Freitag, 09. Dezember 2016


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Asger Carlsen: Drawings From The Hand

Eröffnung: Donnerstag, 25. Juni 2015, 18 - 20 Uhr / Ausstellung: 26. Juni - 1. August 2015

(lifePR) (Berlin, ) Lars Dittrich und André Schlechtriem freuen sich, Ihnen mit DRAWINGS FROM THE HAND die zweite Einzelausstellung in der Galerie des in New York arbeitenden Künstlers Asger Carlsen zu präsentieren. Carlsen gelangt durch das Zusammenfügen und koordinierte Überlagern digitaler Bildvorlagen zu einer brutalen Ästhetik, die sich auf eine Neubewertung des zeichnerischen Prozesses und auf eine Deformierung des Sujets der Silhouette konzentriert. Mit DRAWINGS FROM THE HAND öffnet der dänische Künstler die fiktiven Körperhybride seiner früheren Bildserien HESTER und WRONG und erschafft fotografische ‚Objekte‘, die sowohl archaisch erdhafte als auch kosmisch immaterielle Bezüge aufweisen. DITTRICH & SCHLECHTRIEM zeigt diese gleichzeitig verstörenden und anziehenden Werke in drei verschiedenen Formaten: 5 Pigmentdrucke von digital synthetisierten Fotografien, 8 mehrschichtige ‚marble drawings‘ auf hot press watercolor paper und eine schimmernde, transmorphe Skulptur, die auf einem 3D-Druck basiert.

Die großformatigen schwarz-weißen Pigmentdrucke stellen im vorderen Bereich der Galerie extreme ‚Objekte‘ auf schwarz verspiegelten Glasflächen aus. Carlsen, der mit elektronischen Stiften auf Tabletcomputern arbeitet, collagiert Selbstportraits mit undefinierten Materialaufnahmen und gewinnt dem gestischen Vokabular der Photoshop-Bildbearbeitung, z. B. beim zeitintensiven Weichzeichnen, eine altmeisterliche Präzision ab. Der Künstler entwirft eine rohe, amorphe Materialität, die fleisch-, metall- und betonartige Texturen mit zum Teil futuristisch anmutenden Oberflächenstrukturen kombiniert. Als ehemaliger Tatortfotograf der New Yorker Polizei verfügt Carlsen über einen sensibilisierten Zugang zur postmortalen Erscheinung von Körpern und kontrastiert figurative Details wie Augenhöhlen, Nasen und Ohren mit groben Rissen und blutähnlichen Flecken. Eine Arbeit besteht mitunter aus mehr als 200 fotografischen Vorlagen, die Schritt für Schritt in einer umfangreichen, bis zu anderthalb Monaten dauernden Bildbearbeitung zusammengefügt werden. Während in den früheren Serien Strategien der Auflösung und Unkenntlichmachung von Hautübergängen im Vordergrund stehen, rücken nun Aufbrechen und Umwandlung des menschlichen Körpers und seine ins Utopische gewendete Materialität ins Blickfeld.

Die im Format 40,6 x 28 cm ausgeführten ‚marble drawings‘ zeigen halbdurchsichtige, sanft zu ihren Rändern hin aufhellende Farbszenarien. Indem der Künstler mit einem Bleistift die Silhouette seines Gesichts einzeichnet, realisiert sich die unsichtbare Gestik der zeichnenden Hand am Computer auf dem konkreten Bildträger. Für diese ebenfalls aus zahlreichen heterogenen Bildschichten zusammengesetzten Arbeiten verwendet Carlsen Fotografien des Badezimmerfußbodens seines New Yorker Apartments in Chinatown. Diese ausgeblichenen, von der Zeit durchwirkten Linoleumschichten erinnern dabei an Venensysteme, Landkarten, Hämatome oder etwa Organquerschnitte. Das formative Zusammenspiel von kontingenter Bodenbeschaffenheit und einer unerwarteten Intimität durch Wohnraum und Gesichtskontur des Künstlers ermöglicht zudem personalisierte Lesarten.

Im Zentrum der Ausstellung steht der 3D-Photopolymerdruck einer immateriell glänzenden Skulptur, die im Maßstab 1:1 zu den fotografischen Werken ausgeführt und mit einem metallischen Autolack behandelt ist. Die asymmetrische, in einem dunklen Silberton gefasste und von einer goldenen Kugel getragene Reliefstruktur zeigt die abstrahierten Gesichtszüge des Künstlers. Der amorphe, fast virtuelle Charakter des Werks stellt dabei den Status der klassischen Skulptur in Frage und intensiviert eine Tendenz, die bereits in den fotografischen Serien angelegt ist: Carlsen zielt in seinem Schaffen auf die Konzeption und analytische Durchdringung einer Art Hyper-Skulptur, bei der sich der Betrachter zu keinem Zeitpunkt darüber im Klaren ist, ob es sich um analoge Abbildungen real existierender Objekte oder um synthetisierte Photoshop-Entwürfe handelt.

Asger Carlsen überwindet mit DRAWINGS FROM THE HAND die konventionellen Grenzen von Bildhauerei, Photoshop-Editing und klassischer Zeichnung und kultiviert dabei eine Zone des referentiellen Dazwischen – Objekte, die jenseits der Kategorien der Idee, des Entwurfs und ihrer Verwirklichung im Material existieren. Die bisher verborgene Hand des Künstlers wird nun auf verschiedenen Ebenen, ob konkret durch Bleistiftstriche oder indirekt durch Fingerabdrücke und Modellierungsspuren des fotografierten Materials, in seinen Werken sichtbar. Während sich die ikonografische Geschlossenheit der vorherigen Serien einer neuen haptischen Rohheit zuwendet, vergrößert sich das assoziative Spektrum entscheidend: Leichenhallen, Töpferstudios und Kometenoberflächen erscheinen nun als atmosphärisch relevante Bezugsorte. Die stummen Schreie der versiegelten Körperhybride von Carlsens früheren Arbeiten verwandeln sich durch das geöffnete Medium der Zeichnung in das Echo einer neuen Brutalität des Materials.

Ein Katalog zur Ausstellung wird bei DITTRICH & SCHLECHTRIEM erscheinen. Für Presseinformationen und bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Fabian Ziegler, fabian(at)dittrich-schlechtriem.com.

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