Sonntag, 11. Dezember 2016


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80 Jahre Artek

(lifePR) (Berlin, ) Als das Architekten- und Designerpaar Alvar und Aino Aalto, die Kunstmäzenin Maire Gullichsen sowie der Kunsthistoriker und Kritiker Nils-Gustav Hahl im Oktober 1935 in Helsinki den Entschluss fassten, Artek zu gründen, begann eines der ungewöhnlichsten und ambitioniertesten Projekte der Möbelgeschichte. Der unmittelbare Anlass zu diesem Schritt war der Wunsch, den internationalen Vertrieb der Möbel von Alvar und Aino Aalto auf eine professionelle Basis zu stellen. Das Möbelgeschäft aber verband sich mit einer kulturellen Mission, die über das rein Kommerzielle weit hinaus ging. Die Gründer konzipierten Artek als Plattform für moderne Kunst, Industrie, Inneneinrichtung und Propaganda. Der Zweck des Unternehmens sei es, so definierten sie, "Möbel zu vertreiben sowie durch Ausstellungen und andere Formen der Vermittlung eine moderne Lebenskultur zu fördern".

Ein Projekt der Moderne

Die Gründung von Artek steht im Kontext der noch jungen Bewegung der internationalen Moderne in Kunst, Design und Architektur. Sie reflektiert deren Ideen und Ideale. Der Name Artek ist dabei als programmatisches Bekenntnis zu verstehen. Denn die Verschmelzung von Kunst und Technik, die im Design der Aaltos beispielhaft eingelöst wurde, zählte auch außerhalb Finnlands zu den zentralen Zielen der Moderne.

Für die Gründergeneration war Artek von Anfang an ein Vehikel, um in einen vielschichtigen Dialog mit der internationalen Avantgarde zu treten und den kulturellen Austausch mit der Welt zu intensivieren. Die Mission, die Artek dabei zu erfüllen hatte, war eine Doppelte: Während das Unternehmen in Finnland auf vielen Ebenen als Botschafterin und Propagandistin von Design und Kunst wirkte, bestand die Aufgabe im Ausland vor allem darin, die im Werk der Aaltos verkörperte nordische Variante der Moderne bekannt zu machen und den Export ihrer Möbel anzukurbeln.

Artek und Aalto

Bereits in den Jahren um 1930 hatte Alvar Aalto damit begonnen, das traditionelle Möbelmaterial Holz für eine Gestaltung im Sinn der Moderne zu nutzen. Der Rückgriff auf den natürlichen Rohstoff Holz lag in einem damals noch wenig industrialisierten, aber waldreichen Land wie Finnland nahe. Funktionale Vorteile, wie etwa die angenehme Haptik des Holzes und seine warme Ausstrahlung, kamen hinzu. Durch Experimente und in enger Zusammenarbeit mit versierten Handwerkern gelang ihm eine Reihe von technischen Innovationen, die die Basis für epochale Entwürfen bildeten. Man denke an die Hocker mit Lförmig gebogenen Beinen, die Schichtholz-Freischwinger oder den Paimio-Sessel mit seinem federnden Sperrholz-Sitz - allesamt Ikonen der Designgeschichte mit einem fast schon archetypischen Charakter.

Mit Artek entwickelten Alvar und Aino Aalto im Lauf der Zeit eine umfangreiche Kollektion von Möbeln und Leuchten, mit der sich praktisch sämtliche Einrichtungsbedürfnisse erfüllen ließen - im privatem, aber auch im öffentlichen Bereich. Ganz im Geist der Moderne konzipierten sie diese Möbel nicht als extravagante Einzelstücke, sondern als funktionale Standard-Lösungen für die serielle Produktion. Und wo immer es sich anbot, dachten sie in Systemen. Das erstmals beim Hocker eingesetzte L-förmige Bein lässt sich beispielsweise auch für andere Sitzmöbel und für Tischuntergestelle nutzten.

Das Design der Aaltos steht exemplarisch für den besonderen Charakter der Artek-Kollektion, der sich durch Klarheit, Funktionalität, Alltagstauglichkeit und poetische Schlichtheit auszeichnet. Ihre Entwürfe, die geradezu essentielle Lösungen repräsentieren, haben sich als zeitbeständig erwiesen und über Jahrzehnte nichts von ihrer Überzeugungskraft eingebüßt. Gerade heute, in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen nach Dauerhaftem und Authentischem sehnen, erscheinen sie so aktuell, wie lange nicht mehr.

Artek in Finnland

Über Jahrzehnte hat Artek die Wohn-, Lebens- und Alltagskultur Finnlands wesentlich geprägt. Das Unternehmen ist dadurch selbst Teil der modernen finnischen Identität und zum nationalen Kulturgut geworden. Artek-Produkte, die noch immer weitgehend in Finnland selbst hergestellt werden, fanden und finden hier eine entsprechend weite Verbreitung. Sie sind in zahlreichen öffentlichen Gebäuden ebenso anzutreffen, wie in zahllosen privaten Haushalten. Die Artek-Geschäfte in Helsinki sind landesweit bekannte Institutionen und zählen zu den touristischen Fixpunkten der finnischen Hauptstadt. Als Importeur von Produkten internationaler Design-Marken hat Artek auch schon früh begonnen, die Welt nach Finnland zu bringen. Seit Generationen gilt das Unternehmen daher als Garant für guten Geschmack und qualitätsvolles Design.

Artek GmbH

Seit seiner Gründung hat das Projekt Artek Höhen und Tiefen erlebt, sich gewandelt und dabei immer wieder seine Anpassungsfähigkeit an bisweilen radikal veränderte Rahmenbedingungen unter Beweis gestellt. Das zeigt sich in der Entwicklung der Kollektion, die im Laufe der Jahre eine dezidiert zeitgenössische Erweiterung und Öffnung erfuhr. Die Möbel, Leuchten und Objekte von Alvar und Aino Aalto bilden, mittlerweile längst zu Klassikern avanciert, den Kern der Artek-Kollektion. Entwürfe von bedeutenden Meistern des nordischen Designs wie Ilmari Tapiovaara, Tapio Wirkkala, Eero Aarnio und Yrjö Kukkapuro ergänzen und bereichern aber mittlerweile das Programm. In der jüngeren Vergangenheit kam es zu einer verstärkten Zusammenarbeit mit internationalen Architekten, Designern und Künstlern, die in ihrer gestalterischen Haltung, in ihrer Formensprache und in ihrem intelligenten Umgang mit Technologie der Artek Philosophie nahe stehen - so etwa mit Shigeru Ban, Enzo Mari, Tobias Rehberger, Konstantin Grcic, Hella Jongerius oder jüngst mit Ronan und Erwan Bouroullec. 80 Jahre nach der Firmengründung und im Sinne der radikalen Gründergeneration führt Artek die Entwicklung von neuen Wegen an der Schnittstelle von Design, Kunst und Architektur fort.

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