euro verliert an Rückhalt

Trotz der verbesserten Wirtschaftslage ist das Vertrauen der Manager in wichtige Institutionen und Branchen insgesamt zurückgegangen. Dies ist allerdings ausschließlich auf einen Vertrauensverlust der europäischen Gemeinschaftswährung sowie generell staatlicher Stellen zurückzuführen. So haben derzeit nur noch 40 Prozent großes oder sehr großes Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung - im Oktober lag der Anteil noch bei 60 Prozent. Und in die Arbeit der Bundesregierung haben aktuell 60 Prozent der Befragten mittleres bis großes Vertrauen (Oktober: 75 Prozent). Vergleichbare Entwicklungen gab es bei der Beurteilung von Landesregierungen (Rückgang des Vertrauens von 72 auf 66 Prozent) und von Staaten/Regierungen im allgemeinen (Rückgang von 68 auf 56 Prozent). Graf Waldersee warnt allerdings davor, diese Entwicklung überzubewerten: "Nach Ausbruch der Krise befand sich die Wirtschaft in einer Schockstarre - die Regierungen zeigten sich hingegen handlungsfähig und konnten mit ihrem beherzten Eingreifen eine schlimmere Krise verhindern. Sie verdienten sich mit ihrem erfolgreichen Krisenmanagement die Anerkennung der Manager. Was wir jetzt sehen, ist eine Rückkehr zum Normalzustand: Regierungen und staatliche Eingriffe in die Wirtschaft werden generell von Unternehmern eher kritisch beurteilt". Die Krise in Griechenland und der bislang nicht immer glückliche Umgang der EU-Länder mit diesem Problem trage allerdings zu dieser Entwicklung bei, vermutet Graf Waldersee.

Überraschend dabei ist: Das Vertrauen der Manager in Notenbanken bzw. Zentralbanken steigt deutlich - um 13 Prozentpunkte auf 69 Prozent. "Die Griechenland-Krise und die daraus resultierende Schwäche des Euro wird offenbar eindeutig als Problem der EU-Mitgliedstaaten und nicht als Problem der Europäischen Zentralbank begriffen", so Graf
Waldersee.

Die Länder des Euroraums stünden nun vor der Herausforderung, ihre Handlungsfähigkeit zu beweisen, die Märkte zu beruhigen und alle Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Euro-Ländern auszuräumen. "Was wir derzeit erleben, ist die erste große Bewährungsprobe der europäischen Gemeinschaftswährung". Die Regierungen hätten aber den Ernst der Lage begriffen und würden nun Stützungsaktionen beschließen, ist sich Graf Waldersee sicher. "Die Krise hat eine entscheidende Schwäche des Euro aufgedeckt: Es gibt zwar eine europäische Währung, aber keine europäische (Wirtschafts-)regierung. Diese Krise wird zu neuen Diskussionen und einem Umdenken aufseiten der Regierungen führen", erwartet Graf Waldersee.

Dass es tatsächlich zu einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone kommen könnte, glauben die befragten Manager allerdings mehrheitlich nicht. Nur sechs Prozent machen sich große Sorgen über ein mögliches Auseinanderfallen der Währungsgemeinschaft, weitere 28 Prozent äußern sich leicht besorgt. Immerhin 77 Prozent geben hingegen an, dass sie Vertrauen in den Zusammenhalt der Euro-Zone haben.

Deutsche Industrie genießt höchstes Vertrauen

Sehr hoch ist nach wie vor das Vertrauen in die Industrie, den Dienstleistungssektor und die Marktwirtschaft in Deutschland: 90, 89 bzw. 88 Prozent der befragten Manager geben für diese Bereiche ein positives Vertrauensvotum ab.

Am stärksten gestiegen ist das Vertrauen in die Zentral-/Notenbanken (+13 Prozentpunkte), den Dienstleistungssektor, die Versicherungswirtschaft und den Bankensektor (jeweils +5) sowie das britische Pfund (+3). Relativ stark gesunken ist das Vertrauen hingegen in die Bundesregierung (-15), Staaten/Regierungen (-12) und die Rating-Agenturen (-9). Auch die Landesregierungen werden schwächer beurteilt als im Oktober (-5).

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass das Vertrauen der Unternehmen in die Finanzwirtschaft trotz des leichten Zugewinns nach wie vor relativ schwach ausgeprägt ist und nur relativ langsam wieder steigt: Der Banken- und Versicherungssektor genießt derzeit das Vertrauen von 48 bzw. 60 Prozent der Befragten. "Eine der großen Herausforderungen besteht derzeit darin, das Vertrauen in die Finanzwirtschaft wiederherzustellen", betont Graf Waldersee.

Ernst & Young AG

Ernst & Young* ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist Ernst & Young deutscher Marktführer. Ernst & Young beschäftigt rund 7.150 Mitarbeiter an 22 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2008/2009 einen Umsatz von 1,12 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 144.000 Mitarbeitern der internationalen Ernst & Young-Organisation betreut Ernst & Young Mandanten überall auf der Welt.

Ernst & Young bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Immobilienberatung.

Zusätzliche Informationen entnehmen Sie bitte folgender Internetseite: http://www.de.ey.com

*Der Name Ernst & Young bezieht sich in diesem Profil auf alle deutschen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

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