Freitag, 09. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 67873

Deutschland: Stagnation nach konjunktureller Vollbremsung

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) .
- Weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen belasten
- Sonderfaktoren dämpfen erneut privaten Verbrauch
- Wachstum von 0,7 Prozent 2009

Die deutsche Wirtschaft steuert nach Ansicht der Volkswirte von Allianz und Dresdner Bank auf eine Stagnation im zweiten Halbjahr 2008 zu. Schon im zweiten Quartal war der Konjunkturmotor ins Stocken geraten. Zum Herbst haben sich die Stimmungsindikatoren insbesondere wegen der Finanzmarktkrise weiter eingetrübt, auch die "harten Daten" geben kaum einen Grund zum Optimismus. "Unter der Annahme, dass die Finanzmarktkrise in den ersten Monaten des Jahres 2009 allmählich an Brisanz verliert, sehen wir allerdings gute Chancen für eine Konjunkturbelebung im nächsten Jahr", sagte Michael Heise, Chefvolkswirt von Allianz und Dresdner Bank. Sowohl von der Ölpreis- als auch von der Wechselkursentwicklung sei 2009 eine deutliche Entlastung zu erwarten. Ein Rückgang der Preissteigerung würde die Kaufkraft der privaten Haushalte, deren verfügbares Einkommen zurzeit noch mit einer Rate von 2,5 % gegenüber dem Vorjahr ansteigen dürfte, erhöhen und könnte noch in diesem Jahr konjunkturstabilisierend wirken. Insgesamt sehen die Ökonomen daher für 2009 einen realen BIP-Anstieg von 0,7 % (Prognose zuvor 1,5 %), nach 1,8 % (zuvor 2,0 %) in diesem Jahr.

Infolge der Finanzmarkt- und Immobilienkrise sowie aufgrund der Nachwehen der Energiepreisschocks ist die Weltwirtschaft in eine Schwächephase geraten. So rechnen die Volkswirte von Allianz und Dresdner Bank in den USA nach einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 1,6 % in diesem Jahr auch 2009 mit einem verhaltenen Wachstum von 1,1 %. In Japan dürften es - nach 0,8 % in diesem Jahr - 2009 rund 1 % sein. Die Emerging Markets erweisen sich trotz einer deutlichen Wachstumsverlangsamung mit einem erwarteten BIP-Anstieg von 5,5 % 2009 einmal mehr als Stütze der globalen Konjunktur. "Alles in allem wird die Weltwirtschaft nach unserer Ansicht 2008 BIP-gewichtet um rund 2,6 % wachsen. Im kommenden Jahr dürften es dann 2,2 % werden. Dies ist zwar deutlich weniger als in den vergangenen Jahren, eine globale Rezession ist es aber nicht", so Heise. Im Verlauf des Jahres 2009 dürfte die Weltwirtschaft dann wieder an Schwung gewinnen.

Auch im Euroraum überwogen im ersten Quartal noch die Auftriebskräfte aus dynamischer Investitionsnachfrage und lebhafter Exporttätigkeit gegenüber einem stagnierenden privaten Verbrauch. Doch nach einem deutlichen Minus im zweiten Quartal dürfte das zweite Halbjahr einer Durststrecke gleichen. Ungünstigere Aussichten am Arbeitsmarkt, eine hohe Inflationsrate sowie die Unsicherheit an den Finanzmärkten schlagen sich in einer eher flauen Konsum- und Investitionstätigkeit nieder. Alles in allem erwarten die Ökonomen von Allianz und Dresdner Bank wegen des guten Jahresauftakts für das Gesamtjahr 2008 einen realen BIP-Zuwachs von 1,2 %. Im Verlauf des Jahres 2009 rechnen sie zwar mit einer allmählichen Belebung der Konjunktur - gestützt durch niedrigere Rohstoffpreise und die Abwertung des Euro. Die durchschnittliche Wachstumsrate dürfte aufgrund des niedrigen Ausgangsniveaus zu Jahresbeginn mit 0,7 % aber spürbar schwächer ausfallen als 2008. Die EZB dürfte bis Ende 2008 ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 3,75 % zurücknehmen. Im ersten Quartal 2009 dürfte dann ein weiterer Schritt auf 3,50 % folgen.

