- Pressemitteilung BoxID 325860
Badischer Winzerkeller Breisach berichtet über das Geschäftsjahr 2011
- Solide im Plan
- Traubengelder stabil
Der Weinmarkt
Der Weinkonsum in Deutschland ist nachhaltig. Der pro Kopf Verbrauch für Wein liegt seit Jahren in Deutschland stabil um ca. 20 Liter pro Kopf und Jahr. Der Sektverbrauch pendelt um die 4 Liter Marke.
Das Geschäftsjahr 2011 war geprägt durch die kleine Ernte 2010, den kleinsten Herbst seit 1985 in Deutschland. Der Ernteertrag lag je nach Anbaugebiet 20 bis 30% unter einem Normaljahr mit normalen Erträgen. In Baden lag die Ernte 2010 ca. 20% unter der bereits unterdurchschnittlichen Ernte 2009. Dies hatte deutliche Auswirkungen auf das Vermarktungsgeschehen:
Rückgänge verzeichneten insbesondere die Weißweine. Vor allem die Sorten Müller-Thurgau mit 35% geringerem Ertrag als 2009, aber auch Riesling mit ca. 50% Minus. In der Folge konnte die Branche notwendige Preiserhöhungen bei den Abnehmern durchsetzen. Die Preiserhöhungen erfolgten zum Frühjahr 2011 mit ca. 5% primär für Weißweine. Die Preise bei Fassweinen bzw. Offenweingeschäften stiegen teilweise bei knappen Weißweinsorten wie Müller-Thurgau, Riesling und Grauburgunder um bis zu 50%, für Spitzenqualitäten bis zu 80%. Gleichzeitig zogen auch die Rotwein- und Weißherbst- bzw. Rosé-Preise im Markt leicht an. Beim knappen Dornfelder verdoppelten sich die Preise kurzfristig im Markt. So gelang es der Branche, Keller von älteren Rotweinen und Weißherbst-Jahrgängen ab 2008 komplett zu räumen. Badens Rotweinüberschüsse konnten somit im Geschäftsjahr 2011 weitgehend abgebaut werden.
Aufgrund der knappen Verfügbarkeiten bei Weißweinen sowie der gestiegenen Preise für deutsche Weine verlor Deutschland deutlich Absatz und Marktanteile im Markt. Gewinner waren ausländische Importweine, vor allem aus Italien und Spanien sowie aus Frankreich. Der Mengenmarktanteil Deutschlands bei Wein sank von 46 auf 43%. Der Mengenrückgang betrug 13%, wertmäßig 4%.
Die Verschiebung der Marktanteile erfolgte insbesondere im Discount und im LEH (Lebensmitteleinzelhandel) und vornehmlich in den Preisklassen unter 2 € pro Flasche. Weine aus Baden entwickelten sich 2011 deutlich besser als der Durchschnitt deutscher Weine.
Während die Preise pro 0,75-Literflasche aus Baden von 2,46 auf 2,48 € stiegen, legte Badens Marktanteil entgegen des allgemeinen Trends von 12 auf 13 % weiter zu.
Aufgrund der knappen Bestandssituation bei deutschen Weinen waren diverse Weißweinsorten im Laufe des Jahres nicht lieferfähig, was zu Absatzrückgängen und Distributionslücken im Handel führte. Dies betraf insbesondere die Badischen Sorten Müller-Thurgau, Riesling und Grauburgunder. Badische Rotweine und Roséweine aktueller Jahrgänge waren demgegenüber jederzeit in ausreichender Menge verfügbar.
Umsatzentwicklung und Finanzlage
Der Badische Winzerkeller hat das Geschäftsjahr 2010 mit einem Umsatz an Waren und Dienstleistungen von 50,6 Mio. EUR abgeschlossen. Der Vorjahresumsatz 2010 lag bei 54 Mio. EUR. Das entspricht rechnerisch einem Minus von rd. 6,3 % bei einer um 6 % geringeren Absatzmenge. Der Rückgang hing damit zusammen, dass aufgrund der kleinen Ernte 2010 zu wenig Wein zur Verfügung stand und dementsprechend einige Kontrakte nicht abgeschlossen wurden. Außerdem gab es rückläufige Dienstleistungserlöse. Kompensiert wurde das insgesamt durch moderate Preiserhöhungen im Weißweinbereich.
