Donnerstag, 08. Dezember 2016


Sofia Gubaidulina: Deutsche Erstaufführung ihres Konzertes für Schlagzeugensemble und Orchester

1. Zyklus-Konzert der Dresdner Philharmonie

(lifePR) (Dresden, ) Sie ist die Grande Dame der neuen Musik, die bedeutendste russische Komponistin der Gegenwart und ein nachdenklicher Mensch, dessen geistiger Horizont nicht jenseits der Musik endet: Sofia Gubaidulina. Vielleicht ist dieses Interesse an der Welt, den Menschen, dem Spirituellen das Geheimnis für die unmittelbare Wirkung ihrer Musik. Ihre Werke "leuchten", sind emotional, berühren bei der ersten Begegnung und sind dabei alles andere als oberflächlich. Sie ist ernst auf der Suche nach "dem Geistigen", hat aber verstanden, dass es häufig der Witz ist, der zur Erleuchtung führt - vielleicht ein zutiefst russischer Charakterzug. So ist ihre Musik bisweilen auch spielerisch, komisch, grotesk, nie jedoch modisch im Sinne einer plakativen Selbstdarstellung. Ihr geht es stets um "das Ganze", um die elementare, das menschliche Dasein verändernde Kraft der Musik. Im Auftrag u. a. der Dresdner Philharmonie hat sie ein neues Werk für Schlagzeugensemble und Orchester geschrieben, das unter der Leitung von John Axelrod seine deutsche Erstaufführung erlebt.

Sofia Gubaidulina wurde 1931 in Tschistopol (Tatarische Republik) geboren. 1954 beendete sie ihre Ausbildung am Konservatorium von Kasan in den Fächern Klavier und Komposition und setzte dann bis 1959 ihr Kompositionsstudium bei Nikolai Pejko, einem Assistenten von Dmitri Schostakowitsch, am Moskauer Konservatorium fort. Anschließend erfolgte eine Aspirantur bei Wissarion Schebalin. Seit 1963 ist Sofia Gubaidulina als freischaffende Komponistin tätig. Seit Beginn der achtziger Jahre gelangten ihre Werke - insbesondere dank des tatkräftigen Einsatzes von Gidon Kremer - rasch in die westlichen Konzertprogramme, so dass die Komponistin heute neben Schnittke, Denissow und Silwestrow zu den führenden Vertretern der Neuen Musik aus der ehemaligen Sowjetunion gerechnet wird. Typisch für Gubaidulinas Schaffen ist das nahezu vollständige Fehlen von absoluter Musik. In ihren Werken gibt es fast immer etwas, das über das rein Musikalische hinausgeht. Dies kann ein dichterischer Text sein, der Musik unterlegt oder zwischen den Zeilen verborgen, ein Ritual oder irgendeine instrumentale "Aktion". Einige ihrer Partituren zeugen von ihrer Beschäftigung mit mystischem Gedankengut und christlicher Symbolik. "Als Ideal betrachte ich ein solches Verhältnis zur Tradition und zu neuen Kompositionsmitteln, bei dem der Künstler alle Mittel - sowohl neue als auch traditionelle - beherrscht, aber so, als schenke er weder den einen noch den anderen Beachtung. Es gibt Komponisten, die ihre Werke sehr bewusst bauen, ich zähle mich dagegen zu denen, die ihre Werke eher 'züchten'. Und darum bildet die gesamte von mir aufgenommene Welt gleichsam die Wurzeln eines Baumes und das daraus gewachsene Werk seine Zweige und Blätter. Man kann sie zwar als neu bezeichnen, aber es sind eben dennoch Blätter, und unter diesem Gesichtspunkt sind sie immer traditionell, alt."

"Glorious Percussion"

Sofia Gubaidulina hat seit jeher ein besonderes Verhältnis zu Schlaginstrumenten und ihren besonderen, teilweise exotischen Klangreizen. Bei "Glorious Percussion" schwebt ihr von Anfang an ein weniger inhaltliches als rein akustisches Thema vor, dem sie mit den vielgestaltigen Klangmöglichkeiten einer Schlagwerkgruppe einerseits und einem sinfonischen Orchester andererseits nahezu ideal begegnen kann: "Das zentrale Thema ist die Übereinstimmung der klingenden Intervalle mit ihren Differenztönen", so verrät die Komponistin im Vorfeld der Uraufführung. Ein Intervall ist aus akustischer Sicht eine Kombination aus Schwingungen, die wir spontan wahrnehmen und als wohlklingend (konsonant) oder weniger wohlklingend (dissonant) einordnen. In Wirklichkeit spielt sich im menschlichen Gehirn aber noch viel mehr ab: Das innere Ohr arbeitet mit. Und genau diese "Leistung" durch minutiös getimte Intervallstrukturen herauszukitzeln, ist die zentrale Aufgabe, der sich Gubaidulina in "Glorious Percussion" stellt. Welche Rolle spielen die Perkussionisten in diesem hochkomplexen Gefüge? Die vor dem Orchester platzierte Schlagwerk-Batterie, zusammengesetzt aus Geräusch- und Melodieinstrumenten, ist einerseits das auslösende Moment für das zugrunde gelegte Satzprinzip von konsequenter Intervall-Vernetzung mit seinen schwingenden und pulsierenden Effekten. Andererseits ist es ständig am Entwicklungsprozess im Verbund mit dem sehr differenziert instrumentierten Orchester beteiligt. Darüber hinaus überlässt Gubaidulina den Interpreten ein gewisses Maß an eigenverantwortlicher Mitgestaltung, wenn innerhalb der insgesamt sieben exponierten Perkussionsepisoden jeweils für eine genau festgelegte Dauer auf bestimmten Schlag-Instrumenten improvisiert werden darf.

Programm:

Sofia Gubaildulina: "Glorious Percussion" für Schlagzeugensemble und Orchester
Deutsche Erstaufführung (Kompositionsauftrag u. a. der Dresdner Philharmonie)

Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

John Axelrod | Dirigent
Anders Loguin, Robyn Schulkowsky, Mika Takehara, Eirik Raude, Anders Haag | Schlagzeug-Ensemble

Karten sind erhältlich in der Ticketcentrale im Kulturpalast am Altmarkt, Mo bis Fr, 10 - 18 Uhr, Sa 10 - 13 Uhr, www.dresdnerphilharmonie.de

Termin:
Sa 04./ So 05.10.2008, 19.30 Uhr
Ort:
Festsaal des Kulturpalastes am Altmarkt

„Künstler im Gespräch“ – Zu Gast: Sofia Gubaidulina
03.10.2008, 19.30 Uhr
Studiotheater im Kulturpalast
Eintritt: 5,- (Eintritt frei für Karteninhaber des Konzertes und für Abonnenten der Dresdner Philharmonie)

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