Dienstag, 06. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 135655

Ausweitung des Niedriglohnsektors - Ergebnisse für Bremen

(lifePR) (Bremen, ) Arbeitnehmerkammer und Statistisches Landesamt Bremen haben eine enge Zusammenarbeit bei der Analyse und Darstellung regionaler Beschäftigungsstrukturen sowie auf dem Gebiet der Arbeitsmarktentwicklung vereinbart. Erstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eine Analyse des Lohngefüges in Bremen, im Fokus steht die Entwicklung im Niedriglohnsektor *.

Niedrig entlohnt ist eine Tätigkeit dann, wenn das monatliche Bruttoeinkommen unterhalb von zwei Dritteln des mittleren Einkommens einer Vollzeittätigkeit in den alten Bundesländern (ohne Berlin) liegt. Für das Jahr 2000 war dies der Betrag von 1.611 Euro, 2007 handelte es sich um einen Niedriglohn, wenn 1.765 Euro unterschritten wurden.

Auf dieser Basis ergeben sich für das Land Bremen folgende Ergebnisse:
- 40 Prozent sämtlicher Monatsverdienste des Jahres 2007, 25 Prozent der von Männern und sogar 55 Prozent der von Frauen sind dem Niedrigeinkommensbereich zuzuordnen, wenn neben den Bezügen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auch die der "Minijobber" einbezogen werden.
- Bei den Vollzeitbeschäftigten beziehen 15 Prozent der Männer und mehr als 30 Prozent der Frauen ein Niedrigeinkommen
- Der Anteil von Niedriglöhnen hat sich bei den Vollzeitbeschäftigten zwischen 2000 und 2007 von 15 auf 20 Prozent erhöht. Dabei stieg der Anteil bei den Einkünften von Männern von 10 auf 15 Prozent, während er bei den Einkünften von Frauen auf dem äußerst hohen Niveau von rund 30 Prozent verharrte.

Löhne unterhalb der Hilfebedürftigkeitsgrenze

Von besonderem Interesse sind die Bruttomonatsverdienste, die unterhalb eines Betrags von 1.300 Euro brutto liegen. Ein solcher Monatsverdienstes reicht bei Alleinstehenden gerade einmal aus, Hilfebedürftigkeit im Sinne des Sozialgesetzbuchs II zu überwinden. Bezogen auf alle Beschäftigten hat sich der Anteil dieser Monatsverdienste im Land Bremen zwischen 2000 und 2007 von 20 auf 30 Prozent erhöht. Dieser Wert entspricht dem Bundesdurchschnitt, ist aber - wie eine zusätzliche Auswertung ergibtgegenüber anderen Großstädten deutlich erhöht. 2007 hatten also schätzungsweise mehr als 100.000 Personen unter den insgesamt rund 327.000 Beschäftigten einen durchschnittlichen Monatsverdienst von weniger als 1.300 Euro. Rund 10 Prozent der Vollzeitbeschäftigten bezogen 2007 Monatseinkommen unterhalb der Hartz-IV-Bedürftigkeitsschwelle - umgerechnet zwischen 23.000 und 34.000 Personen. Der Anteil der Monatsverdienste, die rechnerisch unterhalb der Subsistenzschwelle liegen, hat sich damit gegenüber dem Jahr 2000 verdoppelt (5 Prozent).

Großer Abstand zwischen Arbeitseinkommen von Männern und Frauen

Frauen haben spürbar niedrigere Monatsverdienste als Männer. Nicht nur, weil sie häufiger eine Teilzeittätigkeit ausüben. Auch in Vollzeittätigkeiten verdienen sie ein gutes Viertel weniger als Männer. Dieser relative Lohnabstand hat sich gegenüber dem Jahr 2000 sogar um 0,5 Prozent erhöht.

Die Ergebnisse der Untersuchung verweisen in mehrfacher Hinsicht auf eine starke Ungleichheit der Arbeitseinkommen von Männern und Frauen. Im Jahr 2007 verdienten männliche Vollzeitbeschäftigte im Durchschnitt 3.093 Euro und damit 806 Euro mehr als eine in gleichem zeitlichen Umfang beschäftigte Frau. Der Einkommensunterschied betrug im Jahr 2000 25,5 Prozent, im Jahr 2007 26 Prozent. Frauen verdienen besonders häufig weniger als das, was zum Leben reichen würde. Im Jahr 2007 lag der Monatsverdienst von 40 bis 45 Prozent aller Frauen unterhalb der Hartz-IV-Schwelle von 1.300 Euro. Bei Männern liegt dieser Anteil bei knapp über 20 Prozent. Darin eingerechnet sind auch Teilzeitstellen. Aber auch bei fast 20 Prozent aller vollzeitbeschäftigten Frauen liegt der Monatsverdienst unter dem Wert des sozioökonomischen Existenzminimums.

Unterm Strich: Schwache Entwicklung der Monatsverdienste

Für alle hier in Betracht kommenden Monatsverdienste der sozialversicherten Beschäftigten und Minijobber, hat sich der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst zwischen 2000 und 2007 nur um 5,3 Prozent erhöht - von 2.107 Euro auf 2.218 Euro. Pro Jahr entspricht das durchschnittlich 16 Euro oder 0,8 Prozent mehr. Diese Entwicklung lässt sich zum großen Teil auf die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigung und der Minijobs zurückführen, wobei letztere als Form der "atypischen" Beschäftigung im Niedriglohnsektor deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Zwar wurden Mitte 2007 im Land Bremen rund 4.000 Beschäftigte mehr als im Jahr 2000 verzeichnet, doch ist gleichzeitig die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 12.000 gesunken. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten bzw. Minijobber nahm in diesem Zeitraum um rund 16.000 zu.

Bei den Vollzeitbeschäftigten gab es im unteren Drittel kaum Einkommenszuwächse. Im betrachteten Zeitraum haben die Monatseinkünfte in der unteren Hälfte der Verteilung in geringerem Umfang als in der oberen Hälfte der Verdienstskala von Lohnzuwächsen profitiert. Es zeigt sich ein zunehmender Abstand zwischen hohen und niedrigen Verdiensten. Im unteren Drittel der Verdienstskala gab es keine nennenswerte Erhöhung der Durchschnittseinkommen. Im Jahr 2000 betrug der Durchschnittsbetrag im obersten Zehntel der Monatsverdienste von Vollzeitbeschäftigten 4.218 Euro und stieg bis 2007 auf 4.944 Euro an. Im unteren Zehntel jedoch sank der durchschnittliche Monatsverdienst von 1.262 Euro auf 1.194 Euro.

* Die Datengrundlage dieser Analyse bildet das schwach anonymisierte BA-Beschäftigtenpanel, Version Quartale 4/2000 und 4/2007. Der Datenzugang erfolgte mittels kontrollierter Datenfernverarbeitung beim Forschungsdatenzentrum.

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