Das Jahresergebnis wird teilweise gestützt durch die Buchgewinne aus dem Verkauf der sogenannten nicht betriebsnotwendigen Immobilien. Mit Ausnahme der ehemaligen Sektgalerie in Breisach konnten sämtliche Gebäude und Grundstücke verwertet und verkauft werden. So sind in den letzten Jahren mit dem Hotel am Münster, dem alten Stammhausbetrieb in Breisach, dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der ZBW, sowie diversen Wohnhäusern alle Immobilien und Randaktivitäten veräußert worden, die nicht zum Kerngeschäft gehören.
Die Deckung des Anlagevermögens durch Eigenkapital beträgt 98 % gegenüber 89 % zum Vorjahr. Insgesamt ist die Vermögens- und Finanzlage deutlich verbessert. Die Investitionen im Berichtszeitraum wurden aus Eigenmitteln finanziert. Die Liquiditätslage des Unternehmens ist gut.
Weinbau und Kellerwirtschaft
Der Winter 2010/2011 zog sich mit tiefen Temperaturen bis zu -20°C recht lange hin. Die Rebbestände konnten aber ohne Winterfrostschäden in das Vegetationsjahr 2011 starten. Der allgemeine Austrieb nahm mit dem 20. April seinen Lauf und lag im langjährigen Durchschnitt. Die überdurchschnittlichen Temperaturen und Sonnenscheinstunden im April und Mai führten dazu, dass die Rebenentwicklung sehr schnell vorwärts ging. Von den Niederschlägen her war der Winter eher zu trocken, aber auch die Monate April und Mai lagen mit ihren Niederschlagsmengen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Anfang Mai (05.-07.) ließen tiefe Nachttemperaturen bis -7°C die Winzer zittern.
Im direkten Einzugsgebiet des Badischen Winzerkellers hatten wir keine nennenswerten Frostschäden zu verzeichnen. Die Niederschlagsmengen im Juni und Juli führten dazu, dass ein extremes Rebwachstum einsetzte. Ein außerordentlich guter Gesundheitszustand der Reben war durch die gesamte Vegetationsperiode hinweg festzustellen. In den letzten Julitagen begann das Weichwerden der Trauben. Die Ertragsentwicklung sowie die Qualitätsentwicklung waren insgesamt als sehr positiv zu bezeichnen. Die hohen Temperaturen Ende August / Anfang September sowie die hohen Niederschlagsmengen, die zu einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit führten, gaben Anlass zur Sorge, dass der Herbst 2011 (ähnlich wie 2006) zu einem Problemjahrgang werden könnte.
Bei der Sorte Grauburgunder traten regional Probleme mit Essigfäule auf, sodass hier am 31.08. und am 01.09. Vorlesetermine angeboten werden mussten. Letztlich hatten wir großes Glück, dass die Trauben besser als erwartet mit den Witterungsbedingungen zurechtkamen. Bei der Sorte Ruländer mussten sicherlich an manchen Orten Ertragseinbußen von 10 bis 20 % in Kauf genommen werden. Ansonsten sind die Ausfälle durch Sauerfäule, die in dieser Vegetationsphase zustande gekommen sind, eher unbedeutend.
Die allgemeine Lese mit Müller-Thurgau begann am 06. September. Aufgrund der Befürchtungen, dass sich Fäulnis breitmachen könnte, wurde in der zweiten und dritten Septemberwoche der Herbst beschleunigt abgewickelt. Glücklicherweise hat sich ein stabiles Hochdruckgebiet eingestellt, sodass die Lese von der Witterung her optimal durchgeführt werden konnte.
Die normale Lese wurde in den ersten Oktobertagen abgeschlossen. Das Herbstergebnis ist sowohl in Menge als auch in Güte als äußerst positiv zu bewerten.
Von unseren vollanliefernden Winzergenossenschaften wurden an 29 Lesetagen über 29 Mio. kg Trauben angeliefert. Dies entspricht einen Durchschnitt von 123 kg/ar. Damit haben wir eine Erntemenge einlagern können, die gut ein Viertel höher liegt als im Jahr zuvor und sogar 5 kg/ar höher als der vom Badischen Winzerkeller vorgegebene Zielertrag. Das Durchschnittsmostgewicht der Gesamtanlieferung im Badischen Winzerkeller liegt bei knapp 88 °Oe. Dieses Durchschnittsmostgewicht ist als sehr zufriedenstellend einzustufen, wobei zu bemerken ist, dass vor allem die Burgundersorten im Durchschnitt deutlich über 90 °Oe abgeschnitten haben.
Von der Ertragsmenge sind vor allem die Sorten Müller-Thurgau mit 153 kg/ar und Gutedel mit 195 kg/ar hervorzuheben. Diese Erntemengen werden dazu beitragen, dass der Markt in diesen Sorten wieder voll beliefert wird.
