Donnerstag, 19. Januar 2017


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AbL kritisiert Siegel des Arla-Milchkonzerns "Gehört uns Milchbauern"

(lifePR) (Hamm/Westf., ) Das angekündigte Siegel des ursprünglich skandinavischen und mittlerweile multinationalen Arla-Milchkonzerns auf seinen Milchprodukten, wonach die gekauften Produkte von einer Genossenschaftsmolkerei stammten, die den Milchbauern gehöre, bewertet der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) als "eher zynische Schönfärberei" der Tatsache, dass Milchbauern auch in Großmolkereien mit Genossenschafts-Rechtsform längst keinen Einfluss mehr hätten. Die AbL rief den Lebensmittelhandel und alle Verbraucher auf, dieses "Transparenz-Siegel" kritisch zu hinterfragen und die konzernübergreifenden Aktionen aller Milchbauern für faire Milchpreise zu unterstützen.

AbL-Landesvorsitzender Ottmar Ilchmann verwies auf die zahlreichen Proteste auch von Arla-Milchbauern gegen ruinöse Erzeugerpreise: "Mit dem steten Scheinargument, die Molkereien seien einem angeblichen Preis-Diktat des Lebensmittelhandels ausgeliefert, will man auch weiterhin die für Milchbauern ruinöse Überproduktion fortsetzen, bei der Bauern ihre Milch lediglich bei den Konzernen abliefern und erst Wochen danach erfahren, was ihnen die Molkereien vom erwirtschafteten Restbetrag auszahlen." Europäische Milchbauern arbeiteten deshalb im European Milkboard (EMB) an einer quasigewerkschaftlichen Vorwärtsstrategie, die - flächendeckenden Tarifverträgen ähnlich - eine konzernübergreifende Milchbauern-Organisierung gegenüber der gesamten Molkereibranche und damit allen Molkereien ermöglichten. Dann könnten die Molkerei-Manager und mit ihnen verbandelte Bauernverbands-Funktionäre die Milchbauern der verschiedenen Molkereien nicht mehr mit "Genossenschafts-Gerede" oder dem Hinweis auf die Konkurrenzlage zwischen den Molkereien hinhalten.

Radio Schweden zufolge ergab eine Umfrage des Schwedischen Fernsehens, dass etwa 70 Prozent der schwedischen Milchbauern gerne den Abnehmer wechseln würden. Arla mache mit schwedischer Milch Gewinne machen, verwende diese aber zur Kompensation von Exportverlusten, die in Deutschland und in den Niederlanden entstünden. Von den 4.200 schwedischen Milchbauern hätten laut Radio Schweden 80 Prozent finanzielle Probleme - schwedische Bauern forderten deshalb eine Befassung des schwedische Parlaments mit der "schlimmsten Milchkrise seit 40 Jahren" befasst. Jeden Tag müsse derzeit ein schwedischer Landwirt seinen Betrieb schließen.

In Schweden und Deutschland hatten Milchbauern bereits im letzten Jahr bei Kundgebungen vor Arla-Milchwerken gegen die Arla-Geschäftspolitik protestiert und höhere Milcherzeugerpreise gefordert. Bereits 2012 hatten empörte britische Milchbauern erst mit ihren massiven Protesten vor Arla-Molkereien eine Rücknahme von Preissenkungen erzwingen können. Auch deutsche Milchbauern-Vertreter lehnten die Forderungen - auch von Arla-Vertretern - nach einer weiteren Konzentration im Molkereisektor mit Hinweis auf die jetzt schon bestehende Quasi-Monopolstellung von Großmolkereien in vielen Regionen gegenüber den Milchlieferanten ab.

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