Sonntag, 04. Dezember 2016


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"Die Politik ist in der Pflicht, den stockenden Betreuungs-Ausbau solide zu finanzieren"

AWO Bundesverband setzt sich für einen "Kita-Gipfel" von Bund, Ländern und Kommunen ein, um die gravierenden Probleme zu lösen

(lifePR) (Berlin, ) "Bei allem Verständnis für die Finanz-Nöte der Kommunen dürfen die Ziele des Kinderförderungsgesetzes jetzt nicht aufs Spiel gesetzt werden", betont der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Tatsächlich ist der versprochene Ausbau der Betreuungsplätze insbesondere für Unter-Dreijährige offensichtlich vielerorts ins Stocken geraten, weil zahlreiche Kommunen sich nicht in der Lage sehen, neue Kita-Plätze zu finanzieren. "So rückt das Ziel in immer weitere Ferne, bis 2013 rund 35 Prozent der Kleinkindeltern einen Betreuungsplatz anbieten zu können", kritisiert Stadler. "Statt sich jetzt weiter gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben, sollten sich Bund, Länder und Kommunen an einen Tisch setzen und die akuten Probleme lösen, um dieses gesellschaftspolitisch so wichtige Ziel schnellstmöglich zu erreichen", fordert der AWO Bundesverband.

Für eine Versorgung von 35 Prozent fehlen bundesweit noch rund 275 000 Plätze. Tatsächlich wächst der Bedarf an guter Kinderbetreuung ständig weiter, das spüren auch die bundesweit rund 2000 AWO Kindergärtenan immer längeren Wartelisten. Zugleich stoßen Freie Träger, die sich wie die AWO massiv an dem Kita-Ausbau beteiligen wollen, bei den Kommunen zunehmend auf Zurückhaltung, denn angesichts der leeren Kassen wollen oder können sich immer mehr Städte und Gemeinden die Invesitions- und Unterhaltungskosten kaum mehr leisten.

Aus Sicht der AWO ist schon die avisierte Versorgungsquote von 35 Prozent im Kifög-Gesetz nicht ausreichend finanziert. Hinzu kommt, dass viele Länder sich nicht wie geplant mit Eigenmitteln beteiligen und auch die Bundesmittel von insgesamt 4 Milliarden Euro noch nicht vollständig abgerufen haben. Nicht zuletzt belastet nun die falsche Steuerpolitik der Bundesregierung die ohnehin klammen Kommunen mit weiteren Einnahmeausfällen in Milliardenhöhe.

"So ist die Kritik der kommunalen Spitzenverbände am Bund und an den Ländern einleuchtend, doch gleichzeitig sind die daraus abgeleiteten Forderungen nach einer Verschiebung oder gar Kappung des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz ab 2013 falsch", betont Stadler. "Stattdessen sollten sich jetzt alle Beteiligten zusammensetzen und die Umsetzung des Kinderföderungsgesetzes endlich solide finanzieren", fordert der AWO Bundesverband.

Zugleich müsse sich die Politik auch dem jetzt schon gravierenden Fachkräftemangel zuwenden, der sich ständig weiter verschärft. "Für den Betreuungsausbau sind nach jüngsten Angaben der Bundesregierung rund 40 000 zusätzliche Vollzeitstellen für ErzieherInnen, plus 25 000 geschulte Tagespflegepersonen nötig", mahnt der AWO Bundesvorsitzende. "Ganz klar: Die Politik muss deutlich mehr tun, um die Qualität der Betreuung zu sichern."

Es reiche nicht, wenn die Bundesregierung rein verbal bekräftige, dass die Aus- und Fortbildung pädagogischer Fachkräfte ein "Schlüsselfaktor" sei und dafür zusätzliche Ausbildungskapazitäten an Fachschulen nötig seien. "Von zentraler Bedeutug ist es, bei den jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen für Berufsrückkehrerinnen, Quereinsteiger und Umschüler dafür zu sorgen, dass ihr Einsatz in den Kitas nicht auf Kosten der Qualität der Betreuung geht", betont Stadler. Das gelte insbesondere für die verstärkten Angebote für Unter-Dreijährige, die besondere pädagogische Anforderungen stellen.

"Der Betreuungsausbau ist eine sehr wichtige gesellschaftspolitische Weichenstellung, die nicht scheitern darf", unterstreicht Stadler. Denn es gehe nicht nur um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern auch um eine größere Chancengerechtigkeit, indem alle Kinder einen frühen Zugang zu Bildung, Betreuung und Erziehung haben. Und nicht zuletzt: "Gute Betreuung und Bildung ist ein Arbeitsmarkt der Zukunft - Investitionen in diesen Bereich zahlen sich doppelt und dreifach aus", betont der AWO Bundesvorsitzende.

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