Dienstag, 17. Januar 2017


  • Pressemitteilung BoxID 61730

Psychotherapie beim Hausarzt gefährdet

(lifePR) (Heppenheim, ) Seit 01.01.2008 können Patienten unter Umständen bei ihrem Hausarzt keine psychosomatische Grundversorgung bekommen. Dies liegt dann daran, dass die Allgemeinmediziner sowie Kinderärzte durch eine Neuerung und die Vorschläge des Hausärzteverbandes diese Leistung nicht mehr bei ihren Kassenärztlichen Verrechnungsstellen geltend machen können und damit für einen wichtigen Teil ihrer Tätigkeit kein oder nur noch sehr wenig Vergütung erhalten. Hintergrund ist die Überlegung eine höhere Pauschale für alle zu erhalten - was für einige Ärzte auch funktioniert. Die neuen Abrechnungsmodalitäten betreffen aber v.a. diejenigen, die sich neben ihrer allgemeinen hausärztlichen Tätigkeit auf die psychosomatische Grundversorgung spezialisiert haben.

Während Hausärzte mit entsprechender Qualifikation in psychosomatischer Behandlung nur eine geringe Pauschalvergütung pro Patient erhalten, können Fachärzte bei gleicher Qualifikation die Einzelleistung abrechnen. Dadurch werden die Fachärzte bevorzugt und die Hausärzte benachteiligt. Insofern ist nicht einsichtig, warum der Hausärzteverband eine solche Regelung unterstützt - die nicht nur zu Lasten seiner Ärzte, sondern v.a. zu Lasten des Patienten gehen. Letztlich hat die Neuregelung zur Folge, dass die sprechende Medizin beim vertrauten Haus- oder Kinderarzt nahezu abgeschafft wird.

Für viele psychisch kranke Patienten ist der Allgemeinmediziner ein wichtiger Ansprechpartner - lange Wartezeiten bei Nervenärzten und Vertragstherapeuten werden den Anforderungen in den Kriseninterventionen oder auch den sporadischen Fällen oft nicht gerecht. Häufig ist es für diese Patienten auch gerade wichtig, nicht beim psychotherapeutischen Facharzt zu sein - denn dann wären Sie ja als psychisch krank stigmatisiert - sondern beim Allgemeinmediziner zusammen mit anderen Fragen auch ihre psychischen Probleme besprechen zu können.

Die Gespräche mit diesen Patienten nehmen natürlich mehr Zeit in Anspruch als etwa das Rezeptausstellen bei einer Erkältung. Wird diese Leistung der Allgemeinärzte nicht mehr angemessen von den Kassenärztlichen Verrechnungsstellen vergütet, sind diese gezwungen, terminlich umzudisponieren oder Sitzungen zu verkürzen und im schlimmsten Fall keine psychosomatische Grundversorgung mehr anzubieten. Denn trotz ihres hippokratischen Eids müssen die Ärzte heutzutage auch vor allem Unternehmer sein - Leistungen, für die sie kein oder kaum Geld erhalten, können nicht mehr umfassend angeboten werden. Leidtragend ist letztlich wieder der Patient.

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