Die ersten Weine des Jahrgangs 2011 präsentieren sich sehr sortentypisch, sehr fruchtig, extraktreich und von der Säurestruktur her äußerst ausgewogen. Wir verfügen damit über einen qualitativ hervorragenden Jahrgang 2011, der sicherlich uns und den Verbrauchern viel Freude machen wird.
Qualitätspolitik
Der Slogan "Natürlich - Qualität direkt vom Erzeuger" steht seit Jahren als Werbeaussage nach außen und als Leitbild für unser Qualitätsmanagementsystem. Die Selbstverständlichkeit und die Kontinuität, die wir gemeinsam mit unseren Winzerinnen und Winzern in unsere Anbau- und Ausbaupolitik gelegt haben, setzte sich auch im abgelaufenen Geschäftsjahr nachhaltig fort.
Kernpunkt unserer Bemühungen ist es, neben den allgemeinen weinbaulichen Vorgaben, auch unsere Pflanzenschutzstrategie flexibel und situationsgerecht einzusetzen. In enger Zusammenarbeit mit dem Weinbauinstitut Freiburg (WBI), dem Regierungspräsidium und der Staatlichen Weinbauberatung haben wir unseren Mitgliedern die Spritzfolge sowie den Einsatz der entsprechenden Pflanzenschutzmittel vorgegeben. Aufgrund der Witterungsbedingungen im Vegetationsjahr 2011 war eine konsequente Durchführung der Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig, um gesunde Rebbestände zu erhalten.
Wir haben unserer Winzerschaft mit der Qualitätsoffensive der letzten Jahre sehr viel Engagement abverlangt. Umso mehr ist der diesjährige Bundesehrenpreis eine Bestätigung für die Leistungsfähigkeit und die Kontinuität unserer Weinerzeugung. Das geht aber nur mit dem Willen, der Hingabe und der Sorgfalt unserer angeschlossenen Mitgliedsgenossenschaften sowie unserer Mannschaft in der Kellerwirtschaft.
Perspektiven
Das zurückliegende Geschäftsjahr stand ganz unter dem Akzent der Einleitung eines umfassenden Strukturwandels im Badischen Winzerkeller. Trotz eines harten Marktwettbewerbs und Reibungen in der badischen Erzeugerlandschaft konnte der Badische Winzerkeller mit einem insgesamt positiven Ergebnis abschließen.
Die Anforderungen des Marktes und an die Vermarktung haben sich im Vergleich zu den letzten zwei bis drei Jahrzehnten erheblich verändert. Der Markt, die Produktion und die Vermarktung müssen korrespondieren und für die Winzerinnen und Winzer das Möglichste an Wertschöpfung erbringen. Vor diesem Hintergrund gilt es, den eingeleiteten inneren Optimierungsprozess weiterzuführen. Hierbei spielen eine höhere Qualität des Weines, die Steigerung der Erlöse sowie eine weitere Kostensenkung in den Betriebsabläufen eine entscheidende Rolle.
Wir wollen uns mit aller Sorgfalt und Energie auf die Vorteile unseres Badischen Winzerkellers ausrichten, die unserem Hause der badischen Winzer in die Wiege gelegt wurden. Hierbei sollen Tradition und Moderne konstruktiv miteinander verbunden sein und den heutigen Erfordernissen der Technik und dem Zeitgeist an Produkten und deren Verkauf angepasst werden. Klasse statt Masse - diese Devise unterstreicht die bereits in den Vorjahren begonnene Qualitätsoffensive, die es weiter nachhaltig fortzusetzen gilt.
Wir müssen in eine kleinteiligere Produktion investieren und unsere Philosophie in Richtung Qualitäten nach Lagen und Sorten weiter ausfeilen. Außerdem stehen Kundenorientierung und Servicequalität im Fokus der Optimierungen.
Besonders wichtig ist uns der Dialog mit unseren Mitgliedsbetrieben und allen angeschlossenen Winzerinnen und Winzern. Wir wollen zukünftig noch enger zusammenarbeiten und die Wirtschaftlichkeit in der Rebbewirtschaftung gemeinsam fördern. Dabei sollen Service, positives Denken und gemeinsamer Wille stetige Begleiter sein. Parallel hierzu gilt es, die Anforderungen des Marktes in der Sortenpolitik so einzupflegen, dass wir mittelfristig auf die entsprechenden Mengen und Qualitäten eingehen können, die der Handel und damit unsere Kunden sich wünschen.
Natürlich - Qualität direkt vom Erzeuger - damit wollen wir in Zukunft punkten und die weitere Ergebnissituation des Badischen Winzerkellers verbessern.
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