Die Entwicklung in Deutschland im Einzelnen:

2008 machten Sonderfaktoren die Hoffnung auf eine Belebung des privaten Verbrauchs zunichte. War es 2007 noch die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn, so führte in diesem Jahr vor allem der massive Ölpreisanstieg bis zur Jahresmitte zu einem immensen Kaufkraftverlust. Zwar ist im dritten und vierten Quartal mit einem bescheidenen Anstieg der Konsumausgaben zu rechnen, dieser kann aber die äußerst schwache Entwicklung im ersten Halbjahr nicht kompensieren. Obwohl die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr voraussichtlich um 1,3 % steigen wird und die nominal verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte mit einem Plus von 2,5 % so kräftig wachsen wie seit sieben Jahren nicht mehr, gehen die Volkswirte von Allianz und Dresdner Bank für das Gesamtjahr 2008 von einem Rückgang des realen privaten Verbrauchs um 0,2 % aus. Auch im kommenden Jahr ist bei den nominal verfügbaren Einkommen mit einem deutlichen Plus zu rechnen. Wenn dieser Zuwachs nicht länger durch ölpreisbedingt hohe Inflationsraten aufgezehrt wird, stehen die Chancen für eine allmähliche Konsumbelebung gut. Insgesamt erwarten die Volkswirte 2009 ein Wachstum des realen privaten Verbrauchs um 0,9 %.

Während die Ausrüstungsinvestitionen im ersten Halbjahr 2008 mit einem Plus von 3,3 % gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr noch einmal deutlich angestiegen waren, dürften sie im zweiten Halbjahr dieses hohe Niveau nur gehalten haben. Für das Gesamtjahr erwarten die Ökonomen einen Anstieg um 6,1 %. Für 2009 ist insgesamt von einem moderateren Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen in Höhe von 2,9 % auszugehen. Die Bauinvestitionen legten im ersten Halbjahr gegenüber dem vorangegangenen um 4 % zu. Insgesamt dürften sie 2008 bei sehr unterschiedlicher Dynamik in den einzelnen Bausparten um 3,8 % wachsen. Für 2009 prognostizieren die Volkswirte hier insgesamt ein leichtes Plus von 0,4 %.

Der deutsche Außenhandel leidet unter dem verschlechterten weltwirtschaftlichen Umfeld. Einerseits belastet die Eurostärke die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportindustrie, andererseits verlor der Welthandel erheblich an Dynamik. Insgesamt ist für 2008 ein Wachstum der realen Ausfuhren von knapp 5 % zu erwarten. "Für das kommende Jahr sehen wir gute Chancen für eine Belebung der Auslandsnachfrage. Die Weltkonjunktur wird dank des stabilen Aufholprozesses in den Emerging Markets, vor allem in den rohstoffexportierenden Ländern, und wegen einer Stabilisierung im US-Immobilienmarkt im Verlauf des Jahres 2009 wieder Fahrt aufnehmen", betonte Chefvolkswirt Heise. Insgesamt rechne er für 2009 mit einem Wachstum der realen Ausfuhren von knapp 2 %.

Aufgrund der deutlichen Ölpreiskorrektur ist mit einem klaren Nachlassen des Inflationsdrucks bis zum Jahresende zu rechnen, sodass die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2008 bei 2,8 % (nach 2,3 % im Vorjahr) liegen dürfte. Für das Jahr 2009 erwarten die Ökonomen von Allianz und Dresdner Bank eine deutlich niedrigere durchschnittliche Inflationsrate von 2 %.

Der deutsche Staatshaushalt erzielte unter anderem infolge der guten Lohn- und Beschäftigungsentwicklung im ersten Halbjahr 2008 einen Überschuss von 6,7 Mrd. Euro. Die Steuereinnahmen dürften angesichts der derzeitigen schwachen wirtschaftlichen Entwicklung bis zum Jahresende weniger stark sprudeln. Dennoch ist für 2008 insgesamt von einem kleinen Haushaltsüberschuss in Höhe von zwei Mrd. Euro auszugehen. Das entspricht 0,1 % des BIP. Im Wahljahr 2009 dürfte der Staatshaushalt dann wieder leicht ins Minus rutschen. "Wir rechnen mit einem Fehlbetrag von 12 Mrd. Euro oder 0,5 % des BIP", so Heise.

Die neue Konjunkturprognose finden Sie im Internet unter:www.group-economics.allianz.de(unter Publikationen/Working Papers)

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