Donnerstag, 08. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 347683

BVMed Früh-Herbst-Treff: "Weg vom reinen Preisfokus, hin zu einem Qualitätswettbewerb"

(lifePR) (Berlin, ) Der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan hat den anhaltend starken Kosten- und Preisdruck auf die Hersteller von Medizinprodukten durch die gesetzlichen Krakenkassen kritisiert. Insbesondere im Hilfs- und Verbandmittelbereich habe dieser mittlerweile gefährliche Ausmaße angenommen. "Schädlich sind vor allem Ausschreibungen der Krankenkassen, die als einziges Entscheidungskriterium den niedrigsten Preis nehmen", sagte Lugan auf dem BVMed Früh-Herbst-Treff mit Gesundheitsminister Daniel Bahr und den gesundheitspolitischen Experten der Bundestagsfraktionen in Berlin. Seine Botschaft: "Wir müssen weg vom reinen Preisfokus und hin zu einem echten Qualitätswettbewerb - zum Wohle der Patienten."

Als Beispiel für die politisch ungewollte Folge dieser Entwicklung nannte Lugan die aufsaugenden Inkontinenzprodukte, bei denen der Aufzahlungsbetrag der Versicherten bereits oft den Erstattungsbetrag der Krankenkasse übersteige. "Und mittlerweile schreiben Kassen selbst Versorgungsbereiche mit hohem Dienstleistungsanteil aus, beispielsweise die Dekubitus-Versorgung. Dieser Entwicklung muss die Politik einen Riegel vorschieben", appelierte der BVMed-Vorsitzende. Gemeinsames Ziel aller Beteiligten müsse eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung sein. In vielen Bereichen spiele dabei über das Produkt hinaus die Dienstleistung eine herausragende Rolle. Das müsse in den Verträgen entsprechend berücksichtigt und adäquat vergütet werden.

Bei der neuen Erprobungsregelung für Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden mit Medizintechnologien ist der BVMed "positiv gespannt" auf die Verfahrensordnung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) und die ersten Erfahrungen mit diesem neuen Instrument. Besonders intensiv wird die Frage der Finanzierung der Studien diskutiert. Der BVMed setzt sich für ein anteiliges Finanzierungsmodell ein: je nach Anteil der Produktkosten am Verfahren insgesamt. Für kleine MedTech-Unternehmen wird über die Einführung eines Studienfonds nachgedacht. "Diese Idee unterstützen wir sehr und freuen uns darüber, dass sich auch der neue G-BA-Vorsitzende Josef Hecken dafür einsetzt", so BVMed-Chef Lugan.

Ein weiteres Schwerpunktthema auf der BVMed-Veranstaltung war die Weiterentwicklung des regulatorischen Rahmens für Medizinprodukte auf europäischer und nationaler Ebene. Verbessert werden soll vor allem die Überwachung der Zulassungsstellen und die Marktüberwachung durch die Behörden.

Die gesetzlichen Marktzugangsregelungen, die durch die EU-Richtlinien und das Medizinproduktegesetz in Deutschland vorgeschrieben sind, haben sich nach Meinung des BVMed insgesamt bewährt. Bei Produkten der höchsten Risikoklasse III  hierzu gehören die meisten Implantate  sind die gesetzlichen Anforderungen an die CE-Zulassung vergleichbar hoch wie beim Arzneimittelrecht. Zwingend vorgeschrieben sind hier:

> eine Risikoanalyse und Risikobewertung zum Nachweis der Sicherheit,
> die Durchführung einer klinischen Prüfung zum Nachweis der Leistungsfähigkeit und Wirksamkeit des Medizinprodukts sowie
> ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem.

Lugan: "Eine Zulassung von Medizinprodukten durch staatliche Zulassungsbehörden würde keine höhere Sicherheit bringen. Auch bei der Zulassung von Arzneimitteln durch staatliche Stellen findet letztendlich eine Papierprüfung der vom Hersteller eingereichten Dokumentationen inklusive der Bescheinigungen der Testlabore statt." Das geltende Recht für Medizinprodukte gebe genügend Instrumentarien zum Schutz des Patienten vor fehlerhaften Medizinprodukten an die Hand. Sie müssten nur konsequent in allen europäischen Ländern angewendet werden. Schon nach den heute geltenden Vorschriften seien unangemeldete Kontrollen und Stichprobenziehungen möglich. Der BVMed regt an, die Überwachungstätigkeit der staatlichen Überwachungsbehörden besser zu koordinieren und den Informationsaustausch unter den Behörden zu verbessern.

Vor dem Hintergrund der Diskussionen um die Sicherheit von Medizinprodukten betonte Lugan: "Wir sind sehr stolz, in einer Branche zu arbeiten, die den Menschen hilft, ihre Gesundheit zu erhalten, Mobilität wiederherzustellen, die Lebensqualität zu verbessern oder gar Leben zu retten." Es sei eine faszinierende, vielfältige und sehr innovative Branche, die 175.000 Menschen in Deutschland Arbeit biete. Die Unternehmen seien sich auch ihrer Verantwortung für das gesamte Gesundheitssystem bewusst. "Wir entwickeln Lösungen, die Versorgungsabläufe optimieren und effizienter gestalten." Sein Schlussappell: "Wir befinden uns insgesamt auf dem Weg vom reinen Produktfokus hin zu einem sektorenübergreifenden Versorgungsmanagement. Alle Beteiligte müssen hier besser zusammenarbeiten: Leistungserbringer, Krankenkassen, Patienten und Hersteller. Gemeinsam wollen wir Gesundheit gestalten."

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Erkältungszeit = Antibiotikazeit? NEIN!

, Gesundheit & Medizin, Landesärztekammer Hessen

Die zunehmenden Antibiotikaresistenz­en bei Bakterien sind ein ernstes Problem für die Gesundheit und das Gesundheitssystem, neue Antibiotika-Entwicklungen...

Das Krankenhausstrukturgesetz - eine Jahrhundertreform?

, Gesundheit & Medizin, Hessische Krankenhausgesellschaft e. V

Es geht ein Ruck durch die deutsche Krankenhauslandschaf­t. Dies wurde auf dem diesjährigen Hessischen Krankenhaustag deutlich. In Hanau waren...

Weniger Medikamente dank gesundem Lebensstil

, Gesundheit & Medizin, NOVITAS BKK

Es gibt Erkrankungen, da geht es nicht ohne Medikamente. In einigen Fällen jedoch können Arzneimittel durch einen gesunden Lebensstil langfristig...

Disclaimer