Mittwoch, 07. Dezember 2016


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EMI: Griechenland-Krise lässt deutsche Wirtschaft kalt

Industrie gewinnt im Juni dank verstärkter Produktions- und Auftragszuwächse wieder leicht an Dynamik

(lifePR) (Frankfurt, ) Die Geschäfte der deutschen Industrieunternehmen sind im Juni wieder besser gelaufen als noch vier Wochen zuvor. Das signalisiert der finale saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der binnen Monatsfrist um 0,8 Punkte auf 51,9 zulegte. Das Konjunkturbarometer notiert damit den siebenten Monat in Folge über der neutralen Marke von 50, ab der Wachstum angezeigt wird. Von den hohen Werten, die zum Jahresbeginn 2014 gemessen wurden, war der Index jedoch weit entfernt. Mit 51,7 Punkten lag der Durchschnittswert des zweiten Quartals 2015 weitgehend auf dem Niveau des Vorquartals mit 51,6 Punkten.

"Der aktuelle EMI zeigt, dass die Produktion in der deutschen Industrie mit beschleunigter Rate hochgefahren wurde. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich die Auftragsbücher der Unternehmen wieder füllen", betonte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt.

"Der EMI ist nicht im freien Fall - ganz im Gegenteil. Nach einer Schwächephase stieg er im Juni wieder an, sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, dem BME. Dies zeige, dass die Unsicherheit um Griechenland zwar politisch eine erhebliche Tragweite hat, ökonomisch in Deutschland aber weitgehend irrelevant ist. Traud: "Deshalb sollte das Wachstum in Deutschland in diesem Jahr mit 1,6 Prozent genauso stark ausfallen wie 2014. Starke Impulse gibt es weiterhin aus den USA und vielen Ländern Europas. Die Schwellenländer wachsen dagegen nur verhalten."

"Die Temperaturen steigen und die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ebenfalls. Das ist ein gutes Zeichen - gerade angesichts der Griechenland-Turbulenzen, so DIHK-Chefvolkswirt Dr. Alexander Schumann. Sonderfaktoren wie Niedrigzinsen, günstiger Ölpreis und schwacher Euro bauen seiner Ansicht nach einen Schutzwall um die Konjunktur. Auch das Auslandsgeschäft laufe besser. Schumann: "Und die Bundesregierung sendet beim Mindestlohn ein erstes ermutigendes Signal in Richtung der Unternehmen. Gerade mit dem Bürokratieabbau muss es nach der Sommerpause im Politikbetrieb weitergehen."

"Griechenland lässt die deutsche Wirtschaft weiterhin kalt. Das muss aber nicht so bleiben", kommentierte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, die aktuellen EMI-Daten. Bei einem möglichen Grexit seien es weniger der unmittelbaren Impulse aus Griechenland, sondern vielmehr Unsicherheiten über den generellen Kurs innerhalb der EU, die das Wirtschaftsvertrauen vorübergehend beeinträchtigen könnten. Eine weitere wichtige Botschaft stecke aber in der Preiskomponente der jüngsten EMI-Umfrage. Der neuerliche Anstieg der Einkaufs- und Verkaufspreise spreche dafür, dass der Kampf gegen das Deflationsgespenst vorerst gewonnen sein dürfte.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Industrieproduktion: Dank anziehender Nachfrage fielen die 26. Produktionssteigerungen in Folge im Juni wieder deutlich stärker aus als im Mai. Der entsprechende Teilindex erreichte das Niveau des Langzeit-Durchschnittswerts. Den kräftigsten Produktionszuwachs vermeldeten die Konsumgüterhersteller; auch im Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich wurde mehr hergestellt als im Vormonat.

Auftragseingang: Das siebte Auftragsplus in Folge fiel zwar wieder etwas höher aus als im Mai, blieb aber im historischen Vergleich unterdurchschnittlich. Dabei zogen sowohl die Binnen- als auch die Exportnachfrage leicht an.
Vor allem seitens des europäischen Auslands gingen im Juni wieder etwas mehr neue Aufträge bei den deutschen Industrieunternehmen ein als im Vormonat. Insgesamt blieb der Exportorderzuwachs bei Global Playern und KMU jedoch nur mäßig.

Beschäftigung: Der Beschäftigungsaufbau war auch im Juni äußerst verhalten, lediglich acht Prozent der Unternehmen meldeten höhere Beschäftigtenzahlen. Fast genau die gleiche Anzahl der befragten Firmen baute jedoch Personal ab. Bei der überwiegenden Mehrheit blieben die Personalbestände allerdings konstant.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Aufgrund währungsbedingter Faktoren, der Verknappung einiger Rohstoffe und der Verteuerung mancher Einkaufsmaterialien setzte sich der Anstieg der Einkaufspreise im Juni zwar fort, schwächte sich vom Dreijahreshoch im Mai jedoch ab. Die Steigerungsrate rutschte wieder unter ihren Langzeit-Durchschnittswert.
Vor allem wegen des verschärften Wettbewerbs konnten die Verkaufspreise im Juni erneut nur geringfügig angehoben werden. Das war die vierte Preissteigerung in Folge und lag auf Vormonatsniveau. Nur sechs Prozent der befragten Unternehmen gelang es, die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben, fast genauso viele sahen sich gezwungen, die Angebotspreise sogar zu senken.

Der Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Er wird von der britischen Forschungsgruppe Markit Economics, Henley-on-Thames, erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager's Index (Markit U.S.-PMI).

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