Freitag, 02. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 67487

Unfall bei Waldspaziergang:

Streit um Sturz auf morscher Brücke

(lifePR) (Köln, ) Der Eigentümer eines Waldgrundstücks ist grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, einen abseits eines Wanderweges gelegenen Holzsteg über einen Bach in verkehrssicherem Zustand zu erhalten. Verunglückt dort ein Wanderer, so muss der Grundstückseigentümer in der Regel nicht haften, entschied das OLG Bamberg.

Wie der Anwalt-Suchservice (Service-Rufnummer: 0900 - 10 20 80 9/ 1,99 €/ Min.*) berichtet, war ein Mann bei einer Wanderung im Spessart auf einer über einen Bachlauf führenden Holzbrücke eingebrochen, gestürzt und hatte sich am linken Sprunggelenk verletzt (Knöchelbruch/ komplette subtalare Luxation). Vor ihm hatte eine Wandergruppe die Brücke, die abseits des regulären Wanderweges lag, noch unbeschadet überquert. Als auch der 130 Kilo schwere Spaziergänger diese Abkürzung nutzen wollte, gab der alte, verwitterte und an zwei Stellen lückenhafte Steg jedoch nach.

Der Verletzte verklagte später den Grundstückseigentümer auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Wegen des nahen Wanderweges, so meinte er, hätte der mit der Benutzung der Brücke rechnen und diese sichern bzw. absperren müssen. Das OLG Bamberg sah das allerdings anders (Urt. v. 17.3.08 - 4 U 179/07).

Der Grundstückseigentümer hafte nicht wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht, so das Urteil. Er sei nicht verpflichtet gewesen, den Steg für Wanderer in einem verkehrssicheren Zustand zu halten. Bei der Errichtung des Bachsteges, so die Richter, habe der Eigentümer keinen öffentlichen Verkehr eröffnen, zulassen oder dulden wollen. Mit einem regelmäßigen Wandererverkehr abseits des regulären Wanderweges habe er auch nicht rechnen müssen.

Der Verletzte hingegen hätte bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt erkennen müssen, dass der normale Wanderweg nicht über den Steg führte. Er habe keinen gesicherten Zustand erwarten können, sondern ihm hätte bewusst sein müssen, dass die Wartung eines Bachsteges mitten im Wald nicht üblich sei. Der Steg sei auch erkennbar alt, verwittert und lückenhaft gewesen. Der Mann habe, als er den kürzesten und trockenen Weg über den Bach wählte, selbst das Risiko seiner Benutzung auf sich genommen und hätte wissen müssen, dass der Holzsteg sein überdurchschnittliches Körpergewicht von 130 Kilo vermutlich nicht tragen würde.

Angesichts dieser Gesamtumstände, so die Richter, könne eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht des Grundstückseigentümers nicht angenommen werden. Zumindest aber wäre das Mitverschulden des Verletzten bei der geschilderten Sachlage so groß, dass ein etwaiges Verschulden des Grundstückseigentümers vollständig dahinter zurücktreten würde.

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