Dienstag, 06. Dezember 2016


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Mahmoud Turkmani: Ya Sharr Mout

VÖ: 17. Oktober 2008 | Enja/Soulfood

(lifePR) (München, ) .
- Mahmoud Turkmani composer, oud, guitar
Nisreen Hmaidan vocal
Saber Abdel Sattar qanun
Khaled Oweida violin
Amr Moustafa percussion Ahmad Osman bass

Film DVD: "Ya Sharr Mout" - a film by Sabine Gisiger (70 min.). Extra:
Audio-visual performance of the music, live in Beirut 2007 (59 min.)

Der im Libanon geborene Komponist und Saitenvirtuose Mahmoud Turkmani besuchte vor einigen Jahren den Jahreskongress für klassische arabische Musik in Kairo. Als er sich dort für Veränderungen der konventionellen Formen arabischer Musik aussprach, wurde er als "Ya Sharr Mout" beschimpft. Turkmani fühlte sich durch die Feindseligkeit seiner Kollegen verletzt und Worte begannen in seinem Kopf zu rotieren: Aus "Ya Sharr Mout" ("Hurensohn") wurde "Ya Sharr, Mout!" ("O Übel, stirb!"). Die Idee, mit Wörtern zu experimentieren, besonders mit Wörtern, die die Tabus der arabischen Welt betreffen, begann ihn zu faszinieren. Bald tat er sich mit dem Schweizer Videokünstler Michael Spahr zusammen, der das Spiel mit den arabischen Wörtern in kalligrafische Bilder von berührender Schönheit übersetzte. Und die Idee eines Ensemblewerks war geboren: "Ich begann nach einem ähnlich verspielten System zu komponieren", sagt Turkmani. "Ich bereitete einige meiner alten Kompositionen neu auf, spielte die Melodien rückwärts oder veränderte die Reihenfolge der Noten." Mit klassischen arabischen Musikern, mit Texten der kritischen Poetin Nadia Tuéni (1935-1983) und mit Spahrs Videokunst als Live-Zutat machte Turkmani "Ya Sharr Mout" zu einem Multimedia-Ereignis, das sich gegen jede Form von ideologischer oder religiöser Engstirnigkeit richtet.

Ein Jahr lang wurde Turkmani von der Filmemacherin Sabine Gisiger und ihrem Team begleitet, die die Entwicklung des audiovisuellen Projekts verfolgten. Gisigers Film erzählt die Geschichte dieser Musik -- Komposition, Proben, Aufführung --, aber auch die Geschichte von Turkmanis Leben. Turkmani wuchs in zwei gegensätzlichen Kulturen auf. Seine gründliche Kenntnis zweier musikalischer Systeme ließ ihn Berührungspunkte erforschen, die über eine oberflächliche "Fusion" weit hinausgehen. Immer wieder fragte er sich: Kann man die modale Klangwelt der Maqamat und das westliche Tonsystem kombinieren? Wie können komplexe arabische Rhythmen ein Werk der Neuen Musik tragen, ohne in billigen Arabismen stecken zu bleiben? Regisseurin Gisiger sagt: "Der Film lädt das Publikum ein, genau hinzuhören und hinzusehen. Das scheint mir wichtig in einer Zeit, in der zwischen Orient und Okzident Hass und Unverständnis regieren." -- "Ya Sharr Mout" (die Musik, die audiovisuelle Präsentation, der Film) ist eine Reise auf der Suche nach mehr Verständnis zwischen Ost und West.

Ebenfalls bei Enja veröffentlicht: "Nuqta" (1999, with Ludus Quartet), "Fayka" (2002, with Barry Guy & Keyvan Chemirani), "Zâkira" (2004, with Egyptian musicians)
Rezension

THOMAS BURKHALTER in "Der Bund"(CH) vom 13.9.2008:

«Oh, Böses, stirb!»
Mahmoud Turkmanis neustesWerk «Ya Sharr Mout» ist auf dem renommierten Label Enja erschienen

Der in Bern gestrandete libanesische Musiker Mahmoud Turkmani muss sich wegen seiner neuen Klänge in der arabischenWelt vor Übergriffen musikalischer Gralshüter fürchten.

Er sei ein Verräter der arabischen MusikundKultur, schrien dieMusikologen am Internationalen Kongress für Arabische Musik in Kairo. Turkmani hatte mit einem ägyptischen Ensemble die arabische Kunstmusikform «Muwashahat» anders, neu spielenwollen. Noch in der Nacht polterten die Wissenschaftler an seine Hoteltür. Mahmoud Turkmanis Antwort liegt jetzt vor-mit drei Jahren Verspätung: «Ya Sharr Mout» (Enja) heisst sein neuestesWerk,arabisch für«Du Hurensohn » oder «Oh, Böses, stirb!», je nach Betonung. Zur CD gehört noch ein Dokumentarfilm von der Zürcher Filmemacherin Sabine Gisiger. Da spielt Turkmani gemeinsam mit dem Bümplizer Videokünstler Michael Spahr akustisch und visuell mit arabischenWörtern - die arabische Sprache basiert auf einem Wurzelsystem mit zumeist drei Wurzelkonsonanten; verdreht man einzelne Buchstaben, ergeben sich neue, oft sogar gegensätzliche Bedeutungen. Böses verwandelt sich so in Gutes.

Dieses Phänomen nutzt Turkmani in seinemneuestenWerkauch musikalisch: Er rezyklierte einige seiner alten Kompositionen, vertauschte Noten und horchte gespannt, was sichda ergeben möge. Die Uraufführung des Werkes fand mit einem Ensemble ägyptischerMusiker inBeirut statt -Kairo war zu heikel. Das Konzert lieferte das akustische und visuelle Material für die neue CD und den Film. Instrumente, Bilder und Stimmungen spielen miteinander - oft wie zufällig. Melodien kreuzen und trennen sich.Violine, Qanun, Kontrabass, Oud, Gitarre und Rahmen- trommel wiegen sich einmal im kanonischen Zwiegespräch.

Die Musik moduliert zwischen arabischen Skalen, leichten Harmonien und Dissonanzen. Turkmani tritt dann und wann auf Oud und Gitarre solistisch hervor. Geräusche aus Beirut werden dazwischengeblendet, und der Schriftsteller Elias Khoury und andere libanesische Künstler sprechen von Tabus und vom Niedergang der arabischen Welt. Turkmani hat im Bürgerkrieg gekämpft,sich mit seinem Vater zerstritten, in Moskau studiert, und schliesslich ist er in der Schweiz gelandet. In seiner Performance spielt all dies mit; seine Wut, Traumata, Schuldgefühle und Nostalgien treten abstrakt, in audiovisuellen Assoziationen voller Dissonanzen und Unschärfen neu hervor. Ein sanfter Wind voller Sehnsucht schwebt über allem- scheint es. «Die Schönheit ist gestorben in diesem Land», singt Nisreen Hmaidan. Die Antwort an die Musikwissenschaftler aus der arabischenWelt klingt sehr persönlich, oft sanft und zerbrechlich, irgendwie traurig und äusserst reif.

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